FRUTIGEN Am Wochenende ging das grosse Seifenkisten-Spektakel auf der legendären Strecke im Hasli in seine 10. Runde. 56 Einheimische Solofahrer und 26 Teams der Fédération Swiss of Speed Down (FSSD) lieferten sich einen spannenden Wettkampf.
Das Rennen gibt es bereits seit Ende der 1950er-Jahre. Zunächst wurde dieses an der Rüteni in Kandergrund ausgetragen. Da diese Strecke aber als zu gefährlich angesehen wurde, findet das Rennen seit dem Jahr 1986 auf der bekannten Strecke im Hasli statt.
2011 wurde das OK im Hasli aus unbekannten Gründen aufgelöst. Vier Jahre lang fand in der Folge kein Rennen mehr statt. Die Internationale Seifenkistenvereinigung, eine Kundin von Gerber Sportpreise, wo der heutige OK-Präsident Thomas Gyseler Inhaber und Geschäftsführer ist, hatte ihn jedes Jahr gefragt, ob er nicht dieses Rennen wieder ins Leben rufen wolle. Schliesslich gab Gyseler nach und fragte ein paar Eltern an, deren Kinder zuletzt Rennen gefahren waren. Bewusst hat er Leute mit einem Bezug dazu angefragt; auch einige ehemalige Fahrer oder Anwohner der Haslistrasse wollte er unbedingt mit ins Boot holen. Denn: «Wenn wir die Anwohner aus dem Hasli nicht hinter uns haben, kann dieses Rennen kaum weiter stattfinden», ist sich Gyseler sicher.
2015 fand schliesslich ein Treffen in der Badi Lounge statt. Sechs Leute waren eingeladen, 15 sind gekommen. Innert zehn Minuten war ein neues OK gegründet und das Rennen damit wieder ins Leben gerufen. Im Sommer 2015 wurde erstmals wieder gestartet. In den Jahren 2020 und 2021 konnte aufgrund der Corona-Pandemie kein Rennen durchgeführt werden. Daher fand nun an diesem Wochenende das 10-Jahre-Jubiläum statt.
Dank treuer Helfer zum Erfolg
Besonders erfreulich sei, dass auch einige der Anwohner grosse Fans des familiären Rennens im Hasli seien und selbst das ganze Wochenende über als Helfer im Einsatz standen. Aber auch die Unterstützung der Bauern sei sehr wichtig. So müssen die Bauern das Land extra für diesen Event mähen. Das Stroh zur Sicherung der Strecke wird jeweils in der Landi eingekauft. Nach dem Rennen übernimmt dieses nun neu ein Bauer aus dem Hasli zum «Gebrauchtwarenpreis».
Damit das Rennen überhaupt stattfinden kann, beginnen die Aufbauarbeiten bereits am Mittwoch. Die Haslistrasse ist jeweils von Samstag um 13 Uhr bis am Sonntag nach dem letzten Lauf, welcher gegen 16 Uhr endet, gesperrt.
Wer keine eigene Seifenkiste besitzt, kann sich eine solche auch vom Verein mieten. Rund 25 Kisten stehen dafür zur Verfügung. Diese sind seit dem vergangenen Jahr in einem Stall im Hasli gelagert. Gyseler konnte die Kisten über seinen geschäftlichen Bezug zur Internationalen Seifenkistenvereinigung nach und nach abkaufen, nachdem diese ihre Tätigkeit eingestellt hatte.
Ein vielfältiges Teilnehmerfeld
Bei den Einheimischen gingen insgesamt 56 Fahrerinnen und Fahrer an den Start. 18 Kinder, 16 Jugendliche und 22 Erwachsene traten gegeneinander an. Die Zahl der einheimischen Teilnehmer ist damit seit Jahren ungefähr stabil. Gewertet wird nach Jahrgang, das Geschlecht spielt keine Rolle. «Buben sind nicht per se mutiger», erklärte Gyseler mit einem Augenzwinkern.
Erneut wurde auch ein Firmenrennen ausgetragen. Am Start waren 26 Firmen aus Frutigen, Adelboden, Reichenbach und Mülenen, jede mit jeweils drei Fahrern, die alle zwei Läufe fuhren. Zusätzlich zur besten Zeit wurde beim Firmenrennen dieses Jahr auch ein Differenzler ausgetragen. Dabei geht es darum, über sechs Läufe möglichst nahe aufeinanderfolgende Zeiten zu erreichen.
Am Sonntag war zudem die Fédération Swiss of Speed Down (FSSD) mit 26 Teams im Hasli zu Gast. Gefahren wurde in unterschiedlichen Kategorien, unter anderem als Solofahrer, im Doppel oder im Seitenwagen. Die FSSD trägt ihre Schweizer Meisterschaft an insgesamt sieben Standorten aus, wobei ein Lauf davon jeweils in Frutigen stattfindet.
Neuerungen zum Jubiläum
Zum 10-Jahre-Jubiläum wurde das Rennen auch neben der Strecke mit einigen Neuerungen ergänzt. So erhielten die Helfer neue Shirts und Helfer und Fahrer auch ein Cap. Auch die Live-Übertragung wurde massiv ausgebaut und verbessert. Jeder Lauf konnte auf dem Fernseher an der Starterbar mitverfolgt werden. Dazu gab es Wiederholungen und eingeblendete Zeiten. Für Unterhaltung sorgte unter anderem eine Tyrolienne der Mountain Crew neben der Festhütte. Daneben stand die grosse Hüpfburg für die Kinder zur Verfügung und am Start die bewährte Starterbar. Auch die Acro-Show von Gleitschirmpilot Michael Maurer durfte nicht fehlen. Ebenfalls wurde wieder die «geilste» Kiste des Rennens gekürt. Für die Zuschauer gab es zudem einen Wettbewerb zur Frage: «Wie schnell ist die schnellste einheimische Zeit dieses Jahr?»
Einheimische Tagesbestzeit
Sven Büschlen fuhr mit 52,43 Sekunden die schnellste einheimische Tageszeit auf der rund 800 Meter langen Rennstrecke. Damit sicherte er sich den Spezial-Wanderpreis für die einheimische Tagesbestzeit bereits zum dritten Mal in Folge und darf diesen deshalb nun behalten. Der Kategoriensieg blieb ihm trotz der Bestzeit verwehrt, da für die Rangierung die insgesamt fünf gefahrenen Läufe zählen. Im kommenden Jahr muss Büschlen einen neuen Wanderpreis zur Verfügung stellen. «Immer grösser lautet das Motto», gab ihm der Speaker scherzhaft die Anweisung.
In den vergangenen zwei Jahren waren die Zuschauerzahlen rückläufig. Die grosse Hitze und der Schulanfang haben beim OK deshalb Überlegungen ausgelöst, das Rennen künftig ein oder zwei Wochenenden nach hinten zu verschieben. An der nächsten Schlusssitzung soll über eine allfällige Verschiebung entschieden werden. Der Trend der rückläufigen Besucherzahlen hat sich zum Glück in diesem Jahr nicht fortgesetzt. Über 420 Zuschauende hat Gyseler am Sonntag über den Mittag gezählt und ist mit diesem Ergebnis äusserst zufrieden. Sein Fazit zum Schluss lautet denn auch: «Hervorragend, mit einem Ausrufezeichen dahinter.»



