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Die vorerst letzte Berufsfischerin auf dem Thunersee

Edith Klopfenstein ist eine der letzten Berufsfischerinnen. Seit rund zehn Jahren führt sie den Betrieb selbstständig. In die Fischerei ist sie ursprünglich durch ihren Mann Kurt hineingerutscht. 25 Jahre lang arbeiteten die beiden gemeinsam auf dem See, Schritt für Schritt lernte Edith das Handwerk, den Rhythmus und das Leben auf dem Wasser. Als sie den Betrieb übernahm, wurde die Fischerei endgültig zu ihrem eigenen Beruf und zu ihrem Alltag.

Ihr Arbeitstag beginnt nicht am Morgen, sondern bereits am Abend. Dann fährt Edith Klopfenstein hinaus und setzt ihre Netze. Je nach Jahreszeit verwendet sie Grundnetze, die bis auf den Seegrund reichen, oder Schwebnetze, die frei im Wasser hängen. Die Netze dürfen maximal hundert Meter lang sein; Maschenweiten und Tiefen sind kantonal geregelt. Mit Bojen markiert sie ihre Standorte ausserhalb der Schifffahrtslinien, damit die Netze nicht beschädigt werden. Die Nacht arbeitet für sie. Am nächsten Morgen ist Edith oft schon um halb fünf wieder auf dem See. Mit einer Netzhebehilfe zieht sie die Netze ein — körperlich schwere Arbeit, trotz technischer Unterstützung. Manchmal ist der Fang reichhaltig, manchmal liegen nur wenige Fische im Boot. Seit Jahrzehnten bestimmt dieser Rhythmus ihr Leben. Zu Hause beginnt die Verarbeitung: Die Fische werden geschuppt, ausgenommen, filetiert und gekühlt. Je nach Fang dauert diese Arbeit zwei Stunden oder den ganzen Vormittag. Bei kleinen Mengen filetiert Edith von Hand, weil sich der Einsatz der Maschine nicht lohnt.

Felchen als wirtschaftliche Grundlage

Der wichtigste Fisch ist der Felchen, er bildet die wirtschaftliche Basis ihres Betriebs. Egli (Barsch), Hecht, Forelle oder Saibling ergänzen das Angebot, spielen finanziell jedoch eine deutlich kleinere Rolle. Verkauft wird fast ausschliesslich direkt im Fischkeller bei Edith zu Hause. Viele Kundinnen und Kunden reservieren ihren Fisch telefonisch für den nächsten Tag oder das Wochenende. Restaurants beliefert sie nur noch punktuell, da die Fangmengen oft zu klein sind. An guten Tagen warten die ersten Kundinnen und Kunden bereits vor der Tür, während Edith noch filetiert. Manchmal gehe der Fisch bereits «unter dem Messer» weg, sagt sie.

Ein See, der hungert

Sorgen bereitet Edith vor allem der Zustand des Thunersees. Durch die Phosphatfällung in den Kläranlagen fehlen dem Wasser heute wichtige Nährstoffe. Dadurch wachsen weniger Plankton und Kleinkrebse, die wichtigste Nahrung vieler Fischarten. Die Folge: Die Fische wachsen langsamer und die Bestände gehen zurück. Edith bringt es auf den Punkt: «Die Kläranlage kann eigentlich alles rausnehmen, was für das Wachstum gut wäre.» Die Berufsfischer hätten diese Entwicklung schon früh beobachtet und immer wieder darauf hingewiesen. Lange seien ihre Erfahrungen jedoch kaum ernst genommen worden. «Man glaubt erst, wenn ein Doktor dahinter ist», sagt sie.

Ein Beruf mit unsicherer Zukunft

Auf Wunsch ihres Mannes absolvierte Edith später die Ausbildung zur Fischwirtin. Damals war diese nur in Deutschland oder Österreich möglich. Gemeinsam mit einem Berufskollegen aus Sigriswil besuchte sie den Blockunterricht, lernte im Selbststudium und legte die Prüfungen ab. Parallel zur täglichen Arbeit auf dem See. Vor rund zehn Jahren schloss sie die Ausbildung erfolgreich ab. Heute gibt es am Thunersee noch fünf Berufsfischerinnen und Berufsfischer. Nachwuchs ist kaum vorhanden. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für Edith ist derzeit nicht in Sicht.

Freiheit statt Büro

Trotz aller Schwierigkeiten möchte Edith keinen anderen Beruf ausüben. Für sie bedeutet Fischerei Freiheit, Selbstständigkeit und die Möglichkeit, täglich draussen in der Natur zu arbeiten. Ein Bürojob wäre für sie unvorstellbar. Sie versteht auch die Sportfischer, weil sie selbst früher mit der Angel gefischt hat. Gleichzeitig wünscht sie sich gegenseitiges Verständnis für die Anliegen der Berufsfischerei. Wer diesen Beruf ergreifen will, braucht Ausdauer und Leidenschaft. Frühmorgens aufstehen, am Abend Netze setzen, manchmal fünf Netze kontrollieren und nur drei Fische herausziehen und am nächsten Tag trotzdem wieder hinausfahren. Es gibt keine Routine, keine Fanggarantie und kaum geregelte Arbeitszeiten. Für Edith ist die Fischerei weit mehr als ein Beruf. Der See ist ihr Arbeitsplatz, ihre Freiheit und seit über drei Jahrzehnten ihr Zuhause.

Der Beruf Fischwirt

Die Ausbildung zur Fischwirtin beziehungsweise zum Fischwirt verbindet praktisches Handwerk mit fundiertem Wissen über Fischbiologie, Gewässerökologie und nachhaltige Fischerei. Zum Berufsalltag gehören der Umgang mit Netzen, das Reparieren von Geräten, die Pflege von Booten und Anlagen sowie die Verarbeitung und Vermarktung der Fische, vom Schlachten und Filetieren über das Räuchern bis hin zum direkten Verkauf.

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