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Der erste Schritt

Vor viereinhalb Jahren konnte ich keine vier Kilometer am Stück laufen – obwohl Sport eigentlich schon immer zu meinem Leben gehörte. Doch zu wenig Bewegung, eine nicht gerade optimale Ernährung und rund 20 Kilo zu viel hinterliessen ihre Spuren. Damals hätte ich jeden ausgelacht, der mir erzählt hätte, dass ich gute vier Jahre später am Start eines Ultra-Laufes stehen werde und diesen auch zu Ende bringe. Ich selbst hätte es am wenigsten geglaubt. Doch nach den damaligen ersten vier Kilometer mit kontinuierlicher Schnappatmung sagte ich mir: «Basti, so kann das nicht weiter gehen!» Ich zog die Laufschuhe an. Der erste Lauf war hart. Der zweite auch. Und der zehnte ehrlich gesagt ebenfalls. Motivation war da, aber es brauchte Disziplin, die Entscheidung, auch dann loszugehen, wenn Sofa und Ausreden deutlich verlockender waren. Ich brauche Ziele. Also setzte ich mir immer wieder neue. Zehn Kilometer. Der erste Halbmarathon. Bis hin zu der ersten Teilnahme am Jungfrau-Marathon zwei Jahre nachdem ich mit dem Laufen anfing. Immer ein kleiner Schritt weiter. Vor gut zwei Wochen stand ich nun am Start des Eiger-Ultra-Trails. 54 Kilometer. Rund 3000 Höhenmeter und maximal 13 Stunden Zeit. Nicht, weil ich besonders talentiert bin. Sondern, weil ich vor viereinhalb Jahren beschlossen habe, den ersten Schritt zu machen – und danach den zweiten. Und den dritten. Immer weiter. Das hat mir gezeigt, dass Veränderungen selten über Nacht passieren. Sie entstehen aus unzähligen kleinen Entscheidungen. Aus Tagen, an denen man keine Lust hat und trotzdem losgeht. Genau dort entsteht Fortschritt. Diese Erfahrung nehme ich längst nicht mehr nur ins Lauftraining mit. Sie begleitet mich auch im Beruf und im Alltag. Wer bereit ist, dranzubleiben, auch wenn es mal unbequem ist, wird oft mit Dingen belohnt, die anfangs völlig unrealistisch erscheinen. Oder anders gesagt: Die grösste Distanz waren nie die 54 Kilometer am Eiger. Die grösste Distanz waren die ersten vier.

S.BAADER@FRUTIGLAENDER.CH

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