StartNewsBildung|SchuleSehnen nach heiler Welt vor dem Drama der Gegenwart

Sehnen nach heiler Welt vor dem Drama der Gegenwart

SPIEZ Eine humorvolle 1. August-Feier fand am vergangenen Samstag im Rahmen der Orgelkonzerte in der Spiezer Dorfkirche statt. Es gab alles, von wunderschönen Alphornklängen über virtuose Alphornmusik von Oberländer Komponisten bis hin zur Nationalhymne. Daneben Einschübe von humorund kunstvoll «geschnitztem» Verbal-Spektakel der Kabarettistin Stefanie Grob. Ein Ohrenschmaus.

Eigens für Orgel und Alphorn komponierte Stücke von Hans-Jürg Sommer, Carl Rütti, Samul Lörtscher und Mike Maurer wurden vorgetragen. An der Orgel spielte Marc Fitze und am Alphorn war Dominik Ziörjen zu hören. Bereichert wurde das musikalische Programm mit Wortbeiträgen von Stefanie Grob.

Die Solisten

Marc Fitze unterrichtet Orgel am Konservatorium Bern und ist Organist an der Heiliggeistkirche Bern, wo er ein vielfältiges musikalisches Programm und die Konzertreihe des Barock-Zentrums betreut. In Spiez gestaltet er seit einiger Zeit die Spiezer Orgelkonzerte. Dominik Ziörjen, geboren in Saanen, ist ein vielseitiger Musiker, Musikpädagoge und Dirigent. Sein Trompetenstudium absolvierte er bei Prof. Markus Würsch an der Hochschule der Künste Bern, wo er 2016 seinen Master of Music in Pedagogy mit Auszeichnung abschloss. Mit einem 2025 erfolgreich abgeschlossenen Master in Blasmusikdirektion bei Jean-Claude Kolly an der Hochschule Lausanne (HEMU) vertiefte er seine Studien im Bereich Dirigieren. Stefanie Grob (geboren 1975 in Bern) ist eine Schweizer Autorin und SlamPoetin. Sie dichtet und performt vorwiegend in Mundart. In den 2000er-Jahren begann Stefanie Grob als Slam-Poetin, gewann dabei mehrere Wettbewerbe, nicht zuletzt als Mitglied der ersten Schweizer Spokenword-Formation «Bern ist überall». Fast 20 Jahre lang war sie zudem auf Radio SRF 1 zu hören, seit 2009 als Stimme der Satiresendung «Zytlupe». Sie tourt derzeit solo und in mehreren Gruppen auf Schweizer Theater-, Kabarettund Kleinkunstbühnen.

Grob – aufgewachsen in Bümpliz – lebt mit ihrem Partner und ihren drei Kindern in Zürich. Nach Spiez kam sie an diesem ersten August auf Initiative von Marc Fitze. Mit der Leitphrase «Stimmt es, dass …»? leitete Stefanie Grob in höchst unterhaltsamer Weise ihre Wortbeiträge zu dem Spiezer Orgelabend «Musik und Wort zum Nationalfeiertag 2026» ein. Gleichzeitig brach eine Sehnsucht nach einer bereits vergangenen, eher heilen Welt hervor. Ein Beispiel: «Ich sehne mich wirklich zurück nach den langen, ereignisarmen Sommern meiner Jugend», und fährt dann auf Bärndütsch fort: «wo ni (mit Züri West im Ohr) z Bärn am Fänschter stah u d Sunnä grad im Meer vrsinkt» – odr äbä i mim Betong-Weiher in Bümpliz.» Der Betonweiher in Bümpliz wird zum Sehnsuchtsort einer mit einer wundervoll bildreichen Sprache begabten Mundart-Poetin, die an diesem eindrücklichen Abend ihre Auffassung des Schweizer Nationalfeiertags wiedergibt.

Von dort her, vom künstlich angelegten Weiher im Berner Vorort, entwickelt Stefanie Grob in feinster Manier die kleinen und grossen Paradoxien der traditionellen Auffassungen vom ersten August.

Etwas Vorausdeutendes im Schweizer Psalm

Doch Stefanie Grob entdeckt an diesem Abend zusammen mit dem virtuos spielenden Marc Fitze eine durch den Klimawandel höchst aktuelle Dimension des Schweizer Psalms, insbesondere in dessen vierter Strophe. Ein besonderer Höhepunkt war das gemeinsame Singen des Schweizer Psalms durch die Zuhörerinnen und Zuhörer. Marc Fitze begleitete den Psalm mit eindrücklicher, lautmalerischer Musik, alles sehr passend zum Text. Die Ergriffenheit der Teilnehmenden war im Raum spürbar. Der Abend klang mit dem Rondo aus der Simmentaler Suite für Orgel und Alphorn von Mike Maurer aus.

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