Mit einer Gesamtnote von 5,5 schloss der Reichenbacher Tim Streun seine Ausbildung zum Plattenleger EFZ ab. Der 18-Jährige arbeitet bei der Brügger Keramik AG in Frutigen, wo Geschäftsführer Reto Brügger sowie die Ausbildner Marvin Ehlers, Michael Beetschen und Marco Fluri ihn durch die Lehrjahre begleiteten.
Tim Streun setzte sich bereits in der siebten Klasse mit möglichen Lehrberufen auseinander. Er wusste früh, dass ein Bürojob für ihn nicht infrage kam. Beim Schnuppern probierte er verschiedene Berufe aus: Maurer, Elektriker, Strassenbauer. Und fand schliesslich den Zugang zum Plattenlegerhandwerk. Sein Götti, selbst Plattenleger, brachte ihn auf diese Spur und empfahl ihm, bei Reto Brügger in Frutigen vorbeizuschauen. Dort fand Streun ein vielfältiges Handwerk und ein Team, das ihn sofort integrierte. Schon früh zeigte sich, dass der 18-Jährige ein aussergewöhnliches Talent besass. In den überbetrieblichen Kursen arbeitete Tim Streun oft schneller als andere Lernende und erhielt teilweise zusätzliche Aufgaben, weil er den regulären Stoff bereits erledigt hatte. Bereits im ersten Lehrjahr durfte er sein erstes Badezimmer selbstständig plätteln, unter Aufsicht seines Lehrmeisters, aber mit viel Vertrauen. Diese frühe Verantwortung gab ihm Sicherheit im Umgang mit Material und Technik.
Abschlussprüfung mit Fragezeichen
Am letzten Tag der Abschlussprüfung war Streun alles andere als sicher. «Ich wusste genau, wo ich Fehler gemacht hatte, und hatte kurzzeitig sogar Angst, nicht zu bestehen. Die Fehler waren nicht gravierend, und am Ende stand die starke Gesamtnote von 5,5.» Im praktischen Teil erreichte er eine 5,3, womit er zu den besten Praktikern seines Jahrgangs gehörte. Als er seine Resultate erfuhr, war er zunächst überrascht und brauchte einen Moment, um die Leistung einzuordnen. Besonders wichtig waren für den Lernenden drei Personen: Michael Beetschen, mit dem er am meisten auf Baustellen unterwegs gewesen war, Marvin Ehlers, sein Berufsbildner, und Reto Brügger, der ihm die Chance zur Lehre gegeben hatte. Jedoch hatte Streun auch mit anderen Mitarbeitern immer wieder zusammengearbeitet. Sie zeigten ihm, wie der Alltag auf dem Bau funktionierte, gaben ihm Tipps und unterstützten ihn in seiner Entwicklung. Er betont, wie glücklich er gewesen sei, seine Lehre bei der Brügger Keramik AG absolvieren zu dürfen.
Lob von höchster Stelle
Marco Fluri, stellvertretender Geschäftsführer, würdigte Streuns Entwicklung und seine Persönlichkeit: «Tim zeichnet sich durch seine sehr genaue und sorgfältige Arbeitsweise aus. Er war motiviert, lösungsorientiert und gibt bei anspruchsvollen Aufgaben nicht so schnell auf. Besonders schätzen wir seine kollegiale und humorvolle Art.» Er sei ein echter Teamplayer und sorge mit seiner positiven Einstellung für gute Stimmung im Team. Durch seinen starken Willen, seinen sportlichen Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit setze er sich hohe Ziele und verfolge diese konsequent. «Wir sind stolz auf seine hervorragende Abschlussprüfung und freuen uns sehr, dass er nun an den Schweizermeisterschaften teilnehmen darf. Gleichzeitig schätzten wir es sehr, dass Tim weiterhin bei Brügger Keramik AG tätig bleibt und wir ihn auf seinem weiteren beruflichen Weg begleiten, fördern und weiterbringen dürfen.»
Was bleibt von der Lehrzeit in Erinnerung?
Besonders in Erinnerung blieb Tim Streun die Baustelle auf dem Weisshorn an der Lenk auf rund 3000 Metern Höhe. Dort arbeitete er an einer Küche und zwei Badezimmern. «Die Tage begannen früh, die Anfahrt war lang und die Bedingungen anspruchsvoll. Die Zeit war eine besondere Erfahrung, geprägt von Teamgeist, Humor und dem Gefühl, gemeinsam etwas Aussergewöhnliches geschaffen zu haben», so Streun.
Was einen guten Plattenleger ausmacht
Für Streun ist klar: «Ein guter Plattenleger muss genau arbeiten. Präzision und Sorgfalt sind entscheidend, besonders bei anspruchsvollen Böden oder Mosaikarbeiten.» Er selbst bezeichnet seine Stärken als freundlich, chaotisch und ehrgeizig. Eigenschaften, die ihm halfen, Herausforderungen in der Ausbildung anzupacken und stets das Beste zu geben.
Zukunftspläne: SwissSkills und irgendwann eine eigene Firma
Streun plant, im kommenden Jahr an den SwissSkills teilzunehmen. Der Wunsch, einmal eine eigene Firma zu führen, steht für die Zukunft im Raum. Büroarbeit mag er zwar nicht besonders, doch die Vorstellung, etwas Eigenes aufzubauen, motiviert ihn. Vorerst bleibt er bei Brügger Keramik AG und will dort weitere Erfahrung sammeln.
Neben der Arbeit ist er im Turnverein Reichenbach aktiv, geht ins Fitnessstudio und fährt gerne Rennrad. Streun empfiehlt jungen Menschen, die eine handwerkliche Lehre beginnen wollen, bereit zu sein, sich die Hände dreckig zu machen. «Wer das, was er tut, gerne macht, hat gute Chancen, erfolgreich zu sein. Körperliche Fitness ist ebenfalls wichtig.» Sein Erfolgsrezept lautet: einfach machen, ausprobieren und, wenn etwas nicht gelingt, beim nächsten Mal mehr Einsatz zeigen. Für Streun ist Plattenlegen mehr als ein Job. Er liebt es, ein leeres Badezimmer zu sehen und zwei Wochen später ein fertiges, schönes Objekt vor sich zu haben. «Die sichtbare Veränderung und das Ergebnis meiner Arbeit motivieren mich täglich. Am Schluss sollte es dem Kunden gefallen, das ist für mich das Wichtigste.»
Info: Gestern Abend ehrte der Handwerker- und Gewerbeverein Frutigen beim Fyrabe-Aperitif die erfolgreichen Lernenden des «Frutiggwärb». Tim Streun war einer davon.



