Heute ist die Nacht der Sterne. Eine Aktion macht aufmerksam auf die schwindende Dunkelheit in besiedelten Gebieten und die zunehmende Problematik für Natur und Mensch. Wo liegen die Probleme und macht so eine Aktion überhaupt Sinn, wenn die Lichter trotzdem eingeschaltet bleiben?
Hält die Dämmerung Einzug, gehen die Lichter an. Strassenlaternen, Schaufenster, Logos, beleuchtete Gebäudefassaden und dekorative Leuchtmittel in Gärten machen jedoch Mensch und Tier mitunter zu schaffen.
Das fängt schon bei den Kleinsten an. Bis zu 150 Insekten sterben in einer Sommernacht an einer einzigen Strassenlaterne, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schreibt. Und: Zwischen 1993 und 2020 haben sich die nach oben gerichteten Lichtemissionen mehr als verdoppelt. Im Mittelland sucht man bereits seit 1996 vergeblich nach einem Quadratkilometer Nachtdunkelheit.
Folgen für die Tierwelt
Bei den Glühwürmchen ist es das Weibchen, das mit seinem leuchtenden Hinterteil Männchen für die Paarung an locken will. Ist die Umgebung dauerhaft beleuchtet, geht das Leuchten des Weibchens unter. Gehen die Paarungen zurück, nimmt die Glühwürmchenpopulation immer mehr ab.
Auch für Vögel ist die Beleuchtung problematisch: Die Folgen reichen von räumlicher Orientierungslosigkeit bis zum Aufstehen und Singen zur falschen Zeit. Zu viel Helligkeit ist ebenso am Seeufer ein Problem: Zooplankton – winzig kleine Tierchen, die sich von Algen ernähren und selbst wichtiges Futter für Fische darstellen – steigt bei Dunkelheit an die Wasseroberfläche auf. Bleibt es hell, wird dieser Zyklus unterbrochen.
Licht stört Bestäubung
Die Biologin Eva Knop untersuchte mit einer Forschungsgruppe die Bestäubung von unbewirtschafteten Flächen im Gantrisch und Diemtigtal, wo die Naturpärke noch relativ dunkel sind. 2017 kamen sie zum Ergebnis, dass künstliches Licht nachtaktive Insekten beim Bestäuben von Pflanzen stört. Sie stellten fest, dass fast 300 Insektenarten rund 60 Pflanzenarten «bearbeiteten», allerdings nur, wenn kein künstliches Licht sie störte.
Bei Flächen, auf denen zu Testzwecken Strassenleuchten aufgestellt wurden, gingen die Bestäubungen um 62 Prozent zurück, so das Bafu. Auch die Farbe des Lichts ist relevant. Viele Leuchten haben einen hohen, kurzwelligen Blauanteil. Dadurch steigt die Blendwirkung, das Licht streut mehr und beeinflusst etwa Insekten stärker. Gleichzeitig wurden auch Auswirkungen auf den menschlichen Hormonhaushalt festgestellt.
Nacht der Sterne ohne Lichterlöschen
Spiez beteiligt sich zum dritten Mal an der Sensibilisierungsaktion der Energieregion Thun. Aus Sicherheitsgründen bleibt die Strassenbeleuchtung jedoch eingeschaltet. Die Gemeinde ruft trotzdem dazu auf, dass Privathaushalte ihren Lichtverbrauch kritisch hinterfragen und, wo möglich, reduzieren.



