Die Sanierung der A6 zwischen Thun-Süd, Spiez und Wimmis ist nicht nur an der Fahrbahn sichtbar. Abwasseranlagen, Brücken und der Simmenfluhtunnel machen das Projekt zu einer komplexen Grossbaustelle. Der Gewerbeverband Spiez erhielt Einblick in die laufenden Arbeiten.
2015 begann die Generalerneuerung der Autobahn A6, die schon seit Ende 2024 am Brückenübergang von Spiez nach Spiezwiler angekommen ist. Bei einer Besichtigung am 20. August erläuterten Vertreter des Bundesamts für Strassen (Astra) und der ARGE Niesen dem Gewerbeverband Spiez den Ablauf der Arbeiten, die Herausforderungen – und die Dimensionen der Baustelle.
Im Verhältnis zu den mit rund 700 Millionen Franken veranschlagten Gesamtkosten des Projekts «Rubigen bis Spiez» nehmen sich die rund 200 Millionen Baukosten für den Abschnitt der ARGE Niesen eher bescheiden aus. Darin enthalten sind erhebliche Aufwendungen für den Lärm- und Umweltschutz sowie die unerwartet notwendig gewordene Sanierung des Simmenfluhtunnels bei Wimmis.
Ein Ende ist aber abzusehen: 2027 soll das Projekt auch im grösseren Raum Spiez beendet sein. Letzte Aufräumarbeiten könnten aber bis in das Jahr 2028 hineingehen, wie der Projektleiter Beat Aeberhard vom Astra Thun gleich zu Anfang erläuterte.
Mehr als neue Fahrbahnbeläge
Für jeden sichtbar sind die laufenden Erneuerungen der Strassenkörper und der Fahrbahnbeläge samt dem Mittelstreifen. Hierzu gehören auch die Autobahnanschlüsse und Rastplätze. Eine Anpassung an aktuelle Normen ist darin eingeschlossen.
Weniger sichtbar ist der Aufwand für die sogenannten Strassenabwasserbehandlungsanlagen, kurz SABA. Dabei handelt es sich um grosse Abwassersammler und Filteranlagen. Sie sollen verhindern, dass Pneuabrieb, Ölreste und Schmutzwasser in die Gewässer gelangen. Die mehrstufigen Anlagen, die derzeit in Spiez und an der Zufahrt nach Wimmis entstehen, sind von erheblicher Grösse.
Brücken und Tunnel
Gross ist auch der Aufwand, der für Brückenbauten, Über- und Unterführungen sowie Tunnelbauten im Raum Spiez betrieben werden muss. Über 50 solcher Bauwerke waren und sind zu bewältigen. Dass dies alles unter laufendem Verkehr geschehen muss, stellt eine beträchtliche Herausforderung dar, wie Projektleiter Aeberhard während der ausgiebigen Führung öfter betonte.
Besonders aufwendig ist die Sanierung des Simmenfluhtunnels bei Wimmis. Dort zeigte sich, dass zusätzlich zu den geplanten Instandhaltungen streusalzbedingte Schäden an der Tunnelwand entstanden waren. Weil dadurch Korrosionsschäden am Armierungsstahl drohen, wird die bestehende Deckbetonschicht abschnittsweise mit extremem Hochdruck abgetragen und anschliessend erneuert.
Bei der Besichtigung des Simmenfluhtunnels im Rahmen der Führung wurde auch sichtbar, welche aufwendige Sicherungstechnik und Fluchtwegkontrolle heute im Interesse aller Verkehrsteilnehmer betrieben wird. Die Gruppe besichtigte unter anderem den seit Baubeginn vorhandenen Fluchttunnel, der vom Tunnelkörper hin zur Kantonsstrasse entlang der Simme führt. Auch werden dort die bisherigen Notstromaggregate durch ein Batteriesystem ersetzt. Dieses steht ohne Anlaufzeit zur Verfügung und lässt sich bei Bedarf in Grösse und Leistung erweitern.
Verkehrsführung und Bauausführung
Man muss bei alldem sehen, dass das gesamte Projekt nicht nur unter laufendem Verkehr stattfinden muss, sondern auch bei fortlaufendem und nur in kleinen Zeitfenstern unterbrochenem Betrieb an den Anschlussstellen durchgeführt wird.
Enge Platzverhältnisse und die hohe Verkehrsbelastung über Jahre fordern
Bei der durch den Spiezer Gewerbeverband organisierten Besichtigung der ARGE Niesen erläuterte Projektleiter Beat Aeberhard (Astra Thun, rechts) Art und Umfang der Arbeiten.
deshalb Bauleute wie Verkehrsteilnehmende. Trotz dieser schwierigen Voraussetzungen seien die Arbeiten bislang planmässig verlaufen.
Umwelt und Nachhaltigkeit
Sichtbar sind auch die Anstrengungen für den Lärm- und Umweltschutz. An zahlreichen stellen entstehen Lärmschutzwände. Zudem werden lärmmindernde Fahrbahnbeläge eingebaut. Auch die Bäume, die für die Bauarbeiten gefällt werden mussten, sollen nach Abschluss der Arbeiten durch neue Pflanzungen ersetzt werden.



