Polymechaniker-Experte und Juror Andreas Allenbach (Inhaber und Geschäftsführer der Allenbach-CNC AG, ehemals ALS-CNC GmbH) steht kurz vor seiner fünften Teilnahme an den WorldSkills vom 22. bis 27. September 2026 in Shanghai. Seit zehn Jahren begleitet er Schweizer Berufstalente auf ihrem Weg auf die internationale Bühne. Unterstützt wird er vom Schweizermeister 2023 und WorldSkills-Diplomgewinner 2024 Dominic Brügger von der Halter AG in Frutigen.
Wenn Polymechaniker-Experte Andreas Allenbach über den Weg an die 48. WorldSkills-Berufsweltmeisterschaften erzählt, wird eines sofort spürbar: echter Berufsstolz. Seine Begeisterung für den Beruf, sein Engagement und sein Wissen machen deutlich, wie viel Leidenschaft und Können hinter dem Weg an die WorldSkills steckt. Die letzten Tage vor der Abreise seien eine Mischung aus Routine und Ausnahmezustand, sagt Allenbach. «Wir haben das schon ein paar Mal gemacht. Aber am Tag vor der Abreise wird es sicher hektisch – das ist normal.» Zwei Wochen ist er unterwegs, entsprechend viel müsse im Betrieb vorher noch erledigt werden. «Eine grosse Veränderung betrifft die Ausrüstung: Seit den WorldSkills 2022 werden alle Werkzeuge gestellt. Das ist gut. So haben alle exakt die gleichen Bedingungen und wir müssen keine tonnenschweren Kisten mehr um die Welt transportieren», so Allenbach. Besonders gespannt ist Allenbach auf die Maschinen in Shanghai. Die Drehmaschine stammt zwar von einem deutschen Hersteller, doch die Fräsmaschine ist ein chinesisches Produkt, das in der Schweiz niemand kennt. «Wir haben sie nur auf Prospekten gesehen. Vor Ort haben wir einen Tag Zeit, uns einzuarbeiten.» Sein Kandidat Björn Ulrich, Schweizermeister 2025, tritt in der Disziplin Industrial Mechanics an. International ein eigener Beruf, in der Schweiz Teil des Polymechaniker-Profils. «Das zeigt, dass wir Schweizer nicht so schlecht sind. Wir machen alles und sind in der Ausbildung klar vielseitiger unterwegs.»
Vom Coach zum Juror und plötzlich ist Funkstille
Zehn Monate lang hat Allenbach Ulrich begleitet, gecoacht, unterstützt. Doch sobald der Wettbewerb beginnt, gilt strikte Trennung: «Während der Aufgabe darf ich nicht mit ihm reden. Wir haben pro Tag eine Viertelstunde Kommunikation, mehr nicht.» Fragen beantwortet ein deutschsprachiger Experte aus einem anderen Land, meist aus Österreich. «Das ist wichtig für die Fairness.» Die Unterschiede zu asiatischen Nationen seien frappant. «China, Thailand, Taiwan, Südkorea, die trainieren vier bis sechs Jahre für diesen Wettbewerb. Wir trainieren zehn Monate.»
Der Druck sei entsprechend hoch: «Für sie zählt fast nur Gold. Ohne Medaille bist du ein Loser. Wir sehen das anders.» Für die Schweizer stehe die Erfahrung im Vordergrund: «Das ganze Training bringt die jungen Berufsleute enorm weiter. Ob Gold oder Rang 54 – die Erfahrung nehmen sie trotzdem mit in die Betriebe zu den künftigen Arbeitgebern, was letztendlich für unsere Wirtschaft sehr nutzbringend ist.»
Schweissen als Knackpunkt
Eine Herausforderung ist das Schweissen. In der Schweiz gehört es nicht
Dominic Brügger bringt die Erfahrung eines ehemaligen Goldgewinners der SwissSkills 2023 ein und kennt die Unterschiede zwischen Schweizer und asiatischen Trainingsmethoden genau.
mehr zum Berufsbild der Polymechaniker, international aber schon. «Da haben wir vielleicht einen Nachteil. Wenn Björn das gut meistert, ist er voll im Rennen.» Eine wichtige Rolle spielt Dominic Brügger, ehemaliger SwissSkills-Goldgewinner. Er begleitet Ulrich im Training und reist ebenfalls nach Shanghai. «Er weiss genau, wie sich ein Wettkampf anfühlt. Das kann ich als Experte nicht gleich vermitteln. Das ist enorm wertvoll.» Zudem stärkt er das Team mit seiner Erfahrung und Motivation.
Ein eingespieltes SwissSkills-Team
Das Schweizer Team sei in den letzten Jahren nochmals professioneller geworden. «Wir sind eine eingeschweisste Truppe, 42 Experten, 42 Kandidaten, dazu der Staff. Es macht riesig Spass.» Für Allenbach ist die fünfte Teilnahme etwas Besonderes. «Es zeigt, wie wichtig gut ausgebildete Leute sind. Die Berufsbildung ist das, was der Welt wirklich hilft, nicht Papier, sondern Praxis.» Motivation schöpft er aus früheren Erfolgen: «Wenn man dreimal Kandidaten zu einer Medaille führen durfte, denkt man gerne daran zurück. Aber auch ohne Medaille ist es gut, wenn man sagen kann: Wir haben alles gegeben und nichts unversucht gelassen.»
Der Schweizermeister Dominic Brügger unterstützt
Dominic Brügger bringt die Erfahrung eines ehemaligen Goldgewinners der SwissSkills 2023 ein und kennt die Unterschiede zwischen Schweizer und asiatischen Trainingsmethoden genau. Er kennt typische Stolpersteine und weiss, wo Chancen entstehen. Über Monate hat er Björn Ulrichs Entwicklung begleitet, ihn immer wieder aus der Komfortzone geholt und ihm geholfen, mentale Stärke aufzubauen sowie in entscheidenden Momenten die Nerven zu behalten. Für Brügger beinhaltet seine Rolle die Weitergabe von Erfahrungen. «Björn soll von seinen eigenen Fehlern und Erfolgen profitieren.» Zudem bringt er Ruherituale für die Momente vor Wettkampfbeginn mit. Sein Wunsch für Shanghai ist es, dass Björn Ulrich mit einem guten Gefühl zurückkehrt, ob mit Medaille oder ohne.
Rituale, Vorfreude und Landjäger im Koffer
Vor dem Wettkampf pflegt das Team ein Ritual: «Am Abend ziehen wir Bilanz, am Morgen starten wir mit einem reinen Tisch.» Privat freut sich Allenbach auf die Eindrücke der Megastadt Shanghai und macht sich Gedanken über das Essen. «Ich bin ‹wunderlich›», sagt er lachend. «Ich nehme Schokolade und Landjäger mit, vakuumiert, damit sie nicht gefilzt werden.» Erfolg definiert Allenbach bewusst breit: «Wenn wir sagen können, wir haben alles probiert, Kandidat, Experte, Betrieb, Vorbereitung, dann sind wir zufrieden. Medaillen machen uns glücklich, aber ohne ist es auch gut.»
Botschaft an junge Berufsleute
«Macht eine Berufslehre», sagt Allenbach. «Das duale System ist Gold wert. Wenn man etwas gerne macht, macht man es gut und dann kommt SwissSkills fast von selbst.» Was er nach Shanghai als Erstes macht? «Ein gutes Schweizer Brot geniessen. Wir wissen gar nicht, was wir hier haben.» Und natürlich seine Familie: «Meine zweieinhalbjährige Tochter und meine Frau werde ich sehr vermissen.»



