Eigentlich ist er einfach aus der Monatszählung gerutscht, der Monat September. Bis zur römischen Kalenderreform des Jahres 153 vor Christus war er der siebte Monat des römischen Kalenders. Dies, weil das Jahr der alten römischen Republik Anfang März anfing. Und «septem» heisst auf Lateinisch sieben.
Die Zählweise, basierend auf dem Jahresbeginn im März, zeigt sich auch im Oktober («der Achte»), im November («der Neunte») und im Dezember («der Zehnte»).
Man könnte daraus schliessen, dass den Römern schlicht keine berühmte Persönlichkeit mehr einfiel, die für sich in Anspruch hätte nehmen können, dass die Zeitläufe nach ihr benannt würden. Julius Caesar («Juli») und Kaiser Augustus («August») waren die einzigen derart «Hochgelobten». Andere Kandidaten waren wohl eines Monats auf Dauer nicht würdig.
Das Durchzählen von Namen war bei den Römern aber auch schon fast eine Marotte: Da hiess der erste Sohn «schon mal Primus», also einfach «der Erste», der zweite «Secundus», der dritte «Tertius» und so weiter. Man war da nicht wählerisch.
Das Besondere des Monats September
Doch schauen wir etwas genauer hin. Zunächst ein Blick zurück: Im alten römischen Kalender entsprach der September dem etruskischen Monat «Celius» und war 29 Tage lang. Überhaupt hatten die Römer sehr viel mehr von den Etruskern – ihrer antiken Vorläuferzivilisation – übernommen, als sie es je zugaben. Berühmte Beispiele sind die Kultur der Wagenrennen und die vielen öffentlichen Feste.
Aus Schweizer Sicht ist besonders interessant, dass sich die letzte Phase der etruskischen Kultur, bevor sie ganz in der römischen und in Norditalien in der keltischen aufging, teilweise direkt «vor unserer Haustür» abgespielt hat: im heutigen Norditalien nämlich. Und man darf ein wenig rätseln, ob die letzten antiken Siedler des Binntals im Wallis Kelten oder sogar vielleicht sogar Etrusker waren? Bevor das idyllische Hochtal dann eventuell jahrhundertelang fast leer stand und schliesslich kurz vor der Jahrtausendwende von frühen Alemannen besiedelt wurde.
Auf jeden Fall wurde im Jahr 153 vor Christus der Jahresbeginn des römischen Amtsjahres auf den 1. Januar verlegt, weshalb der Monat September im Amtsjahr an die neunte Stelle rückte. Die Zählung ist dabei geblieben, «verrutscht» quasi. Nach der Kalenderreform des Gaius Iulius Caesar erfolgte im nach ihm benannten «julianischen Kalender» ab dem Jahr 45 vor Christus durch Einschub eines Zusatztages eine Verlängerung des Septembers auf 30 Tage. Doch ausser der vagen Erinnerung an die etruskischen Ursprünge des Monats September und seine Fest- und Feiertage: Was sind seine Besonderheiten?
Der September «gebar» römisches Theater und den Circus
Es ist wenig bekannt, dass schon in der römischen Kaiserzeit nach vorausgehenden neuntägigen Theaterspielen am 13. September das «Jupiter-Mahl», das «Epulum Jovis», ein Mahl aller Senatoren, stattfand und am 14. September die «Equorum probatio», eine Art Ritterehrung.
Die offiziellen Feiern gingen aber weiter: Die eigentlichen Zirkusspiele, die «Ludi Circenses» mit Wagenrennen, dauerten dann vom 15. bis zum 19. September. Dies stimmt zumindest für den Anfang der Kaiserzeit, kurz vor der Zeitenwende. Aber genau solche Dinge hatten die Römer zum Teil von den Etruskern übernommen.
September: Der Festmonat
Interessanterweise feierte man bereits zu Zeiten der Römer – und feiert auch noch heute – im September, was das Zeug hält. Einige wenige Beispiele: Im Römischen Reich des 4. Jahrhunderts gab es zu allen anderen schon bisher genannten Spielen die «Ludi Triumphales», die Triumphspiele, die jährlich vom 18. bis 22. September stattfanden, um an den Sieg Konstantins über Licinius bei Chrysopolis im Jahr 324 zu erinnern. Im Ergebnis feierte man im September fast drei Wochen lang.
Aber auch in der neueren Zeit strotzt der Monat September nur so von Festen und Feiertagen: In Liechtenstein ist Mariä Geburt am 8. September ein gesetzlicher Feiertag. In der deutschsprachigen Schweiz sind dann der Mauritiustag nicht nur im Kloster St-Maurice im Wallis selbst, sondern am 22. September teilweise auch im Kanton Appenzell Innerrhoden und das Bruderklausenfest am 25. September im Kanton Obwalden gesetzliche Feiertage.
Im französischsprachigen Kanton Genf ist der Donnerstag nach dem ersten Sonntag im September als Genfer Bettag ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag. In Deutschland ist – zweifelsfrei eine moderne Erfindung – seit 2019 der Weltkindertag am 20. September in Thüringen ein gesetzlicher Feiertag.
Und nicht zu vergessen: Paradoxerweise fängt in Bayern das Oktoberfest seit 1872 meist Ende September an. Doch auch manche Orte im Berner Oberland, Spiez voran mit dem Läset-Sunntig und dem Spiez Märit, feiern in diesem Monat.
Und fast hätten wir die demgegenüber nüchterne Tag-und-Nacht-Gleiche des Septembers vergessen: Dies ist der astronomischen Zeitpunkt, an dem die Sonne den Himmelsäquator überquert. Wissenschaftlich exakt ist dies im Jahr 2026 am 23. September der Fall. Nachdem heute am 1. September der meteorologische Herbst beginnt, fängt zur Tag- und-Nacht-Gleiche dann auch astronomisch der Herbst an.
Kurzum: Wir können vom Monat September auch in diesem Jahr einiges erwarten.



