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Ungewöhnliche tierische Besucher auf der Gemmi

GESCHICHTE Einen beschwerlichen und nicht ungefährlichen Aufstieg durch die engen und steilen Serpentinen des Gemmipfades meisterte vor 50 Jahren die Trainkolonne I/41 – dies anlässlich einer Verschiebung von Visperterminen nach Münsingen.

Es waren zwar nicht Hannibals Elefanten, aber das Unterfangen, das sich im Rahmen des im Herbst 1976 stattfindenden Ergänzungskurses abspielte, war kaum viel weniger spektakulär. Die Trainkolonne 41 hatte in Visperterminen die erste Woche des Ergänzungskurses absolviert. Dort leisteten sie mit Transporten für die Gemeinde und Private nützliche Arbeit. Es folgte die Verschiebung vom Walliser Weindorf zurück zum Mobilmachungsplatz nach Münsingen – über den auf 2350 m ü. M. gelegenen Gemmipass. Ausgangslage des Manövers war, dass der Lötschbergtunnel und Teile der Eisenbahnstrecke Thun–Brig durch Sabotageakte zerstört waren.

Aus diesem Grund musste der Weg nach Münsingen zu Fuss bewältigt werden, wie damals das «Berner Oberländer Tagblatt» berichtete. Rund 40 Pferde und 80 Mann verliessen an einem Montag Visperterminen nach Leukerbad. Somit hatten Mann und Tier bereits mehr als 50 Kilometer hinter sich. Schweiss bedeckte die Flanken der schwer beladenen Pferde und Schweiss liess die Gesichter der Soldaten glänzen.

Mit Pferden am Abgrund entlang

Früh am nächsten Morgen führten die Soldaten ihre Tiere über den Saumpfad. Die ersten 300 Meter erfolgten über einen relativ sanften Anstieg, ehe die Truppe die 600 Meter hohe, fast senkrecht stehende Gemmiwand bei schon recht heisser Herbstsonne zu überwinden hatte. Bei der Ankunft in Münsingen konnten sie auf eine Distanz von 104 Kilometer und 4000 Höhenmeter zurückschauen, auf der die Pferde Lasten mit bis zu 120 Kilo trugen. Die Verschiebung stand unter dem Kommando von Major Mosimann aus Gstaad. Begleitet wurde sie von Militärtierarzt Josef Jäger und Hauptmann Willy Gertschen. An einer ausgesetzten Stelle in der Wand, die den schwindelerregenden Blick in die Tiefen des Talkessels freigab, kündigten Geräusche von Hufeisen auf Felsen das Erscheinen der ersten Gruppe von vier Pferden an. Doppelt so viele Soldaten führten die Tiere durch die «Himmelsleiter», eine der kniffligsten Passagen. Mit Seilen sicherten jeweils vier Männer ein Tier. Treppenartige Absätze und die beängstigende Nähe der unmittelbar neben dem Wegrand Hunderte von Metern abfallenden Steilwand forderten von den Trainsoldaten alles Geschick und unablässige Konzentration. Ein Aufschrecken der ängstlichen und nervösen Pferde hätte hier wohl Unheil bedeutet.

Energie aus der Flasche

Aus einigen Gesichtern der erfahrenen Trainsoldaten sprachen denn auch deutliche Anzeichen von Müdigkeit und banger Erwartung. Alle Pferde und Soldaten erreichten die Passhöhe. Die Überwindung der Gemmi war für die meisten beteiligten Soldaten wie auch für die Tiere eine äusserst herausfordernde Aufgabe.

Bei den älteren Jahrgängen der Landwehr spürten einige Anzeichen der Erschöpfung. Vor ihnen wartete der weniger gefährliche, aber noch lange Weg in zwei Etappen vom Schwarenbach ins Aaretal. Ob dieser Gewaltmarsch nicht an der Grenze des Machbaren gewesen sei, meinte ein Oberländer Trainsoldat: «Solange der Jenzener reicht, ist mir gar nicht bange bei der Sache», und führte seine Hand in die Seitentasche des Kampfsackes zur Flasche mit Enzianschnaps.

Hans Heimann
Hans Heimann
Für seinen ersten Zeitungsartikel über einen Sportanlass wurde Hans Heimann vom Lehrer getadelt. Dieser gab ihm nachdrücklich zu verstehen, dass dies ausschliesslich Sache der Lehrerschaft sei. Seinen zweiten Artikel schrieb er rund dreissig Jahre später. Der gefiel dem Chefredaktor des "Berner Oberländer" so gut, dass er nebenberuflich als Freier Mitarbeiter startete. 2018 klopfte auch der "Frutigländer" an und seitdem schreibt er auch für diese Zeitung und weitere Zeitungstitel mehrheitlich über Geschichte und Persönlichkeiten. Für Recherchezwecke stöbert der gebürtige Simmentaler nicht nur in Archiven, sondern geht mit offenen Augen durch die Welt und findet auch oft auf Reisen interessante Themen.

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