StartNewsNaturAls die «Diretissima Schweiz» in Frutigen Halt machte

Als die «Diretissima Schweiz» in Frutigen Halt machte

FREIZEIT In der Bibliothek am Guisanplatz (BiG) in Bern ist derzeit eine kleine, aber feine Ausstellung zum Thema Wandern zu sehen. Kernstück des facettenreichen Panoramas rund um die beliebte Freizeitaktivität ist eine Diretissima-Wanderung in Ton und Bild durch unser Land.

Im Sommer 1983 war Frutigen Etappenziel eines dreiwöchigen Wanderprojekts unter dem Titel «Diretissima Schweiz», das vom damaligen Radio DRS mit täglichen Einschaltsendungen begleitet wurde. Die vier Alpinisten Kurt Saurer, Daniel Bähler, Markus Liechti und Toni Steiner wanderten auf Kilometer 160 des Koordinatensystems quer durch die Schweiz.

Startpunkt im Westen war der Grenzstein 183 beim Lac de Joux, das Ziel im Osten der Cima piccola di Tarres auf dem Stilfserjoch. Die Luftlinie zwischen Start und Ziel beträgt 333 Kilometer, die effektive Weglänge 402 Kilometer. Während 23 Tagen überwanden die vier Bergsteiger rund 41 000 Höhenmeter.

Fröhlicher Empfang in Frutigen

Vom Diemtigtal kommend, trafen die vier Wanderer am Abend des 7. Juli 1983 beim Friedhof in Frutigen ein, wo sie von der Dorfbevölkerung mit einem Transparent und kaltem Tee begrüsst wurden. Gemeinsam zogen sie zum Bahnhof Frutigen, wo DRS-Reporter Peter Marthaler sie interviewte. Auf der Oberen Bäreflueh hatte Landwirt Arthur Allenbach den Alpinisten bereits Milch ausgeschenkt. Am nächsten Tag zogen die vier Abenteurer Richtung Lauterbrunnen weiter. Die Aufzeichnungen sowie ausgesuchte Fotos sind in der Ausstellung zu hören und zu sehen.

Gewitter, unwirtliches Gelände, Regen, Wasser und Schnee erschwerten die Wanderung. Die vier Alpinisten übernachteten mehrheitlich in Biwaks und einfachen Hütten. Oft machte sich die Gruppe vor Sonnenaufgang auf den Weg und erreichte das Tagesziel erst nach Sonnenuntergang. Die Radioübertragungen machten die Wanderer populär und führten dazu, dass die vier Männer nicht nur in Frutigen, sondern an allen Etappenzielen von begeisterten Hörerinnen und Hörern begrüsst wurden.

Wandern liegt im Trend

Die Episode aus dem Frutigland ist Teil einer Wanderausstellung in der Bibliothek am Guisanplatz unter dem Titel «Unterwegs. Wandern in der Schweiz». Wandern im eigenen Land liegt gerade wieder einmal im Trend. Hotels und Bergbahnen verzeichnen steigende Frequenzen. Die Beliebtheit zeigt sich auch in der Mode: 2025 war Wanderkleidung die drittbeliebteste Kategorie auf der Webseite des Online-Versandhändlers Zalando.

Wandern hat in der Schweiz eine lange Tradition: Der Schweizerische Alpenclub (SAC) wurde im April 1863 im Bahnhofbuffet Olten gegründet. Älter sind nur der Alpine Club in London (1857) und der Österreichische Alpenverein (1862). In dieser Zeit entdeckten britische Touristen die Schönheit der Alpen, bestiegen Viertausender und legten so den Grundstein für den Bergtourismus auch den der Eidgenossen. Die Schweizerinnen und Schweizer begannen sich für die Berge zu interessieren und zu wandern.

Angst vor den furchterregenden Gletschern

Die Ausstellung am Guisanplatz widmet sich den verschiedenen Facetten des Wanderns. Die Entdeckung der Alpen durch Dichter, Maler und Wissenschaftler im 18. Jahrhundert bildet den Ausgangspunkt. Illustrierte Publikationen, kolorierte Umrissradierungen, Aquarelle und Zeichnungen zeigen die wachsende Wertschätzung für die Bergwelt. Die Darstellungen der in Bergtäler vordringenden Gletscher sowie von Wasserfällen und Seen machten die entlegenen Orte zu Hotspots und zum Gegenstand von Ängsten und Sehnsüchten.

Ein weit verzweigtes Netz von rund 65 000 Kilometer Wander-, Bergwander- und Alpinwanderwegen lädt in der Schweiz dazu ein, die vielfältigen Landschaften des Landes zu Fuss zu entdecken. Nach Aussage des Kurators Mathias Kobel entstand die Berner Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Landestopografie swisstopo, den Schweizer Wanderwegen und dem Bereich Langsamverkehr des Bundesamtes für Strassen Astra.

Vier Tipps fürs Wandern

Die Ausstellung beleuchtet verschiedene Blickwinkel rund um das Thema. Sie erzählt, wie man sich korrekt auf eine Wanderung vorbereitet und was die Symbole auf der Wanderkarte bedeuten. Die vier Tipps fürs Wandern lauten: Erstens: Das eigene Können realistisch einschätzen und die Route entsprechend auswählen. Zweitens: Jede Wanderung sorgfältig planen. Drittens: Passende Ausrüstung wählen und viertens: unterwegs aufmerksam bleiben.

Eindrücklich sind auch die zahlreichen Bergbilder: Luft, Licht und Landschaft inspirieren bis heute die bildende Kunst. Die Ausstellung präsentiert eine kleine Auswahl von Kunstschaffenden der Gilde «Schweizer Bergmaler und Bergmalerinnen» (GSBM). Zu sehen sind Werke von Bernard Bailly, Alice Gafner, Lorenz Huber, Franziska Krauss, Peter Young und Victoria Rechsteiner.

Der Empfang der «Diretissima»-Wanderer in Frutigen belegt, wie gross im Jahr 1983 das Interesse der Frutigländer an der Aktion war.

Peter Schibli
Peter Schibli
Peter Schibli (geb. 1956) wuchs in Bern auf, studierte an der Universität Rechtwissenschaften und begann bereits während des Studiums als Gerichtsreporter zu arbeiten. 1984 promovierte er mit einer Dissertation über das Schweizerische Bundesgericht. Nach Redaktionsstellen bei «Der Bund» und beim «Badener Tagblatt» wechselte er 1986 zur Basler Zeitung, der er 21 Jahre lang treu blieb: Inlandredaktion, Deutschland-Korrespondent, USA-Korrespondent, Online-Redaktion, Mitglied der Chefredaktion waren seine Stationen. Kurz bevor die BaZ unter Christoph Blochers Einfluss geriet, wechselte Schibli zur SRG, wo er die letzten elf Jahre als Direktor swissinfo.ch und als Nationaler Koordinator Multimedia tätig war. 2018 ging er vorzeitig in Pension. Seither arbeitet Schibli als freier Journalist (u.a. als Gerichtsreporter für den Frutigländer). In der Freizeit spielt er Theater sowie Fagott und geniesst den Unruhestand.

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