Die Berner Alpkäsemeisterschaft 2026 fand erstmals im Rahmen der OHA in Thun statt, somit war auch das Publikum im Jurierungsbereich anwesend. 124 Käse wurden von einer erfahrenen Expertenjury beurteilt. Die eingereichten Käse überzeugten mit hoher Qualität. Ebenfalls eine Premiere: Das Publikum durfte seinen persönlichen Favoriten wählen.
Die diesjährige Berner Alpkäsemeisterschaft bot dem Berner Alp- und Hobelkäse AOP eine besondere Bühne. Insgesamt 124 Käse wurden in den verschiedenen Kategorien eingereicht und von der Expertenjury sorgfältig degustiert und beurteilt. Davon entfielen 37 Käse auf das Alpmutschli, 50 auf den Cœur des Alpes und 37 auf den Berner Hobelkäse AOP. Die Jurierung fand erstmals im Rahmen der OHA in Thun statt. Für die Besucherinnen und Besucher ergab sich dadurch die Möglichkeit, einen direkten Einblick in die Arbeit der Jury zu erhalten und mehr über die Herstellung und Herkunft des traditionellen Alpkäses zu erfahren. Gleichzeitig konnten sie die Vielfalt der Berner Alpen entdecken und verschiedene Käse degustieren. Das Interesse
Ausgezeichnet (v. l.): Ramon Forster und Peter Ryter (Saanen) von der Alp Mittenbach holen sich Rang 1 (Berner Alpkäse AOP); Christian Röthlisberger und Tanja Haldemann aus Boltigen holen den Rang 1 (Berner Hobelkäse AOP) mit ihrem Käse von der Wildeneggli; Rang 1 (Mutschli) für das Alpteam Latreyen (Aeschi), Sabine Neuenschwander, Thomas Steffen und Julia Witter von der Oberberg/Feld Latreyen. Andrea und Jürg Iseli (kniend) von der Rinderalp Abendberg in Zwieselberg gewinnen mit ihrem Berner Alpkäse den erstmals vergebenen Publikumspreis an der Alpkäsemeisterschaft. Stefan und Christa Sieber von der Alp Pfruend Senggi produzierten Käse live vor Ort.
war gross. Zahlreiche Gespräche und Begegnungen zeigten, dass regional produzierte Lebensmittel und das traditionelle Handwerk auf den Alpen beim Publikum auf grosses Interesse stossen.
Sehr hohes Qualitätsniveau
Nach der Jurierung zog die Expertenjury ein ausgesprochen positives Fazit. Juryobfrau Maike Oestreich zeigte sich mit den Leistungen der Produzentinnen und Produzenten sehr zufrieden. «Wir haben ein sehr eingespieltes Juryteam, das sehr professionell arbeitet. Gleichzeitig haben wir sehr viele tolle Käseproduzenten, die eine sehr gute Qualität liefern», sagte sie nach der Jurierung. Beurteilt wurden drei verschiedene Käsesorten aus unterschiedlichen Jahrgängen. Das Mutschli stammte aus dem Jahr 2026 und war entsprechend noch sehr frisch und kurz gereift. Der Cœur des Alpes wurde 2025 produziert. Beim Berner Hobelkäse wurden der Jahrgang 2024 und frühere beurteilt. Dadurch ergaben sich unterschiedliche geschmackliche Eindrücke, die einen Einblick in die vergangenen Alpsommer gaben. Besonders erfreulich war die hohe Qualität angesichts der teilweise anspruchsvollen Wetterbedingungen auf den Alpen. Hitze, Trockenheit und andere klimatische Einflüsse können die Produktion von Jahr zu Jahr beeinflussen. Umso schöner war es, dass zahlreiche Produzentinnen und Produzenten dank grossem Engagement, viel Erfahrung und grosser Leidenschaft eine konstant hohe Qualität erreichen konnten.
Konzentration trotz Publikum
Eine besondere Herausforderung war die offene Jurierung. Während die Jury arbeitete, konnten interessierte Besucherinnen und Besucher die Beurteilung mitverfolgen. Für die Juroren bedeutete dies, sich über mehrere Stunden hinweg trotz der Geräuschkulisse voll auf die sensorische Beurteilung zu konzentrieren. «Eine Jurierung ist auch ein mentaler Kraftakt. Permanente Konzentration ist enorm wichtig», erklärte Maike Oestreich. Der Besucherstrom wurde deshalb so gelenkt, dass zwischen Publikum und Jury eine gewisse Distanz bestehen blieb. Das habe sehr gut funktioniert.
Hans Wyssen aus Frutigen beurteilte Käse in der Kategorie Berner Hobelkäse AOP. Für ihn war die Situation mit Publikum zunächst ungewohnt. Grundsätzlich bevorzuge er eine ruhigere Umgebung, in der sich die Juroren besser untereinander austauschen können. Nach einer gewissen Zeit habe er das Umfeld jedoch kaum mehr wahrgenommen.
Eine ungewohnte Situation
Auch Hansueli Burri, der Alpkäse beurteilte, musste sich zuerst an die ungewohnte Situation gewöhnen. Mit zunehmender Konzentration blendete er die Geräuschkulisse jedoch weitgehend aus. Besonders positiv fiel ihm das ausgeglichene Leistungsniveau auf. Nach drei Bewertungsrunden seien noch sieben Käse praktisch gleichauf gewesen und mussten entsprechend genau rangiert werden. «Mir ist vor allem aufgefallen, dass wir praktisch keinen Käse hatten, der grobe Fehler hatte», sagte Burri. Die Qualität sei von Anfang bis Ende sehr ausgeglichen gewesen. Beim Berner Hobelkäse zeigte sich ein erfreuliches Bild. Vereinzelt stellte die Jury geschmacklich etwas zu bittere Käse fest. Insgesamt sei die Pflege der Käse jedoch sehr sorgfältig gewesen. Die Qualität habe von gut bis sehr vorzüglich gereicht.
Publikum wählte erstmals seinen Favoriten
Neben der Expertenjury durfte in diesem Jahr erstmals auch das Publikum seinen persönlichen Favoriten bestimmen. Zur Auswahl standen die zehn bestplatzierten Käse der Kategorie Cœur des Alpes.
Für die Organisatoren war der neue Publikumspreis besonders interessant. Denn der Geschmack des Publikums muss nicht zwingend mit der Einschätzung der Fachjury übereinstimmen. «Meistens wird dies anders beurteilt, als wenn Experten beurteilen. Und das ist das Spannende daran», erklärte Maike Oestreich. Tatsächlich fiel die Wahl des Publikums auf einen Käse, der bei der Expertenjury nicht ganz vorne lag. Zum Publikumsliebling wurde der Berner Alpkäse AOP von Andrea und Jürg Iseli von der Rinderalp Abendberg gewählt. Bei der Expertenjury erreichte ihr Käse den sechsten Rang. Der Unterschied zeigt, dass die Leistungen der zehn bestplatzierten Käse eng beieinanderlagen. Die Qualitätsunterschiede waren teilweise nur sehr gering. Umso spannender war es, dass das Publikum einen eigenen Favoriten bestimmen durfte.
Auszug Rangliste Frutigländer Kategorie Cœur des Alpes (Berner Alpkäse
AOP): 3. Stefan Schranz, Adelboden, Alp Lurnig. Kategorie Alpmutschli: 1. Alpteam Latreyen, Alp Latreyen. 2. Sandro Trachsel und Regula Oberli, Adelboden, Alp Chratzchumi.



