VERKEHR Der vollständige Ausbau des Lötschberg-Basistunnels (LBT) kommt einen Schritt voran: Die BLS legt die Pläne öffentlich auf. Nach dem Ausbau – ab Dezember 2035 – können Züge den 35 Kilometer langen Tunnel zwischen Frutigen und Raron durchgehend auf zwei Spuren befahren.
Einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie sich Tunnelarbeiter an ihrem heissen Arbeitsplatz tief im Berg fühlen, gab es am Dienstagabend im Hotel Landhaus Adler in Frutigen. Die BLS informierte im gut besetzten und dadurch aufgeheizten Saal über die kommenden Arbeiten für den Vollausbau des Lötschberg-Basistunnels sowie über die bis am 15. September dauernde öffentliche Planauflage.
Bereits rechtskräftig ist die Bewilligung für den teilweisen Ausbau des Basistunnels, die vom Bundesgericht im April dieses Jahres bestätigt wurde (der «Frutigländer» berichtete). Öffentlich aufgelegt werden derzeit nur noch jene Änderungen, die zusätzlich für den vollständigen Ausbau nötig sind. Das sind dennoch 42 Dokumente, wie das Inhaltsverzeichnis zeigt.
Zusätzliche Arbeiten im Berg
Der grösste Teil der Anlagen, Installationsplätze, Zufahrten sowie Umwelt- und Schutzmassnahmen, ist bereits rechtskräftig bewilligt und bleibt unverändert bestehen, wie die Vertreter der BLS festhielten. Dazu gehören der bereits laufende Ausbau der Zufahrt Wengi-Ey zum Nordportal durch den Engstlige-Tunnel sowie die baldige Ausrüstung der bestehenden Rohbauröhre Mitholz-Ferden mit Bahntechnik.
Die zusätzlichen Arbeiten für den Vollausbau finden vor allem im Berg statt. Die wichtigsten Neuerungen betreffen den sieben Kilometer langen Tunnelabschnitt beim Portal Frutigen, der für den vollständigen Ausbau ausgebrochen wird. Zudem wird im Bereich Mitholz eine zusätzliche Nothaltestelle gebaut, und Planung sowie Organisation des Bauablaufs werden angepasst.
«Damit wird der Fehler eines halbfertigen Tunnels korrigiert», sagte Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur BLS. «Wir sind uns aber klar bewusst, dass die Bevölkerung von diesem Grossprojekt betroffen sein wird.» Die Gemeinde Frutigen und die BLS seien jedoch seit Jahrzehnten in Kontakt und in gutem Einvernehmen, bestätigten Wyder sowie Gemeindepräsident Urs Kallen. Frutigen befürworte den Ausbau, so Kallen, wolle aber wissen, was dieser im Alltag bedeute.
Arbeiten rund um die Uhr
Die zweite Röhre Mitholz-Frutigen wird im bewährten Sprengvortrieb erstellt; die Hauptarbeiten im Tunnel starten nach aktueller Planung 2028. Martin Pfister, Leiter Rohbau, betonte, dass man von den Sprengungen an der Oberfläche «nicht mehr als ein entferntes Gewitter hören und kaum Erschütterungen spüren wird». Der Vortrieb erfolgt in kleinen Etappen, da auf den nur 40 Meter entfernt parallel dazu stattfindenden Bahnbetrieb Rücksicht genommen werden muss. Grosse Erschütterungen sind nicht tolerierbar.
Die Geologie sei bekannt: Gegen Frutigen hin sei der Berg schlechter und wasserführend; beides müsse bei der Ausgestaltung der Röhre entsprechend berücksichtigt werden. «Gearbeitet wird auf der Baustelle an rund 320 Tagen pro Jahr rund um die Uhr», so Pfister. Bis 2031 wird nur im Berg gebaut, anschlies send folgen die Anschlüsse an die bestehende Infrastruktur sowie deren Anpassungen, etwa für die Rettung. Konkret bedeutet dies, dass während etlicher Monate jeweils nur eine durchgängige Röhre nutzbar ist.
Das heikle Thema Umwelt
Der Hauptinstallationsplatz wird– wie schon beim ersten Tunnelbau Anfang des Jahrtausends – im Bereich des Hartschotterwerks Mitholz sein; ein zweiter ist beim Autohaus von Känel in Frutigen vorbereitet. «Beide haben Bahnanschluss», sagte Michael Ruppen, Leiter Umwelt. Zwei kleinere Installationsplätze sind in der Helke sowie in Niedergesteln VS für die Behandlung und Reinigung des Bauabwassers vorgesehen.
Temporär wird auch im Tellenfeld Land beansprucht.
Die Materialbewirtschaftung setzt darauf, dass möglichst viel des Ausbruchmaterials als Betonzuschlagstoff für den Bau der Bahnröhren wiederverwendet wird. «Weiter sollen Transporte, wenn immer möglich, reduziert und die Umwelt maximal geschützt werden», so
Marco Ceriani ist Leiter Alptransit der BLS und Gesamtprojektleiter.
Ruppen. Die Rede ist von acht bis zehn zusätzlichen Lastwagenfahrten pro Tag, um Material auf der Strasse anzuliefern. Priorität habe jedoch der Bahntransport. Gesprengt werde mit modernstem Sprengstoff, der frei von Ammoniumnitrat sei, zudem seien Überwachung und Dokumentation umfangreich. Das umfasse Grundwasser und allfällige Bodenveränderungen und reiche bis hin zu Satellitenaufnahmen von Landstrichen, unter denen der Tunnel entstehe. «So ist alles nachvollziehbar», erklärte der Projektleiter Umwelt.
Ausbau bringt bessere Angebote
Der 35 Kilometer lange Lötschberg-Basistunnel ist heute nur auf einem Teilstück vollständig zweispurig befahrbar. Zwischen Raron und Ferden können die Züge durch zwei ausgerüstete Tunnelröhren auf einer Länge von 14 Kilometer fahren. Zwischen Ferden und Mitholz existiert zwar bereits eine zweite, 14 Kilometer lange Rohbauröhre, sie ist jedoch noch nicht mit Gleisen, Stromversorgung und Sicherheitstechnik ausgerüstet. Auf den verbleibenden sieben Kilometern zwischen Mitholz und Frutigen muss die zweite Röhre erst noch ausgebrochen werden.
Mit dem Vollausbau verschwindet das Nadelöhr im Berg: Züge sollen den Basistunnel ab Dezember 2035 durchgehend zweispurig befahren können. Der Ausbau ermöglicht im Fernverkehr den durchgängigen Halbstundentakt zwischen Bern und dem Wallis und schafft zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr. Laut heutigen Schätzungen kostet der vollständige Ausbau des Lötschberg-Basistunnels rund 1,7 Milliarden Franken. Laut Marco Ceriani, Leiter Alptransit und Gesamtprojektleiter, ist die Finanzierung durch einen Vertrag mit dem Bund gesichert. Die BLS rechnet mit einer Gesamtbauzeit von ungefähr zehn Jahren.
Doch fertig ist die Bauerei damit nicht: Wie Ceriani bestätigt, sind nach etwa 30 Jahren die Geleise zu ersetzen, was im 2007 eröffneten Tunnel also bald folgen wird. Der Tunnel selber ist für eine Nutzungsdauer von 100 Jahren ausgelegt. Nicht zu vergessen ist zudem, dass in Mitholz ebenfalls die Räumungsarbeiten im und um das ehemalige Munitionslager beginnen werden.
Info: Die Pläne liegen in den Verwaltungen der betroffenen Gemeinden auf und sind abrufbar unter www.bls.ch/pgv-AusbauLBT. Die Auflage dauert bis am 15. September. Wer sich über die Hintergründe und Details des Tunnelausbaus informieren will, kann dies im Infozentrum im Pavillon beim Bahnhof Frutigen machen. Dieser kann während den Öffnungszeiten individuell und ohne Voranmeldung besichtigt werden. Öffnungszeiten: Mittwoch–Freitag von 9–17 Uhr, Samstag/Sonntag von 10–17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.



