NATUR Seit Jahrtausenden faszinieren Sonnenfinsternisse die Menschen. Die Sternwarte Sirius oberhalb von Sigriswil lud nicht nur zur gemeinsamen Beobachtung des Ereignisses ein, sondern auch zu einem Vortrag und zur internationalen Übertragung aus anderen Messstationen auf der Nordhalbkugel.
Seit Tausenden von Jahren beobachten Menschen auf der ganzen Erde das sehr seltene Ereignis der Sonnenfinsternis. Die alten Griechen nannten dies «ékleipsis», das bedeutet Verdeckung, ja sogar Auslöschung der Sonne. Es war weltweit ein Ereignis das Menschen in Angst und Schrecken versetzte, und noch heute ist seine Faszination enorm, auch wenn es nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen wird.
Im Schnitt kann nur etwa alle 375 Jahre über einem bestimmten Ort mit einer totalen Sonnenfinsternis gerechnet werden. Zählt man die ringförmigen hinzu, sind es 140 Jahre. Grund dafür ist, dass der Streifen, in dem eine zentrale Sonnenfinsternis (total und ringförmig) stattfindet, sehr schmal ist.
In der Schweiz fand die letzte totale Sonnenfinsternis am 22. Mai 1724 statt. Die Schweiz wird erst wieder am 3. September 2081 von einer totalen Finsternis getroffen.
Warum keine totale Sonnenfinsternis?
Die totale Sonnenfinsternis vom 12. August 2026 spielte sich grösstenteils über Grönland, Island und Spanien sowie dem Nordpolarmeer und dem nördlichen Atlantik ab. Das Maximum der Finsternis lag westlich von Island im Atlantik. Im deutschsprachigen Raum der Schweiz hingegen war das Ereignis bis zum Sonnenuntergang als tiefe partielle Sonnenfinsternis sichtbar; die grösste Verfinsterung war im Südwesten in Leuk im Kanton Wallis mit maximal 92 Prozent Bedeckung erreicht.
Sternwarte Sirius: Wahre Schönheit im Dunkel der Nacht. Am vergangenen 14. Oktober 2025 feierte die oberhalb von Sigriswil liegende Sternwarte Sirius ihr 25-jähriges Bestehen. Ein neues Kapitel habe man damals abgeschlossen, erinnert sich der Präsident der Träger-Stiftung, Marcel Prohaska, ein studierter Astronom, der lange Jahre an der Uni Bern gearbeitet hatte.
Und er betont: «Die wahre Schönheit der Nacht liegt im Dunkeln.» Dabei sei Astronomie die Leidenschaft der Stiftungsträger und der Aktiven, die alles ehrenamtlich machten. «Unsere Berufung ist es, die Kenntnisse über das Universum einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln», ergänzt er.
Und so lud die Sternwarte vorgestern nicht nur zur Beobachtung der Sonnenfinsternis, sondern auch zu einem Vortrag.
Die Besucher kamen aus einer Vielzahl von Ländern. Die Erwartung war gross und spürbar, doch aufgrund der Lage oberhalb von Sigriswil war die Wirkung des Ereignisses nur bedingt
CHRISTOPH TRUMMER zu erleben. Und so war dann die Fortsetzung des Programms im Innern fast noch eindrücklicher.
Die eigentliche Sonnenbedeckung durch den Mond war innerhalb der Kuppel der Sternwarte durch eine Kombination von Live-Übertragungen verschiedener Teleskope im Überdeckungsraum des Mondes und einem über einstündigen Vortrag von Marcel Prohaska fast noch besser mitzuerleben.
Kurz nach der Vollbedeckung unterbrach man die Vorführung im Innern, und die Besucherinnen und Besucher konnten die spät, aber erneut einsetzende Helligkeit und den letzten, wiederauflebenden Abendgesang der Vögel vor der atemberaubenden Kulisse der Oberländer Berge erleben.



