StartGemeindenAdelbodenDas «Dübener-Ei», NostalgieCars und FBI-Schlitten

Das «Dübener-Ei», NostalgieCars und FBI-Schlitten

ADELBODEN Zum 14. Mal reihten sich rund 100 Oldtimer-Fahrzeuge entlang der Dorfstrasse auf. Ihre Besitzerinnen

und Besitzer erzählten die Geschichte ihrer Gefährte, und unzählige Interessierte hörten gespannt zu.

Wie immer am letzten Sonntag im Juli erfüllte Benzingeruch die klare Bergluft, und sattes Motorengebrumm liess die Besucherinnen und Besucher aufhorchen. Zu Hunderten bestaunten sie die schnittigen und eleganten Karosserien und beugten sich über die schicken Interieurs. Manche liessen sich gerne auf einen Schwatz mit den Besitzern ein. Die Spannweite der ausgestellten Oldtimer reichte vom historischen Ford Model A (Baujahr 1931) bis zum eleganten Mercedes 300SL-Cabriolet. Auch drei nostalgische Postautos waren zu bewundern.

Der Postauto-Kletterbus

Gelb leuchtet er in den Postauto-Farben: der 23-plätzige Bus. Die Einzelanfertigung, 1946 von der Schweizer Firma Saurer auf Geheiss des Adelbodner Carunternehmers Karl Geiger gebaut, erklomm im Sommer die steile Strasse zwischen Reichenbach und der Griesalp mit ihren 28 Prozent Steigung. Im Winter karrte das Gefährt im Akkord ungeduldige Skigäste von der Adelbodner Busstation ins Geilsbrüggli.

Heute gehört der gepflegte Bus dem gebürtigen Adelbodner Peter Schmid. Sein Vater arbeitete 45 Jahre lang als Chauffeur. «Der einzigartige Car war sein Leben, und er kannte beide Strecken wie seine Hosentaschen. Mein Vater betrachtete ihn als ‹seinen› Bus. Als Schulkind verbrachte ich ungezählte Stunden beim Putzen des Fahrgastraumes», erzählt Schmid. Er kaufte den Bus im Jahr 2006 dem damals 84-jährigen Karl Geiger ab – nicht zuletzt zu Ehren seines Vaters Gottfried. Gelegentlich führt er Fahrten für Gäste durch, welche die nostalgische Atmosphäre im 23-Plätzer schätzen.

Schicke Cabrios und ein FBI-Dienstfahrzeug

Das Adelbodner Stammgäste-Paar Karin und Georges Boesch hat sich stilgerecht gekleidet, um ihr vornehmes Mercedes-Cabriolet 300SL (Baujahr 1987) mit nur gerade 109 000 Kilometer auf dem Tacho zu präsentieren. Die Eltern von Georges fuhren während seiner Kinderzeit die Limousine des gleichen Typs. «Es war immer mein Traum, die Cabrio-Version zu besitzen», erklärt

er. Vor zwölf Jahren erfüllte sich Boesch diesen Bubentraum. Nun gedenkt das Paar jedoch, ihr Cabrio zu verkaufen. Zu selten ergäben sich Möglichkeiten zum Ausfahren, begründen sie ihren Entscheid.

Die in England geborene und seit 27 Jahren in der Schweiz ansässige Vivienne Schneider dagegen ist weit davon entfernt, sich von ihrem eleganten Jaguar E-Coupé Serie 1 (Baujahr 1962) zu trennen. Zu sehr ist ihr das ikonische Fahrzeug ans Herz gewachsen. «Unser Nachbar besass einen solchen Wagen. Wenn er jeweils abends zurückkehrte und den Motor mit Zwischengas aufheulen liess, wussten wir Kinder: Mister Carter ist zuhause», schildert die Wahl-Baslerin. Der Jaguar E erlangte seine Berühmtheit nicht zuletzt, weil er der Dienstwagen des legendären Krimi-Helden Jerry Cotton war. Die Heftserie war weltweit die erfolgreichste ihrer Art und wurde von Millionen Leserinnen und Lesern verschlungen.

Der Trabant und sein Ei. Das Gespann ist allerdings nicht passtauglich. Vivienne Schneider und ihr Jaguar E – eine Ikone im englischen Fahrzeugbau.

Ein Wohn-Ei und ein Kult-Zugfahrzeug

Besondere Aufmerksamkeit erregte ein aussergewöhnliches Gespann. Voller Stolz zeigt Ingo Bernstein seinen MiniWohnwagen, gezogen von einem Original-Trabant 600 de Luxe (Baujahr 1964). Zu DDR-Zeiten warteten die Käufer bis zu 15 Jahre auf einen solchen fahrbaren Untersatz aus Kunststoff. Ganze 26 PS bringt das Fahrzeug auf die Strasse. Glücklicherweise wiegt der Anhänger nur gerade 300 Kilogramm.

Bernstein berichtet: «Der Hersteller des schnuckligen Wohnwägelchens suchte ein Liebesnest, wenn er mit seiner Sekretärin geschäftlich unterwegs war. Die prüden Sittenvorschriften der DDR erlaubten nur Ehepaaren Hotelübernachtungen im gleichen Zimmer. Der findige Unternehmer machte aus der Not eine Tugend und erfand das ‹Dübener Ei›.» Bernstein hat Sinn für Humor und Ironie. Er schmückte die Rückseite des Wohnwagens mit der Aufschrift «Stauanfang», weil sich immer wieder hinter seinem Gefährt eine lange Autoschlange bildete. «Immerhin erfahre ich so gut wie nie Unmutsbezeugungen von anderen Verkehrsteilnehmern – im Gegenteil», lässt der Garagier aus Höfen wissen, der seine Kinderzeit in Dresden verbracht hat. Er ist auch Präsident der Vereinigung «Oberländer Autofreunde», die über 100 Fans von klassischen Automobilen umfasst.

Der Adelbodner Oldtimer-Tag gehört mittlerweile zum festen Bestandteil des Sommerprogramms der Tourismus Adelboden Lenk Kandersteg AG. Eventmanager Alfred Zumbach verantwortet zusammen mit dem einheimischen Oldtimer-Fan Heinz Burn den Anlass, der regelmässig über 100 Karossen mit mehr als 30 Jahren Lebenszeit ins Lohnerdorf bringt.

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