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Intime Konzerte mit Weitblick

KULTUR Am letzten Donnerstag und Freitag, fanden bei stimmungsvollem Sonnenuntergang zum neunten Mal die Niesen Sessions auf der Terrasse des Berghauses Niesen Kulm auf 2362 m ü. M. statt.

Dabei war lange unklar, ob das Festival erneut unter freiem Himmel stattfinden kann. Bis zuletzt sagte die Wettervorhersage für beide Konzertabende Gewitter in den Abendstunden voraus. Am Dienstag erreichte das letzte Wetter-Update mit der definitiven Entscheidung der Organisatoren die Konzertbesucher: «Der Wettertrend sieht positiv(er) aus …», war dem Schreiben zu entnehmen. Damit stand fest, dass die Konzerte wie vorgesehen draussen auf der Terrasse durchgeführt würden.

Ein verträumter Auftakt

Als Support Acts traten die Nachwuchskünstlerinnen Cielle aus Bern (Donnerstag) und Amíra aus Thun (Freitag) auf. Der Niesen positioniert sich als «Der Schweizer Berg», aus diesem Grund möchte die Niesenbahn AG mit dieser Eventreihe insbesondere auch die Schweizer Kulturszene fördern und entschied sich deshalb erneut für zwei junge, aufstrebende Talente aus der Region, die das Publikum vor den diesjährigen Hauptacts auf den Abend einstimmten.

Mit einer gelungenen Mischung aus Coversongs und Eigenkompositionen lieferte Cielle am Donnerstagabend einen würdigen Auftakt ab. Die 26-jährige Schweizerin mit marokkanischen Wurzeln bringt ihren kulturellen Hintergrund insbesondere mit vielen französischen Elementen musikalisch zum Ausdruck – neben Arabisch ist es ihre zweite Muttersprache. Ihre Musik erzählt Geschichten von Liebe, Identität, Kultur und persönlichem Wachstum. Begleitet wurde sie auf dem Niesen von Sabina an der Gitarre.

Cielle wurde von Sabina an der Gitarre begleitet. Mit Sens Unik standen absolute Vollprofis auf der kleinen Open-Air-Bühne auf dem Gipfel.

Ein Hauptact, der es in sich hatte

Nach einer 15-jährigen Pause und der Wiedervereinigung im vergangenen Jahr spielte Sens Unik in den Festivalsaisons 2025 und 2026 zahlreiche Konzerte in der Schweiz und arbeitet zudem an neuen Songs. Die Schweizer Hip-HopBand aus Lausanne prägte in den 1990er-Jahren die Schweizer RapSzene. Auch auf der kleinen Bühne auf dem Niesen war deutlich zu erleben, dass hier absolute Vollprofis am Werk sind. Die Reunion erfolgte mit der klassischen Kernbesetzung um den MC und Schauspieler Carlos Leal sowie Déborah (Sista D). Für die Live-Shows wird die Besetzung teilweise durch den MC Jiggy Jones ergänzt – so auch am Donnerstag auf dem Niesen.

Die Geschichte dahinter

Die Niesen Sessions gehen auf eine Initiative der Niesenbahn AG zurück. In Zusammenarbeit mit dem Seaside Festival – heute Gadget Entertainment – finden seit 2018 vor dem Berghaus Niesen Kulm Konzerte auf einer der wohl exklusivsten Open-Air-Bühnen der Schweiz statt. Bis 2023 trug die Veranstaltungsreihe den Namen Seaside Sessions. Seit zwei Jahren heisst sie nun Niesen Sessions und verfügt über ein eigens dafür produziertes Rückwand-Banner. Weitere Bühnen-Bauelemente der ungedeckten Kleinbühne werden jeweils von der Rampenlicht AG aus Zwieselberg aufgebaut.

Je nach Wetter bietet das Open-Air Platz für 180 bis 260 Gäste und setzt bewusst auf ein intimes Konzerterlebnis. Lediglich 180 Tickets wurden zunächst pro Abend verkauft. Da der definitive Entscheid zu einer Durchführung im Freien erst kurzfristig fiel, konnten noch rund 20 weitere Tickets für den Donnerstag verkauft werden. Auch am Freitag versammelten sich rund 200 Gäste vor der kleinen Bühne auf dem Gipfel.

Je nach Besucheraufkommen deckt der Ticketpreis von 66 Franken für Bahn und Konzert nicht in jedem Fall sämtliche Kosten. Für den Niesen ist die Veranstaltung dennoch wertvoll – nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern vor allem als Teil der Positionierung und des kulturellen Profils des Berges, wie Nicolas Overney, Leiter Marketing, Verkauf und Events der Niesenbahn AG, im Interview erzählte.

Ein stimmiger Abschluss

Am Freitag stand mit Ritschi ein Schweizer Mundart-Popsänger aus der Region auf der Bühne. Sein letztes Soloalbum «Lieblingslieder» erschien am 19. September 2025. Auch einige dieser neu eingespielten und neu arrangierten Songs präsentierte er auf dem Niesen.

Mit zwei stimmungsvollen Konzertabenden gingen die neunten Niesen Sessions erfolgreich zu Ende. Die Kombination aus Schweizer Musik, intimer Atmosphäre und einzigartiger Bergkulisse machte den Anlass auch in diesem Jahr zu einem besonderen Erlebnis.

Rahel Roesti
Rahel Roesti
Ihre Leidenschaft für das Geschichten erzählen und diese auch aufzuschreiben, entdeckte die gebürtige Frutigerin Rahel Roesti während einer dreijährigen Reise durch den amerikanischen Doppelkontinent. Mit einem Minivan bereiste sie zusammen mit ihrem langjährigen Lebenspartner 16 Länder von Alaska bis Feuerland. Um die vielen Erfahrungen und Eindrücke während einer solchen Langzeitreise zu verarbeiten, befasste sie sich intensiv mit dem Schreiben, was in ihr den Wunsch weckte, sich auch beruflich in diese Richtung weiterzuentwickeln.

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