EISENBAHNGESCHICHTE Der ET 403 erregte vor 50 Jahren grosses Aufsehen auf seiner Fahrt durch das Kandertal ins Wallis. Noch heute hat diese Eisenbahnbaureihe eine grosse Fangemeinde.
Für ein verlängertes Wochenende im Herbst 1976 reisten 180 Feriengäste aus Frankfurt mit einem Sonderzug der Deutschen Bahn in die Schweiz. Der Triebzug stammte aus der Baureihe 403 und war einer von drei Zügen. Er gilt als erster deutscher Hochgeschwindigkeitszug und einer der ersten Vorläufer des Intercity Express. Wegen der charakteristischen Frontgestaltung bekam der Zug den Spitznamen Donald Duck. Mit frohen Musikklängen der Bauernmusik Interlaken und der Fahnengruppe wurde der Sonderzug in Interlaken begrüsst. Unter den Gästen weilte auch Prinz Louis Ferdinand von Preussen, ein Enkel des letzten deutschen Kaisers. Diesem verlieh der Direktor der Jungfraubahnen, Roland Hirni, in Interlaken den Orden des «Ehrenvorstandes». Normalerweise bediente dieser neue Zug die Strecke von Hamburg nach München. Unzählige wollten das Zugwunder, das erstmals die Grenze in die Schweiz überquert hatte, bestaunen.
Fahrt durch den Lötschberg
Als die Zugkomposition einen Tag lang in Interlaken West stillgelegt war, mietete die Bern-Lötschberg-Bahn (BLS) diese für eine Spezialreise. Sie führte ausländische Touristen und Einheimische von Interlaken durch den Lötschberg nach Brig. Die Fahrgäste konnten sich vom Fahrkomfort des Zuges überzeugen. In Frutigen wie auch in Kandersteg winkten Bahnbegeisterte und Einwohner dem Zug zu. Auch auf den Bergstrecken rollte der Zug leise und stossfrei. Im Wallis unternahmen die Gäste ebenfalls Ausflüge in die Berge. Am Montag fuhr der Sonderzug wieder zurück nach Frankfurt. Im Juni 1978 reisten erneut Gäste aus Deutschland mit dem ET 403 in die Schweiz. Aus Nürnberg trafen 400 Deutsche für einen viertägigen Aufenthalt ohne Umsteigen im Berner Oberland ein. Es sollte die letzte Sonderfahrt eines ET 403 in die Schweiz sein.
Der Anfang vom Ende
Zu gross waren die Probleme, mit denen die DB zu kämpfen hatte. Die Gründe, die zum Aus dieser Bauserie geführt hatten, waren vielfältig: Der ET 403 war ein reiner 1.-Klasse-Zug; Das Triebwagenkonzept wurde als zu unflexibel für den laufenden Betrieb angesehen, bei Kurvenfahrten um 160 km/h kamen Konstruktionsmängel zutage, und vor allem war er in der Anschaffung viel zu teuer. Mit dem Fahrplanwechsel im Sommer 1979 ging das Experiment der DB, das rund 10 Jahre vorher begonnen hatte, zu Ende. Trotz der überzeugenden Ausstattung, der Fahreigenschaften, des Designs und des grossen Anklanges bei den Fahrgästen erfolgte keine Serienbestellung dieses Typs. Heute gibt es weltweit noch zahlreiche Freunde und Anhänger dieser Eisenbahnbaureihe und sie tauschen sich über dieses Kapitel der deutschen Eisenbahngeschichte im Internet aus.
Quelle: Thuner Tagblatt 12. Oktober 1976



