StartKulturDer singende Gastgeber

Der singende Gastgeber

KULTUR 25 Jahre sind vergangen seit Peter Schmid im Jahr 2001 einen mutigen Schritt wagte, der sein Leben prägte. Damals verkaufte er seine Anteile am Landmaschinenbetrieb. Ein guter Job, ein sicheres Einkommen, ein etabliertes Umfeld. Doch etwas fehlte. «Ich war einfach noch nicht ganz angekommen», sagt er heute rückblickend. Dieser Satz markiert den Beginn einer Geschichte, die weit über die Hotellerie hinausgeht.

Peter Schmid, Gastgeber des Hotels Landhaus Adler, spricht offen darüber, wie er damals den Unterschied zwischen einem Unternehmer und einem Pionier zu begreifen begann: «Ein Unternehmer führt Bestehendes weiter. Ein Pionier erschafft Neues.» Und genau das tat er: Er verkaufte alles, gründete eine kleine Einzelfirma, um überhaupt einen Status zu haben, und kaufte das Landhaus. «Ich wusste damals nicht, was mich erwarten würde.» Was folgte, waren Jahre voller Arbeit, Unsicherheiten und Aufbau. Tagsüber Gastgeber, nachts «Renovator». Schlaf: zwei bis drei Stunden, Siebentagewoche. Geld: kaum vorhanden. Unterstützung kam von der Familie, Freunden und Verwandten. Ein Fundament entstand, das bis heute trägt. Über die Jahre entwickelte sich das Landhaus zu einem vielseitigen Betrieb mit Hotelzimmern, Langzeitvermietungen und kulinarischen Angeboten. Der klassische «à la Carte»-Bereich musste nach der Corona-Zeit aufgegeben werden – schlicht aus Personalmangel. «Wenn die Arbeitskräfte fehlen, kann auch ich nichts machen», sagt Schmid. Heute stehen zehn Hotelzimmer und zehn Langzeitzimmer im Angebot, dazu Frühstücksbetrieb, Bankette und Anlässe ab 20 Personen. Ein klarer Fokus, getragen von einem Team, das über Jahrzehnte gewachsen und zu einer grossen Familie geworden ist.

Musik als zweite Wurzel und als Brücke

Was als Gastbetrieb begann, wurde mit der Zeit zu einem Ort, an dem Musik genauso zuhause ist wie Gäste. Die Geschichte beginnt mit Schlagerund Country-Anlässen, kleinen Konzerten, Begegnungen mit Künstlern und einem Moment, der alles veränderte: Ein Fernsehauftritt, den Schmid wegen entzündetem Hals kaum überstand. Doch er sang. Und er blieb dran. Andrea, seine Tochter, wurde zur zweiten Stimme und später zur festen Partnerin auf der Bühne. «Ich fragte mich für lange Zeit: ‹Darf ich überhaupt singen?›», sagt sie. Heute weiss sie: Ja, sie darf. Und sie kann. Gemeinsam stehen sie für Musik, die nicht nur unterhält, sondern auch berührt. Ein Satz aus dem Interview fasst das zusammen: «Wenn ich nicht etwas transformieren kann, wenn ich nicht Hoffnung verbreiten kann, wenn ich nicht Leute abholen kann, dann ist mein Musikschaffen wohl Geschichte. Es gibt viele, die sind musikalisch gut und besser, aber leider fehlen oft die inneren Werte.» Andrea beschreibt es so: «Wir sind wir, und wir haben unsere Stärken, auch wenn eine andere Band zehn Instrumente hat. Wir dürfen auf die Bühne stehen, und sie will uns.» Musik wurde zum Beziehungsnetz, das Gäste ins Landhaus bringt, Gruppen nach Frutigen führt und Türen öffnet – sogar bis nach Spanien, wo die beiden inzwischen vermehrt auftreten und zusätzlich ein neues Kapitel beginnen.

Ein Familienbetrieb, der zusammenhält

Die Kinder Ronny, Andrea und Marion absolvierten ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb. Neue Lernende kamen dazu, blieben und wurden Teil der Geschichte. Viele zog es später ins Wallis, wo ein weiterer Hotelbetrieb entstand. Doch die Verbindung blieb. Musik und Betriebe wurden nie getrennt, sondern wuchsen aus derselben Wurzel. «Heute, nach 25 Jahren Landhaus, wäre wohl ein Jubiläumsfest angesagt», meint Peter Schmid. Wann, wie und in welcher Form ist noch offen. Sicher ist nur: Es wird ein Anlass, der die ganze Geschichte trägt. Die des Betriebs. Die der Familie. Die der Musik. Und die eines Mannes, der den Bettlerstatus abgelegt hat und heute sagt: «Jetzt beginnt die Zeit, in der sich neue Türen öffnen. Nicht mit der Brechstange, sondern, weil man bereit ist.» Peter Schmid ist Hotelier. Sein Fokus liegt allerdings seit Jahren auf dem Singen.

Zuletzt erschienen

Ähnliche Artikel

Mehr von diesem Autor