StartKurzmeldungKOLUMNE – KLEINE GEDANKEN ZUR GROSSEN ZEIT Das «Dollar-Fussball-Spiel»

KOLUMNE – KLEINE GEDANKEN ZUR GROSSEN ZEIT Das «Dollar-Fussball-Spiel»

Ich sage es offen und ehrlich: Ich mag ihn nicht. Auch wenn er im Moment nicht mehr so oft in den Medien erscheint. Aber immer, wenn ich ihn während der Fussball-WM sah, wirkte er auf mich unsympathisch. Zwar hat Gianni Infantino eine unglaublich erfolgreiche Karriere gemacht. Wer es als Briger Jus-Student zum mächtigsten Sportfunktionär der Welt schafft, hat auch von mir Achtung verdient. Und er hat das Werk seines Vorgängers Sepp Blatter mit Erfolg weiterentwickelt. Das Fussballspiel als ganz grosses Geschäftsmodell. Das Fussballspiel als «Dollar-Fussball-Spiel». Ich habe mich gefragt: Wie gelang es vor allem Sepp Blatter und nun auch Gianni Infantino dieses Spiel so zu gestalten, dass Milliarden von Menschen dieses Spiel verfolgen? Und so die FIFA vergolden. Ich sehe folgende Aspekte, die Sepp Blatter erkannt und konsequent umgesetzt hat: 1. Fussball ist – mit Ausnahme der Offside-Regel – ein Spiel mit einfachen Regeln. Jede und jeder kann es überall spielen. Deshalb wurde das Spiel weltweit zur meistgespielten Sportart. 2. Menschen wollen und brauchen Emotionen. Deshalb zeigen FIFA-Kameras jubelnde Männer bei einem Goal und Tränen bei den Verlierern. In keiner anderen Sportart werden die Emotionen so klar dargestellt. Das bringt TV-Quote. 3. Die FIFA-Regie präsentiert uns das Spiel am TV fast immer aus einem optimalen Blickwinkel. Nämlich von oben. So haben wir die Übersicht und sind gegenüber den Spielern auf dem Feld im Vorteil. Würden nur Kameras unten auf Augenhöhe der Spieler eingesetzt, wäre die Quote im Eimer. So wurden übrigens auch die VIP-Logen oben gebaut. Man will die Übersicht haben. Sepp Blatter und nun Gianni Infantino haben all diese und viele andere Aspekte geschickt genutzt und so aus der FIFA eine Geldmaschine und aus der WM eine grosse Show gemacht. Leider ging Gianni Infantinos Gier nach Geld nach dieser WM weiter: Er wollte Teile der WM an Investoren verkaufen. Wäre er erfolgreich gewesen, so hätten wir dann wahrscheinlich «Coca-ColaGoals», «Mastercard-Eckbälle», «FlyEmirates-Schwalben» und «McDonalds-Elfmeter» gesehen. Zum Glück ist er mit dieser idiotischen Idee gescheitert. Während ich diese Zeilen schreibe, ist es unklar, wie es mit ihm weitergeht. Sicher ist: Er hat sich grosskotzig verspekuliert und muss nun im Frühling 2027 um seine Wiederwahl zittern.

Anscheinend bin ich nicht der Einzige, der ihn nicht mag.

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