POLITIK Reichenbach zählt zu den flächenmässig grössten Gemeinden im Kanton und hat das jüngste Gemeinderatsmitglied in der Region. Der 24-jährige Alex Eymann hat sein politisches Interesse am elterlichen Küchentisch entdeckt und setzt sich mit Begeisterung für sein Ressort Finanzen ein.
Wie etliche seiner Altersgenossen ist Alex Eymann im ländlich geprägten Kandertal aufgewachsen. Nach der obligatorischen Schulzeit hat er bei der Spar- und Leihkasse Frutigen die beliebte KV-Lehre absolviert. Die Freizeit verbringt der 24-Jährige unter anderem im Fitnessstudio – wie viele junge Leute auch. Doch im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit junger Mitbürger ist der Reichenbacher in der Gemeindepolitik aktiv. Schliesslich ist Alex Eymann vor knapp zwei Jahren in den Gemeinderat seines Wohnortes gewählt worden. Er ist damit der jüngste Gemeinderat in der Region. Im Gespräch mit dem «Frutigländer» fällt denn auch auf, dass Alex Eymann nicht nur ein ungewöhnlich junger Amtsträger, sondern auch ein von der Sache stark überzeugtes Mitglied im neunköpfigen Gemeinderat ist. Die Wurzeln hierfür lassen sich in der Kindheit des auf einem Bauernhof aufgewachsenen jungen Mannes finden. Damals haben die Diskussionen am Küchentisch zwischen Vater und Sohn das politische Interesse von Alex Eymann geweckt. Ebenso habe sein Lehrer an der Oberstufe jeweils am Montag mit seinen Schülern die Tagesschau geschaut und die Inhalte eingeordnet, erinnert er sich zurück.
«In unserem Leben ist fast alles Politik»
Dabei stellte Alex Eymann fest, dass Politik sehr umfassend ist. Dies fasziniert den frischgebackenen Uniabsolventen mit einem Bachelor in Betriebsökonomie. Aus seiner Sicht wirkt Politik über die Steuern auf unser System. Letztendlich hängen daher auch Selbstverständlichkeiten in unserem Alltag, wie eine funktionierende Kehrichtabfuhr oder der Schulbetrieb, von politischen Entscheiden ab. «Eigentlich ist in unserem Leben fast alles Politik», betont Alex Eymann. Für ihn ist daher auch wichtig, sich politisch aktiv zu engagieren. Hier sieht das FDP-Mitglied bei jüngeren Leuten denn auch noch Potenzial. Wohl stellt er bei ihnen ein ziemlich grosses Interesse an politischen Themen fest. Allerdings fehlt ihm, zumindest teilweise, ein über Kommentare in den sozialen Medien hinausgehendes Engagement. «Ich wünsche mir manchmal noch mehr konstruktives Einbringen», analysiert der Jungpolitiker. Er selbst schnupperte bei seinem Einstieg in die Politik kurz mal bei der jungen SVP. Er hat aber nie aktiv an Events teilgenommen und trat bald wieder aus. Alex Eymann fand daraufhin mit der FDP, die Liberalen, die ihm besser zusagende Partei. «Aufgrund meiner Lehre habe ich gesehen, wie wichtig finanzielle Stabilität und ein gesundes Gewerbe sind», begründet er, der sich klar als bürgerlich bezeichnet. Aus seiner Sicht steht die FDP erfolgreich für diese Werte ein.
24-Jähriger mit Wahlkampferfahrung
Als weiteren Schritt kandidierte der Reichenbacher für die diesjährigen Grossratswahlen. Auch ohne Einzug ins Kantonsparlament beurteilt er die Erfahrung als positiv. Einerseits hat er äusserst wertschätzende Rückmeldungen aus seinem Umfeld erhalten und andererseits ist die Kandidatur im Interesse der Parteistärke wichtig gewesen. Bereits vor den Grossratswahlen hatte sich Alex Eymann bei den Reichenbacher Gemeinderatswahlen zur Wahl gestellt. Dazu kam es auf Initiative des ehemaligen Gemeinderats Timo Trachsel. Vorgesehen war zuerst das repräsentative Amt als Gemeindevizepräsident. Alex Eymann allerdings wünschte zusätzliches Engagement, weshalb er schlussendlich zu seiner heutigen Funktion fand. «Ich habe mich sehr darüber gefreut, als ich im Herbst 2024 mit 615 Stimmen in den Gemeinderat gewählt worden bin», erinnert sich der aktuelle Vorsteher des Finanzressorts gerne zurück.
Verschiedene Generationen als Bereicherung
Die Ressortwahl ist aufgrund von Alex Eymanns Ausbildung und Interessen auch kein Zufall. «Ich bin der Ansicht, dass es im Gemeinderat auch wichtig ist, sein Wissen aus dem Beruf oder der schulischen Ausbildung einzusetzen», folgert er und betont auch die grosse Bedeutung des Kollegialitätsprinzips: «Man muss schauen, dass man im Gemeinderat gut miteinander umgehen kann». Was sich als logisch anhört, ist jedoch nicht immer einfach zu leben. Schliesslich sind Abstimmungen, intensive Diskussionen und auch mal eine Niederlage Bestandteil der Ratstätigkeit. Dabei ist Alex Eymann mit Abstand der jüngste in einem Gremium, dessen ältestes Mitglied das Pensionsalter überschritten hat. In der grossen Altersspanne sieht der junge Mann eine Bereicherung. Dabei treffen jugendliche Kreativität auf reife Erfahrung. Neben verschiedenen Generationen treffen im Reichenbacher Gemeinderat auch Ratsmitglieder mit verschiedenen, beispielsweise beruflichen, Hintergründen aufeinander, was Alex Eymann sehr schätzt. «Jeder bringt sich mit seiner Sichtweise ein. Das ist sehr wertvoll.» Gefallen an seiner Funktion hat das jüngste Ratsmitglied ebenfalls aufgrund der zwischenmenschlichen Begegnungen. Er verschweigt jedoch auch Herausforderungen seiner Amtstätigkeit nicht. Dazu zählt beispielsweise die Entscheidfindung gegenüber Gesuchstellern, die einem persönlich bekannt sind. Trotzdem kann Alex Eymann jüngeren Personen die Übernahme einer Gemeinderatsfunktion empfehlen und zählt Argumente wie den grosszügigen Gestaltungsspielraum, den Kompetenzgewinn oder die Führungserfahrung auf.
Für ihn steht auf jeden Fall fest: «Ich habe riesige Freude am Amt als Gemeinderat und versuche, da beste Arbeit zu leisten.»



