Mittwochvormittag, Turnhalle Adelboden: An 20 Ständen stellen junge Berufsleute ihre verschiedenen Berufe vor. Zu Besuch sind die Mädchen und Jungs der Adelbodner Oberstufe. Sie informieren sich heute darüber, welche Lehrbetriebe es im Dorf gibt und lernen vielleicht schon zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Vorgesetzte kennen. Mitten im Geschehen sind auch Melissa, Rafaela und Melina.
Die Schülerinnen Melissa, Rafaela und Melina stehen vor dem Chalet-CoiffeurStand in der Adelbodner Turnhalle und hören gespannt der Coiffeuse Laura Inniger zu. «Das Schrägste, was ich je erlebt habe, war, dass ein Schnupperlehrling ein Schöggeli geklaut hat», erzählt Laura Inniger und sieht die Mädchen an. Vor ihnen liegen Lehrlingsbücher, Ausbildungsmaterial wie die Farbpaletten, welche die Coiffeure benutzen, und Werbeartikel mit dem Aufdruck «Hairfluencerin». Melissa stellt ihre vorbereiteten Fragen – aber wie sieht ihre Vorstellung in ihrer aktuellen Berufswahlsituation aus?
Melissas Traum ist die Bühne
Wenn es einen direkten Weg gäbe, würde Melissa gerne Bühnentänzerin werden. «Wenn das aber nicht klappen sollte, dann käme für mich auch noch Medizinische Praxisassistentin in Frage, damit ich danach die Polizeischule machen kann, um Polizistin zu werden», sagt Melissa. Aufgrund ihrer Ungewissheit wird sie nächstes Jahr das zehnte Schuljahr absolvieren. Es ginge sehr schnell voran, ein bisschen zu schnell, meint sie. Dank dieser Zwischenlösung habe sie noch mehr Zeit, um zu schnuppern, bis sie sich ihres Weges sicher ist. «Ich gehe zwar gerne in die Schule und mir macht das zehnte Schuljahr nichts aus. Ich wollte mal Ärztin werden, aber als ich sah, wie lange ich dafür noch in die Schule müsste, hat es mir dann doch abgelöscht, denn so gerne gehe ich auch wieder nicht zur Schule», sagt Melissa, wenn sie auf ihre Entwicklung zurückblickt und sieht, wo sie anfangs ihrer Berufswahl noch stand. Deshalb erhofft sie sich, dass sie am Berufswahlvormittag noch mehreren Berufen begegnet, die sie interessieren könnten.
Rafaela mit Fragezeichen
«Als Realschülerin ist es scheinbar schwieriger, eine kaufmännische Lehrstelle zu bekommen, als wenn ich eine Sekundarschülerin wäre», anwortet Rafaela im Interview auf die Frage, warum sie ihre KV-Lehrstelle nicht schon nächsten Sommer starten könne? Deswegen wird auch sie das zehnte Schuljahr anstreben. Dazu wird sie während dieser Zeit an mehreren Orten schnuppern gehen und so herausfinden, welche Lehrstelle ihr gefallen würde. Für die Zeit nach der Ausbildung hat Rafaela bereits konkrete Pläne: «Ich möchte Marketingangestellte werden, dies kann ich aber nicht ohne die kaufmännische Grundbildung und muss so diese Grundbildung anstreben.»
Melina mit Spritze und Skalpell
Melina hingegen will «weiter schnuppern, aber die Bewerbung ist fast schon parat» – beim Beruf Pflegefachfrau ist sie sich sicher, dass er zu ihr passt. «Ich will auch kein Zwischenjahr machen oder weiter die Schule besuchen, denn ich bin mir sicher, dass ich eine Lehrstelle im Gesundheitsbereich finde und habe auch keinen Plan B auf Lager», meint Melina. Zielstrebig und mit einem klaren Fokus will sie deshalb auch am heutigen Berufswahlvormittag mehr über ihren Wunschberuf erfahren und noch mehr Details herausfiltern.
Ausprobieren und anpacken an den verschiedenen Ständen
Nach dem haarigen Beruf am Stand der Coiffeuse geht es weiter zur Drogistin. Dort können zwei der drei Mädchen ihr Feingefühl am Stand der Erlebnisdrogerie Adelboden testen: Das Zusammenstellen eines Nasenstifts, dies unter der Anweisung von Sara Allenbach, ausgelernte Drogistin. Vorsichtig beschnuppern Rafaela und Melina die verschiedenen ätherischen Öle, füllen diese dann in den Behälter, Pad rein, Deckel drauf – und fertig. Ein praktisches Gadget für die kommenden kühleren Monate. Noch mehr Interesse zeigen die drei Mädchen aber an den gesundheitlichen Berufen. Rege arbeiten sie den Fragebogen ab und dürfen danach auch selbst Hand anlegen. «Wer möchte wem den Blutdruck messen?» fragt die Pflegeangestellte Vik-
Alle Jahre wieder
Der Berufswahlvormittag findet jährlich statt, organisiert vom HGV Adelboden. Dieses Jahr haben 20 Lehrbetriebe aus Adelboden ihre Berufe vorgestellt.
toria Dombi. Melissa setzt sich auf den Stuhl, und mit Hilfe von Viktoria Dombi zieht Melina den Arm von Melissa in die Blutdruckmanschette. Es gilt ernst: konzetrieren, ruhig atem und stillhalten – Melina misst Melissas Blutdruck nach ursprünglicher Methode mit einer Druckanzeige und dem Stethoskop. «Heute mit dem automatischen Blutdruckmessgerät geht alles schon einfacher», sagt eine Pflegefachfrau links nebenan. Direkt fünf Stände weiter befindet sich eine Präsentation von Seilbahnseilen der Adelbodner Bergbahnen. Erstaunlich sei, dass pro Jahrgang auch immer drei bis fünf Mädchen die Ausbildung zur Seilbahnmechatronikerin beginnen und meistens zu den besten Lehrabgängerinnen gehören, meint der Berufsbildner der Adelboden Lenk Bergbahnen, Peter Ziörjen. Dies war ein Fakt, welchen keine der drei Schülerinnen erwartet hätte. Sie orientieren sich eher in anderen Bereichen in ihrer Berufswahl. Statt auf Handwerk und luftige Höhen setzten die drei Oberstufenschülerinnen auf festen Boden unter den Füssen.



