StartGemeindenRegionSo verbleibt Wertschöpfung im Tal

So verbleibt Wertschöpfung im Tal

Über die Pflege der Wälder im Frutigland wird einerseits deren Schutzfunktion erhalten und andererseits ein gewisser

Ertrag erwirtschaftet. Es sind hauptsächlich zwei alteingesessene Sägereien, die in der Region die dazu nötige Verarbeitungskapazität sicherstellen.

Über die Geschäftsstelle Forst Frutigland werden Schutzwaldpflege, Lebensraumund Artenförderung, die Behebung von Waldschäden sowie die Waldbewirtschaftung koordiniert. Dabei handelt es sich um insgesamt 8400 Hektar Wald in den Gebieten von Reichenbach (Sitzgemeinde), Frutigen, Kandergrund, Kandersteg und Adelboden. Die Geschäftsstellenleiterin Flora Märki erklärt: «Den Rohstoff Holz vermarkten wir möglichst im Tal, das mit den Sägereien Ryter in Kandergrund sowie Zurbrügg in Frutigen über zwei alteingesessene Betriebe verfügt. Grössere Mengen gehen allerdings in die Sägereien von Erlenbach oder Worb.» 2025 sei im Frutigland mit 16 583 Kubik Holz – wovon 1269 Kubik Forstschutz – eine leicht höhere Menge als in den Vorjahren genutzt worden. «Der über die Geschäftsstelle Forst Frutigland verkaufte Teil betrug rund 5200 Kubikmeter», sagt Flora Märki.

Sägerei Ryter: Tradition und Flexibilität in Kandergrund

Die Sägerei Ryter ist ein rund 120-jähriger Familienbetrieb, der aktuell von

Hansueli Ryter (60) in der vierten Generation geführt wird. Seine Frau Karin betreut das Büro und neben dem festangestellten Peter Wittwer hilft auch der bereits pensionierte Kurt Ryter bei Bedarf weiterhin im Betrieb mit. «Wir verarbeiten pro Jahr gut 1000 Kubik Holz, das ausschliesslich aus der Region stammt», sagt Hansueli Ryter. «Gut die Hälfte liefert uns Forst Frutigland, den Rest beziehen wir von privaten Waldbesitzern, wobei wir uns auch als Lohnholzer betätigen. Das heisst, der Kunde liefert das Holz, wir schneiden es nach seinen Wünschen zu, und er verwendet es anschliessend beispielsweise zum Hausbau.» Das anfallende Abfallholz werde von der Frutiger Firma Brügger zu Schnitzel für deren Fernheizung verarbeitet.

Spezialprodukte und Generationenwechsel

Nebst der standardmässigen, vielseitigen hölzernen Produktepalette werden bei Ryters auch Spezialwünsche erfüllt. «Neu gibt es bei mir zudem verleimtes Duoholz für den Innenausbau, das zunehmend gefragt ist», erklärt der Chef, der sich selbst als vielseitig und flexibel bezeichnet. Er freut sich über einen während den vielen Jahren aufgebauten treuen Kundenstamm im Tal – hauptsächlich Zimmereien sowie Privatpersonen – und blickt entsprechend optimistisch in die Zukunft. Auf seine dereinstige Pensionierung angesprochen meint der

Hansueli Ryter (rechts) und Peter Wittwer präsentieren sich vor der Säge im an der Lötschbergstrasse gelegenen Betrieb.

Senior: «Mein Sohn Michael Ryter ist Zimmermann. Nach heutigem Stand wird er die traditionsreiche Sägerei weiterführen, wenn es soweit ist.»

Investitionen und regionale Zusammenarbeit

Gute Geschäftsergebnisse seien logischerweise wichtig, weil immer wieder Investitionen nötig seien, erklärt Hansueli Ryter. «Ersatzteile und Reparaturen an den vielen nötigen Maschinen einer Sägerei gehen ins Geld. Und die über eine Wärmepumpe gespiesene Trocknungskammer, die ich jetzt anschaffen will, kostet beispielsweise 110 000 Franken. Die vor einem Jahr auf dem Dach installierte Solaranlage liefert dagegen erfreulich viel Strom, den ich selber nutzen kann.» Auf die Sägerei Zurbrügg in Frutigen angesprochen, meint Ryter: «Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern helfen uns wo nötig gegenseitig aus. So kann ich zum Beispiel seine Trocknungskammer mitbenutzen, wenn ich selber zu wenig Kapazität habe.»

Sägerei Zurbrügg: Wachstum und Fachkräftemangel

Auch die an der Tellenfeldstrasse 7 gelegene Zurbrügg + Cie. AG ist ein Familienbetrieb, der von Iwan Zurbrügg (35) in der vierten Generation geführt wird.

«Im Betrieb arbeiten inklusive Büro drei bis vier Personen, wobei wir im ersten Halbjahr locker zwei Leute mehr hätten beschäftigen können. Aber die sind leider nicht zu finden», erklärt der Geschäftsführer. «Das verarbeitete Holz – jährlich zwischen 1500 und 1800 Kubik – stammt hauptsächlich aus dem Kanton Bern. Grosse Stämme von bis zu 22 Meter beziehen wir zum Teil aus dem Gantrischgebiet und die zunehmend gefragten Douglasien, von denen ich mehr als 150 Kubik umsetzen könnte, aus der Region Magglingen.»

Von lokalen Kunden bis nach Norwegen Die Kundschaft für die diversen Holzarten stamme grösstenteils aus der Region, in der Corona-Zeit habe man aber sogar Norwegen mit Holz versorgt und für dort Lawinenkreuze hergestellt.

Seit jener Zeit sei in der Schweiz auch das unverleimte Holz wieder vermehrt gefragt. So habe man beispielsweise vor zwei Jahren solches Holz für ein Haus im Wallis liefern können. «Das war eine spannende Angelegenheit», berichtet Zurbrügg. «Dort wurden zwei identische Gebäude erstellt, eines mit komplett verleimtem Holz, das andere eben unverleimt. Und tatsächlich, das unterschiedliche Raumklima ist spürbar …»

Energieautonomie und erweitertes Angebot

Da es immer weniger Sägereien gebe, weite sich der Kundenkreis langsam, aber stetig aus, sagt Iwan Zurbrügg. «So werden wir in letzter Zeit beispielsweise zunehmend aus der Region Interlaken/Bönigen kontaktiert.» Zurbrüggs führen eine breite Palette an Bauholz und Hobelwaren aller Art. Mit dem Slogan «Ob Material für massgefertigte Möbel, Holzkonstruktionen oder spezielle Anfertigungen – wir setzen Ihre Ideen um», wird auf der Webseite der Firma geworben. Im Angebot sind auch Hochbeete aus Douglasien oder Lärchenholz.

Laut Iwan Zurbrügg stammen gegen 80 Prozent der benötigten ElektroEnergie von der installierten Solaranlage. Schnitzel und Sägemehl werden zum Betrieb der firmeninternen Trocknungskammer und dem eigenen Fernwärmeverbund verwendet. «Letzterem sind drei Firmengebäude und fünf Einfamilienhäuser in der Umgebung angeschlossen», informiert der Geschäftsführer. «Überschüssige Schnitzel werden nach Kandersteg verkauft und Sägemehl, das wir nicht selber verbrennen, wird von der Firma Interspan Tschopp abgeholt und zu Pellets verarbeitet.»

Zuletzt erschienen

Ähnliche Artikel

Mehr von diesem Autor