StartKurzmeldungDie Niere – ein lebenswichtiges Hochleistungsorgan

Die Niere – ein lebenswichtiges Hochleistungsorgan

Den ganzen Tag lang Schwerarbeit leisten, Blut filtern, Abbauprodukte und Giftstoffe ausscheiden und Körperfunktionen im Gleichgewicht halten. Die Nieren erfüllen lebenswichtige Aufgaben. Erkranken sie, beeinflusst dies wichtige Vorgänge im Körper. Gleichzeitig können chronische Erkrankungen zu bleibenden Störungen der normalen Nierenfunktion führen.

Die Nieren sind nicht nur Ausscheidungsorgane von Stoffwechselprodukten, Wasser und Mineralsalzen. Sie halten auch den Salzsowie den Säure-BasenHaushalt im Gleichgewicht, regulieren den Blutdruck und das Blutvolumen, aktivieren Vitamin D, sie produzieren Hormone und bei Bedarf Zucker. Die konstant hohe Durchblutung ist die wichtigste Voraussetzung, damit die Entgiftung und Reinigung zuverlässig laufen. Etwa 20 Prozent des Herzzeitvolumens von fünf Liter pro Minute (in Ruhe) durchströmen das Nierengewebe. Gemessen an ihrer Grösse ist sie das best durchblutete Organ des Körpers.

Welche Aufgaben erfüllen die Nieren?

Die Nieren sind die «Kläranlagen» des Körpers. Sie filtern Abfallprodukte des Stoffwechsels, Medikamente, Giftstoffe sowie überschüssige Substanzen aus dem Blut und scheiden sie über den Harn aus. Sie regulieren den Wasserhaushalt und steuern so das Blutvolumen und den Blutdruck. Wird mehr Wasser ausgeschieden, sinkt der Blutdruck und über die Bildung von Renin, einem Gewebshormon, wird er erhöht. Beide Mechanismen bieten Angriffspunkte für viele Blutdrucksenker. Zudem produzieren sie wichtige Hormone: Erythropoietin für die Bildung roter Blutkörperchen, das Stresshormon Cortisol zur Mobilisierung von Energie und mit der Aktivierung von Vitamin D sorgen sie für die Regulierung des Kalziumhaushalts.

Zu guter Letzt überwachen die Nieren auch den Energiestoffwechsel. Sinkt der Blutzuckerspiegel, können sie selber Zucker produzieren und ins Blut abgeben.

Beeindruckende Leistungen rund um die Uhr

1500 bis 1800 Liter Blut durchströmen täglich die Nieren und pro Minute filtern sie 120 ml Primärharn ab. Dies ergibt alle acht Minuten einen Liter und pro Tag etwa 170 Liter, unabhängig davon, ob der Körper ruht oder aktiv ist. Die Nieren regulieren ihre Durchblutung völlig autonom, um die Filtration konstant zu halten und gewinnen 99 Prozent der filtrierten Flüssigkeit sowie wichtige Mineralsalze wieder zurück. Eine lebenswichtige Leistung, denn lediglich ein bis zwei Liter Harn werden täglich als Urin ausgeschieden. Verantwortlich dafür sind ungefähr eine Million Nierenkämmerchen (Nephrone), die mikroskopisch kleinen funktionellen Einheiten der Nieren. Das Geheimnis ihrer Leistungsfähigkeit liegt in ihrem äusserst kompakten und ausgeklügelten Bau.

Nephrone – Hochleistungsfilter im Mikroformat

Die winzigen Filtereinheiten (Grösse 0,2–0,3 Millimeter) bestehen aus einem Nierenkörperchen (Glomerulus) und den anschliessenden Harnkanälchen (Tubuli). Die knäuelartig gewundene Struktur eines Nephrons entspricht einem ultradünnen Faden von drei bis vier Zentimeter Länge. Im Nierenkörperchen findet die Filtration statt und bei der Passage des Primärharns durch die langen Harnkanälchen werden Wasser sowie Salze zurückgewonnen, während Abbauprodukte, Giftstoffe sowie nicht benötigte Substanzen in den Harn gelangen.

Was macht sie so effizient? Entscheidend sind einerseits die riesige Gesamtlänge der mikroskopisch dünnen Gefässe und Kanälchen (insgesamt 30–40 Kilometer), andererseits ihre enge gegenseitige Nähe. Die große Oberfläche in den Tubuli bietet auf kleinstem Raum viel Platz für den Flüssigkeits- und Stoffaustausch. Ein Urologe beschreibt es treffend: «Ohne die Länge wäre die Resorptionsleistung der Nieren nicht möglich.»

Wasser und Salze zurückgewinnen – das Prinzip des Gegenstroms

Damit der Körper nicht austrocknet, gewinnen die Nieren den grössten Teil der abfiltrierten Flüssigkeit sowie die wichtigen Mineralstoffe zurück.

Bei der haarnadelförmigen Anordnung der feinen Tubuli ist der absteigende Abschnitt der Kanälchen wasserdurchlässig, während der gegenüberliegende, aufsteigende Teil wasserundurchlässig ist. Diese U-förmige Anlage ist der Schlüssel zur Rückgewinnung von Wasser aus dem Filtrat und der Motor dazu sind Salzpumpen in den Gefässwänden. Sie fördern unter Energieaufwand Natrium aus den Kanälchen heraus. Damit steigt die Salzkonzentration im umliegenden Gewebe. Die entstehende Konzentrationsdifferenz zieht Wasser ohne Energie verbrauch aus den Kanälchen nach (osmotischer Effekt, siehe Kasten) und bleibt dem Körper erhalten. Kurz bevor der Harn das Sammelrohr zum Nierenbecken erreicht, messen spezialisierte Zellen den Salzgehalt und je nach Konzentration drosseln oder steigern die Nieren ihre Leistung.

Erkrankungen der Nieren bleiben oft lange unbemerkt

Gesunde Nieren halten viele Funktionen im Körper im Gleichgewicht. Auf Störungen reagieren sie empfindlich und weil viele Nierenerkrankungen schleichend verlaufen, bleiben diese oft lange unbemerkt. Wer an zu hohem Blutdruck oder Diabetes leidet, sollte die Nierenfunktion gut im Auge behalten und seine Blut- und Urinwerte beim Arzt regelmäs sig kontrollieren lassen. Einfache Labortests geben Hinweise, wie gut die Nieren arbeiten oder ob eine schleichende Veränderung vorliegt.

In frühen Stadien zeigen sich tückischerweise keine typischen Symptome und sobald Müdigkeit und Schwäche, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, Atembeschwerden oder verändertes Wasserlassen auftreten, ist die Funktion bereits eingeschränkt. «Etwa jede zehnte Person in der Schweiz hat eine Nierenkrankheit, doch rund 90 Prozent wissen nichts davon», konstatiert Professor Oliver Bonny, Präsident der Schweizer Nierenstiftung. «Eine Früherkennung ist daher zentral, denn je früher behandelt wird, desto besser lässt sich das Fortschreiten bremsen.» Wiederholte Nierenbeckenentzündungen können zu ernsten Einschränkungen der Nierenleistung führen. Gerade bei Frauen begünstigt die kurze Harnröhre aufsteigende Infekte bis ins Nierenbecken. Bei chronischen Fällen ist ein Schmerz im unteren Rückenbereich (Flankenschmerz) oft ein erstes Zeichen und im Gegensatz zu einer Blasenentzündung fehlen die auffälligen Symptome wie häufiges Wasserlösen und Brennen.

BEAT INNIGER, OFFIZIN-APOTHEKER FPH, ADELBODEN

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