StartNewsKulturRheinberger-Konzert im Rahmen der Spiezer Orgelkonzerte

Rheinberger-Konzert im Rahmen der Spiezer Orgelkonzerte

Der Organist Marc Fitze bringt in der Reihe Spiezer Orgelkonzerte immer wieder selten zu hörende Werke und Formationen nach Spiez. Kürzlich trat der 2023 gegründete «Rheinberger Verein Tokio» in der reformierten Kirche auf. Der Chor hat sich zum Ziel gesetzt, das gesamte Vokalwerk des liechtensteinischen Komponisten Josef Rheinberger aufzuführen.

Ausserordentlich war das Spiezer Konzert schon wegen seines Programms: Josef Rheinberger (1839 –1901) war Organist, Komponist und Hochschullehrer der Spätromantik und schuf eine Vielzahl von Werken von grosser Innigkeit und Farbigkeit. Lange Jahre war er Hoforganist an der Münchner Theatinerkirche. In den westlichen Regionen der Schweiz ist seine Musik heute jedoch kaum zu hören.

Rheinbergers Einfluss auf die geistliche und weltliche Musik der Spätromantik war bedeutend. Er war nicht nur ein äusserst produktiver Komponist und Organist, sondern auch ein gefragter Lehrer. Zu seinen Schülern gehörten bekannte Musiker wie Max Bruch, Engelbert Humperdinck, Richard Strauss, Lothar Windsperger und Wilhelm Furtwängler.

Lateinische und deutsche Kirchenmusik aus Japan

Doch was bewegt eine Gruppe japanischer Laien- und Profimusikerinnen und -musiker dazu, das Werk eines liechtensteinischen Komponisten aufzuführen?

Eine Erklärung liegt im Theologiestudium des Dirigenten Chiaki Shirai, eine weitere in der offensichtlich religiös geprägten Haltung des gesamten Ensembles. Chor und Solisten verneigen sich einzeln, wenn sie den Raum um den Altar betreten. Ihr Auftreten ist von Stille, Konzentration und Ernst geprägt und könnte ebenso zu einem Festtagsgottesdienst gehören.

In Spiez sang das Ensemble Rheinbergers Musik in den Originalsprachen Latein und Deutsch. Die Aussprache war nahezu akzentfrei. Wenn man bedenkt, dass alle japanischer Muttersprache sind, lässt dies erahnen, wie viel Disziplin und Übung dahinterstecken.

Auch musikalisch bewegt sich das Ensemble auf hohem Niveau. Tonale Reinheit und Interpretation überzeugten während des gesamten Konzertes. Der Chor bewältigte die stimmlich und interpretatorisch anspruchsvolle Musik Rheinbergers mit grosser Sicherheit. Das Konzertprogramm bestand fast ausschliesslich aus Werken Rheinbergers: dem «Magnificat» (JWV 104 -7), das auch als Zugabe erklang, der Orgelsonate Nr. 8 in e (op. 132), dem «Nachtgebet» (op. 157-5) mit der Sopranistin Yurika Nakamura, der Messe in G (op. 151), dem «Stabat Mater» sowie weiteren Werken. Ergänzt wurde das Programm durch das in Europa kaum bekannte «Tsuki» («Mond») von Rentaro Taki (1879 –1903), eine Orgelmeditation von Tsugutoshi Aragaki (1938 –2024), sowie die Bearbeitung des japanischen Kinderliedes «Die rote Libelle».

Nach dem Ernst kommt die Freude

Nach dem Konzert löste sich die konzentrierte Stimmung: Vor der Spiezer Kirche wurde für Gruppen- und Einzelfotos posiert, gratuliert und gelacht. Der Auftritt in Spiez bildete den Abschluss einer kleinen «Europa-Tour», wie das Ensemble seine Reise selbst nannte. Sie hatte von Dornbirn über Vaduz bis nach Spiez geführt. Noch am selben Abend machten sich Chor und Solisten gelöst und beschwingt auf den Heimweg nach Japan.

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