StartKurzmeldungEin grosses Problem waren die Schaulustigen

Ein grosses Problem waren die Schaulustigen

Ueli Luginbühl, Präsident der Alpweggenossenschaft Gornerengrund-Kiental, erinnert sich an die Gewitternacht. Er nutzte den Fährdienst der Pontoniere aus Thun, damit er seine beiden Betriebe bewirtschaften konnte.

Ueli Luginbühl war am 19. Juli 1972 auf der Alp Gorneren. Dort merkte er nicht, dass auf der Tschingelalp nach dem heftigen Gewitter ein See entstanden war. Der damals junge Landwirt fuhr täglich von der Alp Gorneren nach Aeschi, um bei seinem Talbetrieb Heu einzubringen. Er nahm auch die Milch zur Verarbeitung mit ins Tal. Am 18. Juli 1972 abends fuhr er, wohl als Letzter, auf der Strasse durch viel Wasser zurück auf die Alp. Am andern Morgen schaute er Richtung Kiental und sah, dass ein See entstanden war. Ein Durchkommen war nicht mehr möglich. Er brachte seine Milch an den Steinenberg, damit sie dort zu Käse verarbeitet werden konnte. Kurz darauf leisteten Pontoniere aus Thun Hilfe. Zwei Schiffe wurden zusammengebunden und mit einer Holzpritsche versehen. So entstand eine Fähre. 400 Feriengäste und 60 Autos wurden evakuiert und Lebensmittel ins abgeschnittene Gebiet transportiert. Auch Ueli Luginbühl nutzte den Fährdienst, um seine Milch ins Tal zu bringen.

Mit Baggern wurde Schutt aus dem Bett der Kiene entfernt und so ein Abfluss geschaffen. Am Hang längs des Sees wurde ein Fussweg gebaut, der nur mit gutem Schuhwerk begangen werden konnte. Ein echtes Problem waren die Schaulustigen. Ueli Luginbühl sah sogar Autos mit Tessiner Nummernschilder. Zuerst durften die Touristen bis nach Kiental fahren und gelangten anschlies send zu Fuss zum Tschingelsee. Die Strassen waren jedoch von parkierten Autos so verstopft, dass es für die einheimische Bevölkerung kein Durchkommen mehr gab. Deshalb stoppte man später die Neugierigen bereits in Reichenbach.

Heute ist der Tschingelsee fast nicht mehr vorhanden. Vom Gamchigletscher bringt der Gornerenbach jährlich rund 200 Kubikmeter Geschiebematerial, welches im See abgelagert wird und zu dessen Verlandung führt.

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