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Jäger im Dienste des Auerhuhns

NATUR Der Bestand des scheuen Auerwilds ist wegen der zunehmenden menschlichen Nutzung der Wälder schweizweit rückläufig. Um die Population dieser Vogelart im Bawald oberhalb Faltschen weiterhin zu fördern, wurde mit dem Jägerverein Kandertal ein Hegeeinsatz organisiert.

Samstagmorgen, 07.30 Uhr: Bei noch angenehmen Temperaturen formierte sich beim Forsthaus Faltschen im Waldreservat Bawald ein «Einsatztrupp». Mitglieder des Jagdvereins Kandertal sowie Peter Rubin, Lukas Bettschen und Konrad Bettschen als Vertreter der Gemeinde Reichenbach trafen sich zum Hegeeinsatz. Mit dabei waren auch vier Jungjäger. Sie müssen während ihrer mehrjährigen Ausbildung unter anderem eine bestimmte Zahl an Hegestunden absolvieren.

Konkret ging es um die Pflege des Auerwildreservats im Wildschutzgebiet. Dort gilt ein Wegegebot: Besucherinnen und Besucher dürfen sich nur auf den dafür vorgesehenen Strassen und Wege bewegen. Wie vor Ort zu erfahren war, soll die Benutzung der Waldstrasse demnächst mit einer Barriere zusätzlich eingeschränkt werden. Koordiniert wurde der Einsatz von Revierförster Martin Schenk von der Geschäftsstelle Forst Frutigland. «Wir befinden uns hier im Lebensraum für Tiere, die eher auf Ruhe angewiesen sind», erklärte er zu Beginn. «Auerhuhn und Auerhahn sind die grösste Raufusshühnerart, zu der auch Birkhuhn, Haselhuhn und Schneehuhn gehören. Im hiesigen Gebiet ist zudem der Schneehase sehr verbreitet. Denn wenn es dem Auerwild hier passt, profitieren auch diverse andere Wildarten von dem Nadelwaldgebiet mit den vielseitigen Strukturen.»

Der Kanton unterstützt die Massnahmen seit 2017, um den gestuften, offenen Wald als entsprechenden Lebensraum zu erhalten. Denn die Stürme Vivian und Lothar hätten auch hier ihre Spuren hinterlassen, erklärte Schenk. Ohne Pflege würde der Wald einschichtig und dicht nachwachsen.

Der Bestand wird erforscht

«Die scheue Auerhuhnart ist in der Schweiz selten geworden, aber hier quasi als Überrest weiterhin präsent. Im Zentrum Habkern/Beatenberg ist die Population sogar recht stark. Der Kanton Bern hat darum ein Monitoring gestartet, um die Auerhuhn-Bestände und deren Veränderung zu ergründen», hielt der Förster weiter fest.

Als grosser Vogel braucht das Auerwild genügend Platz zum Auffliegen. Ein Auerhahn kann laut Schenk die Grösse einer Gans erreichen. Ebenso wichtig seien geeignete Sitzbäume, vorzugsweise Fichten mit vielen Ästen, in denen sich die Tiere verstecken können. Einer ihrer Hauptfeinde ist der Adler. Am Boden benötigt das Auerwild eine ausgeprägte Zwergstrauchvegetation mit Heidel- und Vogelbeeren sowie Totholz und Wurzelstöcke. Für die Unterstützung der Verdauung seien Steinchen nötig, und gerade Jungtiere seien auf Raupen, Insekten und Ameisen angewiesen, um rasch kräftig zu werden. Im Winter dienen ihnen die Nadeln der im Gebiet vorkommenden Weisstannen, Föhren, Arven und Fichten als Nahrung.

Balz und Paarung finden von März bis Mai statt. Nach der Eiablage werden die sieben bis zehn Eier während 26 Tagen ausgebrütet. Die Sterblichkeit der Jungtiere sei wegen Fressfeinden und Kälte relativ hoch, erklärte Schenk.

Harte Arbeit und Jägerlatein

«Heute geht es darum, die vor zehn Jahren geschaffenen Schneisen oder die damals vorgefundenen lockeren Waldgebiete zu überprüfen und nachgewachsenes Gehölz zurückzuschneiden», erklärte Martin Schenk. Gegen die Strasse hin dürfe die Vegetation wegen des mittlerweile ganzjährigen Besucherdrucks dichter sein, damit das Auerwild Sichtschutz habe.

Mit Motorsäge, Hagschere, Handsäge und Gertel bewaffnet machten sich die drei Teams und der Revierförster an die Arbeit. Trotz der aktuellen Hitzewelle war der mit zahlreichen Heidelbeer- und Farnstauden bewachsene Waldboden erstaunlich feucht. Während jeweils ein mit Schnittschutzhose, Helm, Gehör- und Sichtschutz ausgerüsteter Helfer die Motorsäge führte, zerkleinerten die anderen das geschnittene Holz und schichteten es an den Rändern der Schneise auf.

Spätestens in der Znünipause kam auch das Jägerlatein nicht zu kurz. Zu reden gaben die regionalen Reh-, Gäms- und Hirschbestände sowie die zunehmenden Wildschweinrotten sowie die Bestände von Luchs und Wolf. Daneben wurden Tipps ausgetauscht, welche Teile des Dachses verwertet werden können oder wie und wo Murmeltierfett am besten erhitzt und zu Öl geschmolzen wird.

Ein langjähriges Engagement

Peter Rubin (67) ist seit diesem Jahr Präsident des Forstpersonalverbands Berner Oberland und engagiert sich seit Langem im Mandat für die Gemeinde Reichenbach. «Nachdem sich die diversen Bäuerten aufgelöst haben, betreuen wir jetzt über alles um die 500 Hektaren Wald. Für Holzschläge, Pflege sowie Strassenunterhalt in den bewaldeten Gebieten bin ich zuständig, und dazu gehören auch solche Einsätze wie wir sie heute hier erleben. Diese sind sehr wichtig und wegen der knappen Finanzbeiträge auch sehr wertvoll.»

Aufgrund seines Alters freue er sich, mit Lukas Bettschen nun einen Stellvertreter und künftigen Nachfolger an seiner Seite zu haben. «In beratender Funktion und wenn Not am Mann sein sollte, stehe ich dann aber wohl weiterhin zur Verfügung.»

Martin Schenk ergänzte gegenüber dem «Frutigländer», dass im oberen, steileren Gelände vor einiger Zeit mithilfe von Seilkrananlagen alte Bäume entfernt worden seien. Dadurch sollten kräftige Einzelbäume und Baumgruppen mehr Stabilität erhalten. «In einer Aktion mit Schulklassen haben wir danach wieder verschiedenartige Nadelbäumchen gesetzt und so den Kindern gleichzeitig Informationen zum Wald der Zukunft vermittelt.» Der Förster plädiert generell für mehr menschliche Demut gegenüber der Natur.

Gegen 14 Uhr endete der Arbeitseinsatz. Die Beteiligten widmeten sich anschliessend dem von der Gemeinde offerierten Mittagessen, dem sogenannten Aser.

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