Stefan Zingrich gehört mit seiner Firma zu den schweizweit führenden Anbietern im Bau und in der Vermietung von Materialseilbahnen. Obwohl der Frutiger seit vielen Jahren solche Anlagen erstellt, realisierte er mit einem aktuellen Projekt ein Novum.
«Was die Sicherheit anbelangt, bin ich mittlerweile sehr pingelig», bezeichnet Stefan Zingrich die oberste Maxime seiner Tätigkeit. «Ich sehe meine Aufgabe als Geschäftsführer nicht nur darin, wirtschaftliche Ziele zu erreichen, sondern auch Verantwortung für Menschen zu übernehmen.» Bereits sein Grossvater baute Seilbahnen. Er war Bauer und Zimmermann in Saxeten. In den 1950er Jahren erhielt er den Auftrag zum Bau einer Transportseilbahn vom Talboden des Lauterbrunnentals auf das auf 1081 Meter über Meer gelegene Isenfluh. Transportiert wurde Baumaterial für den Bau eines Bibelhauses. «Mit dem frühen Tod meines Grossvaters durch einen Arbeitsunfall kam das Geschäft zum Erliegen. Mein Vater Karl war damals noch ein Kleinkind», erzählt Zingrich. «Nach der Schulzeit machte mein Vater eine Lehre als Landmaschinenmechaniker und wagte schon früh den Schritt in die Selbstständigkeit.»
Betrieb vom Vater übernommen
Karl Zingrich übernahm in Gstaad eine Landmaschinenwerkstatt. Auch er erstellte Seilbahnen für den Holzschlag, viele davon im Kanton Wallis. Bald erhielt er Aufträge für Materialseilbahnen, etwa im Gebiet von Les Diablerets. Dort lautete der Auftrag, eine Bahn für den Bau der beiden Luftseilbahnen in zwei Sektionen vom Col du Pillon auf den Scex Rouge zu erstellen. «Da ich früh mit diesem Metier vertraut war, wollte ich eigentlich keinen Beruf erlernen», erzählt Stefan Zingrich weiter.
Sein Vater war jedoch anderer Meinung, und so liess er sich zum Polymechaniker ausbilden. «Danach war ich während eines Jahres in Neuseeland und anschliessend in Kolumbien im Seilbahnbau tätig.» Zurück in der Schweiz stieg Stefan Zingrich in den Betrieb seines Vaters ein und übernahm diesen später. Das Tätigkeitsfeld der Zingrich Cabletrans AG umschreibt er folgendermassen: «Wir kommen dann zum Zug, wenn an einer Stelle gebaut werden muss, die nicht mit einer Strasse erschlossen ist.» Das umfasst unter anderem den Bau von Gasleitungen oder die Erneuerung von Druckleitungen für Wasserkraftwerke. Für die Erneuerung der Druckleitung der Grande Dixence SA installierte die Firma eine 25-TonnenMaterialseilbahn – wohl eine der leistungsstärksten Anlagen ihrer Art, die je im Einsatz stand.
Premiere mit spezieller Stütze
Besonders im Berner Oberland ist die Firma auch für touristische Bauten ein zuverlässiger Partner. So etwa beim Eiger Express in Grindelwald oder bei der Schilthornbahn. «Bei diesen Projekten haben wir mit unseren Materialbahnen die Logistik betrieben», sagt Zingrich und bezeichnet Letzteres als einen besonderen und bisher grössten Auftrag. «Schilthorn 20XX war das Projekt unseres Lebens. Noch nie haben wir einen Auftrag in solch einer Dimension ausgeführt.»
Das Spezielle daran seien die zeitliche Herausforderung sowie die Seilführung über drei Sektionen und unter der bestehenden Bahn hindurch von Stechelberg auf den Schilthorngipfel gewesen. «Unsere Transportbahn führt mittels einer Niederhaltestütze unter den Seilen der alten Pendelbahn der zweiten Sektion hindurch. Das war für uns ein Novum.»
Beim Neubau der Schilthornbahn setzte Stefan Zingrich in einer Sektion erstmals eine Niederhaltestütze ein. Somit führte er das Seil der Transportbahn (Nutzlast acht Tonnen) unter der alten Schilthornbahn (Kabine in der Bildmitte) durch.
Christlicher Glaube als Kompass
Projektmanager Willy Schranz seinerseits nennt Stefan Zingrich einen Visionär. «Steff erkennt sehr schnell, was machbar ist und was vielleicht vorher noch niemand in einem ähnlichen Fall gewagt hat.» Er habe den Blick für das Wesentliche. Wenn man dem Kunden die Pläne präsentiere, sei dieser dann oft überrascht, fügt Schranz an. «Ich bin nicht einer, der sich selber auf die Schultern klopft», schwenkt Stefan Zingrich ein. «Der Wille zum hart Arbeiten mag eine meiner Eigenschaften sein.» Aber es gebe auch Dinge, die man nicht beeinflussen könne. «Der christliche Glaube gibt mir Orientierung bei den Fragen, wie wir arbeiten und welche Werte uns leiten sollen. Wenn alles gut gelaufen ist, kann man daher umso dankbarer sein.»
Warum seine Firma den Auftrag für Schilthorn 20XX erhalten hat, erklärte Schilthorn-Direktor Christoph Egger einst in einem Zeitungsbericht: «Zingrich war der Einzige, der uns eine Offerte für alle drei nötigen Seilbahnsektionen unterbreiten konnte. Auf ihn und seine immense Erfahrung können wir uns blind verlassen.»
Beim Eiger Express in Grindelwald war Zingrichs Materialseilbahn das Rückgrat der ganzen Logistik. Diese führte das Baumaterial von der Salzegg zum Eigergletscher.



