KULTUR Die zwölf Klassikfestivals des Berner Oberlandes erwirtschaften jähr- lich einen Umsatz von über elf Millionen
Franken. Rund 50 000 Besucherinnen und Besucher kommen in insgesamt 31 Ortschaften der Region in den Genuss klassischer Konzerte.
Erstmals wurden die ökonomischen Kennzahlen der zwölf Festivals umfassend erfasst. Der Verband der Klassikfestivals Berner Oberland (KFBO) zeigt anhand der Zahlen für 2024 auf, dass neben der kulturellen Strahlkraft auch der wirtschaftliche Nutzen von erheblicher Bedeutung ist.
Festivals generieren Übernachtungszahlen
Rund 2100 Musikerinnen und Musiker sind an den Festivals beteiligt. Die Solisten, Ensembles und Orchestermusiker weilen vielfach mehrere Tage vor Ort und generieren zusammen mit den vielen Festivaltouristen eine bedeutende Zahl von Übernachtungen. Dass zudem mehr als 300 Freiwillige eine grosse Zahl an Einsätzen leisten, unterstreicht
die tiefe Verankerung der Festivals in der lokalen Bevölkerung.
Hoher Eigenfinanzierungsgrad von 77 Prozent
Die öffentliche Hand – also Bund, Kanton, Gemeinden und Burgergemeinden – leistet im Durchschnitt 139 000 Franken Direktzahlungen pro Festival für die erbrachten gemeinnützigen Leistungen. Somit weisen die Klassikfestivals im Berner Oberland einen im Kulturbereich weit überdurchschnittlichen Eigenfinanzierungsgrad von 77 Prozent aus.
Tradition seit 1946
Die Klassikfestivals des Berner Oberlandes repräsentieren eine lange Tradition, sind sie doch über einen Zeitraum von acht Jahrzehnten gewachsen. Das älteste Festival sind die Schlosskonzerte Spiez, die 1946 gegründet wurden. Das jüngste ist das Swiss Chamber Music Festival Adelboden, das seit 2013 besteht.
Die Festivals dauern zusammengezählt 200 Tage und sind über das ganze Jahr verteilt. Seit seiner Gründung koordiniert der Verband KFBO die Durchführungszeiten, um zeitliche Überschneidungen möglichst zu vermeiden. Eröffnet wird der Festivalreigen jeweils Ende Januar von den Sommets Musicaux de Gstaad, gefolgt von den Interlaken Classics in der Osterzeit. Die Schlosskonzerte Spiez und Thun veranstalten ihre Konzerte in den Monaten Mai und Juni. Die Musikfestwoche Meiringen läutet Anfang Juli den Festivalsommer ein, dicht gefolgt vom Menuhin Festival Gstaad, der Mendelssohn Musikwoche Wengen, dem Alpinen Musikfestival «Klang am Grat» und den Bachwochen Thun.
Herbstliches Highlight in Adelboden
Einen besonderen Akzent setzt im frühen Herbst das Swiss Chamber Music Festival Adelboden. Als jüngstes Mitglied im KFBO-Bund hat sich das Festival in kurzer Zeit zu einer festen Grösse im internationalen Kammermusik-Kalender entwickelt. In der einzigartigen Bergkulisse des Lohnerdorfs treffen sich jährlich erstrangige Solisten und Ensembles, um in intimen Konzertsälen und an aussergewöhnlichen Orten Kammermusik auf höchstem Niveau zu präsentieren. Das Festival zieht nicht nur Musikliebhaber aus der ganzen Schweiz an, sondern sorgt auch in der Nebensaison für belebte Gästehäuser und eine gesteigerte Wertschöpfung in der Region. Mit seinem anspruchsvollen Programm und der persönlichen Atmosphäre bildet es auch in diesem Jahr vom 11. bis 20. September den krönenden Abschluss des langen Klassik-Sommers im Oberland.
Den finalen Schlusspunkt setzt im November das GAIA Musikfestival, das auch das rechte Thunerseeufer bespielt. Die Internationale Opernwerkstatt Sigriswil pausiert gegenwärtig. PD/MS



