Faustus Furrer ist Präsident und OK-Chef des Vereins Freilichtspiele Tellenburg. Auch die dritte Produktion stiess beim Publikum auf grosse Resonanz. Der ehemalige Frutiger Gemeindepräsident erzählt, was für ihn der Zauber der Geschichte ausmachte und wie es mit den Freilichtspielen weitergehen muss.
24 ausgebuchte Aufführungen und ein begeistertes Publikum: Das Thema der internierten amerikanischen Piloten und ihres Einflusses auf die Adelbodner Bevölkerung erwiesen sich als Publikumsmagnet. Neue Themen für die Freilichtbühne hat Faustus Furrer bereits im Kopf. Doch zuerst ein Rückblick.
Frutigländer: Faustus Furrer, geben Sie uns eine kurze Bilanz von «The Singing Pilots». Faustus Furrer: Wir sind dankbar für das, was wir seit Anfang Juli erleben durften. Die Vorstellungen waren restlos ausverkauft, wir mussten sogar zusätzliche Plätze anbieten, um die Nachfrage zu befriedigen. Ich habe mit Ueli Bichsel einen erfolgreichen Autor und mit Mitja Staub einen ausgewiesenen Regisseur in meinem Team gehabt. Die Schauspieler spielten mit Hingabe und mit einer Ausstrahlung, die begeisterte. Das Budget wurde eingehalten, und die Einnahmen übertrafen unsere Erwartungen – dies auch wegen der perfekten Wetterbedingungen. Grosse Freude hat uns auch unsere Nachbargemeinde bereitet, welche uns zu einem Apéro, Nachtessen und Umtrunk eingeladen hat.
Kurz: Wir dürfen unsere Originalität und die Unverwechselbarkeit nicht preisgeben, denn genau dies schätzen unsere Besucherinnen und Besucher, auch wenn unsere Laiendarsteller mal einen kleinen Rumpler in der Textwiedergabe haben.
Weshalb hat die Geschichte der Singing Pilots das Publikum derart verzaubert? Die Menschen scheinen sich in den heutigen unruhigen und oft deprimierenden Zeiten eine Art von Unterhaltung zu wünschen, die einerseits leicht und beschwingt daherkommt, aber gleichzeitig einen gewissen Tiefgang hat. Diesen Nerv haben wir wohl getroffen, und unser Laien-Ensemble konnte diesen Geist von der ersten bis zur letzten Vorstellung über dem Publikum schweben lassen. Die Story hat einen Bezug zur heutigen Zeit. Geflüchtete aus weitgehend unbekannten Weltgegenden bringen andere Lebensgewohnheiten, Musik und Umgangsformen mit. Im Unterschied zu heutigen Immigranten waren die jungen Amerikaner allerdings gut bei Kasse. Dies hat ihre Integration in Adelboden zwischen 1943 und 1945 erleichtert, aber auch zu weltanschaulichen Konflikten geführt. Autor Bichsel hat dies glaubhaft und mit einem Gespür für Humor und Situationskomik dargestellt. Er brachte das Wechselspiel zwischen der Frömmigkeit sowie dem konservativen Denken im teils noch sehr ärmlichen Adelboden und dem «Swing» der gut betuchten jungen Piloten überzeugend auf die Bühne.
Sie haben erwähnt, wie wichtig der historische Hintergrund und die Nähe der Geschichten zum Tal sind. Gibt es denn noch solche Themen? Ja, die gibt es. Die Frage ist jedoch, wie sie so verpackt werden können, dass keine lebenden Personen verletzt werden und sich das Publikum amüsieren kann.
Was könnte Ihnen den Stoff für das Freilichttheater 2028 liefern? Der Bau der Niesenbahn wäre ein möglicher Hintergrund. Darum ranken sich viele Geschichten und Anekdoten, die gut belegt sind. Einheimische Persönlichkeiten wie Ingenieur Seeberger waren beteiligt. Und eine tolle Geschichte liesse sich auch über die Zundhölzliproduktion in unserem Tal entwickeln.
Sie sprechen von der Auflage 2028. Wo wird das nächste Freilichtspiel abgehalten? Wir konnten mit der Besitzerfamilie Schüpbach einen Vertrag für die Nutzung des Spielgeländes bis 2028 abschliessen. Das macht mir grosse Freude, weil es uns eine gewisse Sicherheit gibt. Ich bin Ursula Schüpbach und ihren Söhnen zu grossem Dank verpflichtet. Wir haben rund 100 000 Franken in das verbliebene Gebäude und das Gelände investiert. Es ist deshalb ein Segen, dass wir es weiterhin benutzen dürfen.
die Form der Produktionen ist hoch. Doch in den letzten Tagen hat sich ein Kontakt ergeben, der vielversprechend zu sein scheint. Die Person stellt jedoch zur Bedingung, dass ich als Ideengeber, Finanzplaner und Sponsorenbetreuer im Boot bleiben werde. Ein Entscheid wird bis Ende September getroffen.
Das Anforderungsprofil klingt für eine ehrenamtliche Tätigkeit anspruchsvoll. Wäre es nicht an der Zeit, dass nebst dem Autor und dem Regisseur auch der Produzent in einem bezahlten Teilzeitpensum tätig ist? Das muss man sich tatsächlich überlegen. Doch ein solches Amt wäre nicht einfach zu besetzen. Die Person müsste ihr Arbeitspensum reduzieren. Wer beruflich erfolgreich ist, wird sich dies gut überlegen. Dazu kommt, dass der Einsatz fürs Theater zeitlich sehr unterschiedlich verteilt ist.
Welches sind die kommenden Schritte? Im März 2027 steht die nächste Hauptversammlung des Vereins «Freilichtspiele Tellenburg» an. Sie entscheidet, ob 2028 gespielt wird, wählt den OKPräsidenten und segnet den Budgetrahmen ab. Er lag heuer bei etwa einer halben Million Franken. Sinnvollerweise ist der OK-Chef auch gleich der Vereinspräsident. So hat er bestmögliche Handlungsfreiheit. Die Führung einer Freiwilligenorganisation braucht klare Verantwortlichkeiten, Entscheidungsfreude und eine starke Hand.



