StartSkisportINFERNO TRIATHLON 2026 «Allein der Gedanke an etwas beeinflusst den Körper»

INFERNO TRIATHLON 2026 «Allein der Gedanke an etwas beeinflusst den Körper»

Vom 14. bis 16. August findet die 27. Ausgabe des Inferno Triathlons statt. Ein solches Extrem-Sportereignis ist nicht nur eine physische, sondern auch eine mentale Herausforderung. Peter Zahnd, erfahrener Mentalcoach für Spitzensportler, erklärt, warum die richtige Grundeinstellung über Sieg und Niederlage entscheidet – besonders dann, wenn unplanbare Ereignisse wie Wetterumschwünge den Wettkampf jäh beenden. Sein Fazit: Angst blockiert, Freude trägt, und Resilienz bedeutet, sich nicht über die sportliche Leistung zu definieren.

Monatelanges Training, strikte Disziplin und der Fokus auf einen einzigen Tag: Der Inferno Triathlon gilt als einer der härtesten der Welt. Doch während die physische Vorbereitung oft im Mittelpunkt steht, wird der Faktor Kopf häufig unterschätzt. Dabei ist es genau die mentale Verfassung, die in Extremsituationen den Unterschied macht. Peter Zahnd, der seit 2010 als Mentalcoach arbeitet und Athleten aus verschiedenen Disziplinen – vom Skisport bis zum Triathlon – begleitet, betont: «Wenn du mit den falschen Gedanken so einen Lauf angehst, dann hast du bereits verloren.» Im Gespräch erläutert er, wie Sportlerinnen und Sportler lernen, in Krisen positiv zu bleiben, mit Rückschlägen umzugehen und warum ein inneres Lachen mehr bewirken kann als reine Willenskraft.

Der Unterschied zwischen Standard und Extrem

Bei der Frage, was die mentale Vorbereitung auf einen Event wie den Inferno von einem «normalen» Marathon unterscheide, sieht Zahnd eine klare Differenzierung. Bei einem Standardwettkampf gehe es oft darum, eine positive, mentale Einstellung schnell auf den Punkt zu bringen und abrufen zu können. Beim Inferno Triathlon jedoch müsse der Athlet möglichst lange in diesem positiven Mindset bleiben. «Die Athleten müssen sich darauf vorbereiten, möglichst lange eine positive Grundeinstellung zu bewahren und nicht in negative Szenarien abzurutschen», erklärt der Coach. Zahnd ist ausserdem überzeugt: Wer mit Respekt, aber ohne Angst an den Start geht, hat bessere Karten. «Sobald du Zweifel hast, bist du blockiert. Und du öffnest automatisch die Tür für mögliche Beschwerden.» Die Kunst bestehe darin, bereits vor dem Start in einen positiven Flow zu kommen. «Du musst innerlich lachen, du musst Freude haben. Teil eines solchen Rennens zu sein, darf keine belastenden Gefühle in dir auslösen.» Diese Grundhaltung helfe dabei, unvermeidbare Krisen während des Rennens besser zu bewältigen. Denn Krisen seien völlig normal – die Frage sei lediglich, wie man mit ihnen umgeht.

Gedankensteuerung und die Kraft der Visualisierung

Ein zentrales Element in Zahnds Arbeit ist die Steuerung der Gedanken. Er verdeutlicht dies mit einer simplen Übung: Stellt man sich vor, eine süsse Mango zu essen, löst allein der Gedanke daran bereits körperliche Reaktionen aus – das Wasser läuft im Mund zusammen. «Allein der Gedanke an etwas hat Einfluss auf den Körper», so Zahnd. Er verdeutlicht damit: Eine innere Euphorie trage den Athleten durch die schwierigsten Phasen. Ein weiterer, scheinbar banaler, aber entscheidender Punkt sei die Mimik. «Sobald wir das Gesicht verkrampfen, verkrampft sich der ganze Körper», so der Experte. Ein verkrampfter Körper führe unweigerlich in den «Murksmodus», begünstige Krämpfe und erschöpfe die Energiereserven schneller. Die Aufgabe des Athleten sei es daher, selbst in grössten Krisen immer wieder zu versuchen, diese Euphorie und das positive Gefühl aufrechtzuerhalten. Zahnd empfiehlt zudem die Visualisierung als mächtiges Werkzeug. Die Sportlerinnen und Sportler müssten Situationen, denen sie am Inferno begegnen werden – wie den Aufstieg auf das Schilthorn – bereits im Training mental durchspielen, denn dies sei ein längerer Prozess, der nicht erst am Wettkampftag beginnen dürfe. Emotionen seien dabei der «Dünger» für das Ziel: Je stärker die positiven Emotionen bei der Visualisierung, desto wahrscheinlicher werde das Erreichen des Ziels. Das Verschmelzen von Visualisierung und Emotionen kann dabei sogar so intensiv werden, dass die Emotionen körperlich spürbar werden.

Umgang mit dem Unkontrollierbaren

Das Berner Oberland ist für sein unberechenbares Wetter bekannt. Ein plötzlicher Wettersturz ist beim Inferno nicht unmöglich, wie der Abbruch des Rennens 2025 aufgrund einer Gewitterzelle zeigte. Wie trainiert man die Akzeptanz für Faktoren, die man absolut nicht kontrollieren kann, wie eben zum Beispiel das Wetter? Zahnds Antwort ist eindeutig: «Reg dich nicht über Sachen auf, die du nicht ändern kannst.» Die Strategie des Coaches lautet: Von vornherein davon ausgehen, dass das Wetter schlecht wird. Er betont zudem: «Ein Athlet muss immer davon ausgehen, dass alles für ihn und nicht gegen ihn passiert.» Statt zu klagen, sollten Athleten versuchen, Vorteile in den Bedingungen zu sehen – sei es Regen, Kälte oder Wind. Wer bereits im Vorfeld Gedanken wie «es wird mühsam» mit sich herumtrage, befinde sich bereits in der Negativspirale und sei bei einem tatsächlichen Wetterumschwung und einem eventuellen Abbruch deutlich härter getroffen. Ein Abbruch sei ausserdem niemals verschwendete Leistung, sondern eine Erfahrung, die weiterbringt und im nächsten Jahr genutzt werden kann. Unvorhersehbare Ereignisse gebe es immer, und Athletinnen und Athleten müssten lernen, damit zu leben. Und: «Immer daran denken: Ich bin bei allen Bedingungen und Ereignissen stolz auf mich.»

Resilienz und das «Loch» nach dem Ziel

Nach einem solchen Kraftakt wie dem Inferno folgt häufig das berühmte «Loch». Wie geht man präventiv damit um, oder wie kommt man wieder heraus? Zahnd sieht dies differenziert. Für viele Sportlerinnen und Sportler sei der Inferno Triathlon kein Endpunkt, sondern eine Etappe: «Häufig steht schon der nächste Event am Horizont.» Statt in ein Loch zu fallen, gelte es, Stolz und Freude über die erbrachte Leistung zu gewichten und diese Gefühle zum nächsten Ziel mitzunehmen. Peter Zahnd empfiehlt sogar, immer ein neues Ziel vor Augen zu haben, denn: «Auf diesem Niveau kannst du nicht einfach sagen: Inferno ist vorbei, alles ist vorbei.» Der Körper brauche weiterhin Stimulation nach den Regenerationsphasen, gefolgt von neuen Herausforderungen. Resilienz bedeute in diesem Kontext auch, die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress zu trainieren. Rückschläge wie Verletzungen gehören dazu. «Wenn du an Krisen brichst, dann bist du im Spitzensport falsch.» Ein entscheidender Faktor für Resilienz ist das Selbstbild. Zahnd fragt seine Athleten oft: «Machst du das, um dich zu bestätigen, oder gehst du bereits mit grossem Selbstvertrauen dorthin?» Wer seine Leistung nutzt, um den Selbstwert zu steigern, setzt sich unter unnötigen Druck. Zahnd hilft seinen Schützlingen oft, einen Katalog von 25 positiven Eigenschaften zu erstellen – abseits des Sports. «Meistens sind sie dann bei 17, 18 Eigenschaften, die sie an sich wirklich gerne mögen.» Das mache klar: Die Athletinnen und Athleten sind schon jetzt überdurchschnittlich, unabhängig vom sportlichen Ergebnis.

Die Wurzel des Drucks und emotionale Flexibilität

Viele Sportler setzen sich permanent unter Druck. Zahnd vermutet dahinter oft tieferliegende Ursachen, die er metaphorisch als «Verletzungen des inneren Kindes» bezeichnet. Einschneidende Ereignisse in der Kindheit wie Scheidungen, Todesfälle oder Verluste in der Familie können prägen und dazu führen, dass man sich über den Sport definieren will. Der Frust über nicht erreichte Ziele dürfe nie dominieren, und ein Nichterreichen mache niemanden zu einem schlechteren Menschen. Emotionen spielen dabei eine ambivalente Rolle. Während manche glauben, Emotionen hätten im Wettkampf keinen Platz, sieht Zahnd sie als essenziell – solange sie positiv sind. «Negative Emotionen sind der Stolperstein jeder Spitzenleistung.» Wer sich über eine Panne, das Wetter oder sich selbst aufregt, verliert den Fokus und die Leistungsfähigkeit. Als positives Beispiel nennt Zahnd den Skirennfahrer Christof Innerhofer, der 2015 bei der Weltcup-Abfahrt in Santa Catarina trotz eines Zusammenstosses mit einem Tor, dessen Gestänge er noch hunderte Meter mitschleifte, in seinem positiven Mindset blieb und das Rennen beendete. Er verpasste das Podest nur knapp und belegte den sensationellen vierten Platz. Zahnd: «Er ist trotz aller Widrigkeiten bei seinem Plan geblieben.» Der Mentalcoach fasst seine zwei wichtigsten Ratschläge für angehende Inferno-Athletinnen und -Athleten wie folgt zusammen: Erstens, Lockerheit bewahren – im Gesicht und im Körper, unterstützt durch das «innere Lachen», das Glückshormone ausschüttet. Zweitens, das Ziel so visualisieren, dass es starke positive Emotionen auslöst – «Emotionen tragen dich zum Ziel.» Angst sei der Killer für die Leistung, Freude und Überzeugung hingegen der Treibstoff.

Über den Sport hinaus

Peter Zahnds Arbeit beschränkt sich nicht nur auf den Leistungssport. Die Grundmechanismen der Psyche und des Mindsets seien in allen Lebensbereichen gleich. Er coacht auch Teilnehmende von «Global Skills»-Wettbewerben, Menschen mit Prüfungsangst oder Personen, die aus einem Burnout herausfinden wollen. «Es sind immer ähnliche Mechanismen. Ob Sport, Beruf oder private Herausforderungen – die Fähigkeit, Ressourcen zu aktivieren und positiv zu bleiben, ist universell.» Für den Inferno Triathlon bedeutet das: Die physische Vorbereitung ist die Basis, aber der Kopf entscheidet darüber, ob man sein Potenzial abrufen kann. Wer lernt, das Unkontrollierbare zu akzeptieren, in Krisen positiv zu bleiben und sich nicht über das Ergebnis zu definieren, geht gestärkt aus jedem Rennen hervor – egal, ob es bis zum Ziel geht oder vorzeitig abgebrochen wird.

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