BILDUNG Mit der Lehrabschlussnote 5,2 hat Enya Pieren aus Adelboden ihre Lehre als Plattenlegerin erfolgreich abgeschlossen. Dass sie einmal auf dem Bau arbeiten würde, war lange nicht selbstverständlich. Heute weiss die 18-Jährige: «Die Entscheidung für das Handwerk war genau die richtige.» Schon nächste Woche beginnt die junge Handwerksbegabte ihre nächste berufliche Herausforderung – eine verkürzte Lehre als Ofenbauerin.
«Es fühlt sich sehr gut an», sagt Enya Pieren und lächelt. «Ich fühle mich ein Stück erwachsener.» Nach drei intensiven Lehrjahren hält die Adelbodnerin ihr eidgenössisches Fähigkeitszeugnis in den Händen. Mit der Abschlussnote 5,2 hat sie ihre Erwartungen sogar übertroffen. «Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet», erzählt sie. «Ich habe mir einfach gewünscht, einen Notendurchschnitt von einer Fünf zu erreichen. Dass ich dieses Ziel tatsächlich geschafft habe, freut mich enorm.» Enya Pieren ist heute Plattenlegerin, das verdankt sie einer Faszination, die bereits vor einigen Jahren entstanden ist. Während des Hausbaus ihrer Familie beobachtete sie die Handwerker bei ihrer Arbeit. Besonders die Plattenleger beeindruckten sie. «Ich habe ihnen zugeschaut und fand es unglaublich spannend, wie präzise sie arbeiten. Danach wusste ich, dass ich diesen Beruf unbedingt kennenlernen möchte.» Nach dem Schnuppern stand für sie der Entschluss fest: «Das ist mein Beruf, den ich lernen möchte.»
Vom Schnuppern zur Traumlehrstelle
Ihre Lehre absolvierte Enya Pieren bei der Josi GmbH in Adelboden. Die Zusage erhielt die damalige Oberstufenschülerin nach nur zwei Schnuppertagen. «Ich war relativ spät dran mit der Lehrstellensuche», erzählt sie. «Mein Vater hat mir geholfen, den Schnuppereinsatz zu organisieren, da ich auch noch scheu war.» Schon nach kurzer Zeit fühlte sie sich im Betrieb wohl. «Alle waren sehr freundlich und ich durfte von Anfang an mitarbeiten, als ich dann noch die Lehrstelle bekam, war ich überglücklich.» Besonders schätzt sie das Vertrauen, das ihr während der Ausbildung entgegengebracht wurde: «Ich durfte schon früh selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen. Das hat mich motiviert und mir viel Selbstvertrauen gegeben.» Zu den eindrücklichsten Erinnerungen der jungen Lehrabgängerin zählt ein aussergewöhnlicher Auftrag. Gemeinsam mit ihren Arbeitskollegen verlegte Enya Pieren eine über zwei Meter auf 1,20 Meter lange Platte: «Wir mussten zuerst überlegen, wie wir diese überhaupt in die Räumlichkeiten bringen konnten. Dann mussten wir sie zuschneiden, und leicht waren diese Platten auch nicht. Das war schon eine spezielle Herausforderung.» Solche Arbeiten haben ihr besonders gezeigt, wie abwechslungsreich der Beruf ist.
Als einzige Frau auf der Baustelle
Einfach war die Lehrzeit nicht immer – als einzige Frau in der Berufsschulklasse und häufig auch auf der Baustelle – musste sich Enya Pieren ihren Platz erarbeiten. «Manchmal wurde ich nicht ernst genommen», erzählt sie. «Es gab Kunden, die überrascht waren, dass eine Frau die Plattenlegearbeiten ausführt. Einige fragten sogar nach einem Mann oder ob ich wirklich alleine da bin.» Solche Situationen haben sie anfangs beschäftigt: «Früher hat mich das gestört. Heute weiss ich, was ich kann. Deshalb ist es mir mittlerweile egal, was andere denken.» Die junge Plattenlegerin wünscht sich mehr junge Frauen, die sich für handwerkliche Berufe entscheiden: «Es ist schade, dass sich so wenige dafür interessieren. Ich kann den Beruf wirklich empfehlen.» Rückblickend ist Enya Pieren besonders stolz auf ihre schulischen und praktischen Leistungen. «Früher war ich keine besonders gute Schülerin», erzählt sie. «Mir wurde des Öfteren gesagt, dass ich gewisse Dinge wahrscheinlich nicht schaffen würde.» Während der Lehre habe sie jedoch gemerkt, was möglich ist, wenn sie ein Thema wirklich interessiert. «Ich hatte während der Ausbildung einen Notendurchschnitt von 5,5. Das hat mir gezeigt: ich kann mehr, als ich früher selbst geglaubt habe.»
Der nächste Schritt wartet bereits
Stillstand kennt Enya Pieren nicht. Bereits diese Woche beginnt die ambitionierte Lehrabgängerin bei ihrem Lehrbetrieb die verkürzte, zweijährige Ausbildung zur Ofenbauerin bei der Josi GmbH Adelboden. «Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung», sagt sie. «So kann ich mein handwerkliches Wissen noch erweitern.» Jugendlichen, die vor der Berufswahl stehen, gibt sie deswegen einen einfachen Rat mit auf den Weg: «Geht schnuppern und schaut euch möglichst viele Berufe an. Nur so merkt ihr, was euch wirklich gefällt.» Und besonders an junge Frauen richtet sie eine klare Botschaft: «Lasst euch nicht einreden, dass gewisse Berufe nur für Männer sind. Wenn euch etwas begeistert, dann macht es einfach.» So blickt die 18-Jährige nicht nur auf einen erfolgreichen Lehrabschluss zurück, sondern auch mit viel Motivation in ihre berufliche Zukunft – ganz nach dem Motto, das Enya Pieren während ihrer Lehrzeit selbst erlebt hat: Wer Freude an seiner Arbeit hat und an sich glaubt, kann weit mehr erreichen, als andere ihm zutrauen.



