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Talhebammen goes «Hollywood»

Natürlich ist es nicht grad Hollywood, aber die Talhebammen spielen eine Hauptrolle in einem Dokumentarfilm, der kommenden Montagabend auf SRF 1 ausgestrahlt wird. Entstanden ist der Film aus einer dreiteiligen Serie der Sendung «Puls» mit dem Titel «Mit Leib und Seele – Wege aus der Gesundheitskrise». Der «Frutigländer» hat mit Filmemacher Joël Baumann gesprochen und wollte wissen, wie er die Dreharbeiten mit den Talhebammen erlebt hat.

Die dreiteilige «Puls»-Serie begleitet nebst den fünf Talhebammen Lidije Berisha, Vera Boss, Michelle Trachsel, Ilona Bürklin und Anita Germann auch eine Hausärztin und zwei Pflegefachpersonen in ihrem Berufsalltag. Dieser ist geprägt von Fachkräftemangel, wachsendem Druck und persönlichen Herausforderungen. Die beiden Filmemacher Joël Baumann und Manuela Morgenthaler haben die Protagonistinnen intensiv begleitet und dokumentiert, wie sie Wege aus der Krise nicht nur finden, sondern aktiv selbst mitgestalten.

Während Manuela Morgenthaler die beiden Pflegefachpersonen begleitet hat, war Joël Baumann mit seiner VJ-Kamera während mehrerer Drehtage und über Monate hinweg mit der Hausärztin und mit den Frutigländer Talhebammen unterwegs.

«Frutigländer»: Der Film trägt den Titel «Mit Leib und Seele – Wege aus der Gesund heitskrise». Was ist die Essenz der Ge schichte? Joël Baumann: Wir wollten eine Dokumentarserie realisieren, in der wir uns dem Gesundheitspersonal widmen und dabei die Grundversorgung genauer betrachten. Unser Ziel war es, Personen in herausfordernden Umgebungen zu zeigen, die ins Handeln kommen, aktiv werden und nicht einfach in der schwierigen Situation verharren. Da war es natürlich spannend zu erleben, wie die fünf Talhebammen ein neues Modell entwickeln, wie sie etwas Neues aufbauen. Diese Eigeninitiative war beeindruckend.

Wie sind Sie auf die Talhebammen gestos sen? Mir war bereits bekannt, dass die Geburtenabteilung in Frutigen Anfang 2025 geschlossen wurde. Als ich in einem Zeitungsartikel über das Projekt der Talhebammen gelesen habe, rief ich sie an und bin auf grosse Offenheit gestossen. Dieser erste Anruf war ungefähr im Dezember 2025. Die erste Begegnung war noch ohne Kamera, es ging darum, sich gegenseitig kennenzulernen. Wir haben uns auf der Baustelle getroffen, es sah noch nicht nach einer Hebammenpraxis aus. Überall ragten Schläuche raus, am Boden war die Markierung zu sehen, wo die Badewanne hinkommen soll. Ich habe mich sehr gefreut, dass sich die Auf Schritt und Tritt dabei: Joël Baumann durfte die Hebammen in ihrem Alltag begleiten. Joël Baumann: «Das Auto war immer bereit, die Kameraakkus geladen.»

Hebammen nach diesem Treffen entschieden haben, bei den Dreharbeiten mitzuwirken, da es ja auch für sie einen grossen Aufwand bedeutete.

Die Talhebammen, das sind fünf ganz unter schiedliche Frauen. Sie haben sie bereits zu einer Zeit begleitet, als die Finanzierung teilweise noch ungewiss, die Praxis noch eine Baustelle war. Ging dies immer harmo nisch zu und her? Ich habe ein sehr eingespieltes Team erlebt, fünf Frauen, die sich schon lange kennen und einen schwierigen Moment wie die Schliessung der Geburtenabteilung gemeinsam durchlebt haben. Ich spürte, dass dies die Hebammen sehr eng zusammengeschweisst hat, sie haben immer an einem Strang gezogen. Ich habe als Filmer auch mitbekommen, dass sie unterschiedlich funktionieren und sich sehr gut ergänzen. Michelle Trachsel war bei der Bauphase zum Beispiel eher für die Inneneinrichtung zuständig, Ilona Bürklin für Social Media, Anita Germann hat sich der Kommunikation gewidmet und Texte verfasst, Lidije Berisha hat alle als Team zusammengehalten. Jede hat ihre Fähigkeiten mit eingebracht. Obwohl es eine sehr herausfordernde Zeit für alle fünf Hebammen war, habe ich nie Spannungen erlebt. Im Gegenteil, die Frauen haben immer viel Humor gezeigt. Ich denke, dieser Humor hat ihnen geholfen, ein solches Projekt überhaupt aus dem Boden zu stampfen.

Sie waren über mehrere Monate mit Ihrer Kamera immer wieder an der Seite der Heb ammen unterwegs – wie haben Sie die An fänge des Projektes erlebt? Beim ersten Drehtag im Februar war das Crowdfunding bereits abgeschlossen. Die Frauen wussten, sie können die Praxis realisieren, aber es waren noch nicht alle finanziellen Fragen geklärt. Ich durfte sie begleiten, als sie den Gemeinden ihr Projekt vorstellen konnten, in der Hoffnung, auch von dieser Seite finanzielle Unterstützung zu erfahren. Es war sehr spannend zu erleben, wie die Hebammen in einer solchen Umgebung auftreten, mit welchen Fragen sie konfrontiert werden, wie sie ihr Projekt, ihr «Baby» präsentieren.

Die Szenen mit den Hebammen leben auch von intimen Einblicken, von Nähe. Dafür braucht es grosses gegenseitiges Ver trauen. Wie sind Sie vorgegangen? Ich durfte die Hebammen in vielen verschiedenen Situationen begleiten. Zum Beispiel bei einem Wochenbettbesuch im Gasterntal bis hin zu einer Geburt. Es waren immer wieder sehr intime Momente, bei denen mir viel Offenheit entgegengebracht wurde. Die Hebammen haben die Familien und Frauen jeweils vorab angefragt. Sicher half es auch, dass ich alleine mit meiner VJ-Kamera gefilmt habe und kein grosses Team dabei war. Je intimer die Situation, desto genauer haben wir vorher abgesprochen, was möglich ist und was nicht.

Dabei mussten Ihnen nicht nur die Hebam men vertrauen, sondern auch die Familien, die Sie gefilmt haben. Woher kam Ihrer Mei nung nach diese Bereitschaft, so tiefe Ein blicke zu gewähren? Ein wichtiger Punkt ist sicher, dass diese Frauen und Familien mitgemacht haben, um die fünf Talhebammen zu unterstützen. Mich teilhaben zu lassen, wenn das Baby gebadet wird, bei einer Bauchmassage oder auch in sehr verletzlichen Momenten und Gesprächen über Schlafmangel oder über die Sorge, ob man als Eltern genügt – das braucht sehr viel Of-

ZUR PERSON: JOËL BAUMANN

Der Vater von zwei Kindern ist 1986 geboren, aufgewachsen in Oberdiessbach und wohnt heute in der Stadt Bern. Der Biologe, Journalist und Filmemacher arbeitet als Redaktor bei SRF im Bereich Wissen und Gesundheit und macht Reportagen für die Gesundheitssendung «Puls» sowie Dokumentarfilme aus dem Bereich Wissen und Gesundheit. RH fenheit. Ich denke, die kam daher, dass die Frauen wussten, sie können dem Projekt Talhebammen helfen und den Frauen dahinter ihre Dankbarkeit ausdrücken. Es zeigte mir auch, wie eng die Verbindung zwischen den Hebammen und den werdenden oder frischgebackenen Müttern ist. Lidije Berisha sagte einmal: «Wir sind wie Freundinnen auf Zeit» – das habe ich tatsächlich immer wieder gespürt.

Was war für Sie als Filmemacher der her ausforderndste Moment? Die porträtierten Gesundheitsberufe sind durchaus verwandt miteinander, haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und sind dennoch ganz unterschiedlich. Was die Protagonistinnen alle vereint, ist ihre grosse Leidenschaft. Im Rahmen des Gesamtprojektes stellte sich die Frage, wie man es schafft, all dies zu vereinen und in einen Guss zu bringen.

Und in Bezug auf die Dreharbeiten mit den Talhebammen – was war da die Herausfor derung? Sicher die Frage, ob wir auch bei einer Geburt dabei sein können. Das ist noch intimer, als wenn wir beispielsweise bei der Praxiseröffnung oder auf der Baustelle dabei sind. Wir haben uns intensiv und oft unterhalten: Was ist möglich, wen könnte man mit der Kamera begleiten? Als wir dann ein Paar gefunden hatten, das bereit war, mitzumachen, stellte sich die nächste Herausforderung: Ich wohne in der Stadt Bern. Schaffe ich es, rechtzeitig vor Ort zu sein? Für mich war das gleichzeitig spannend, aber auch fordernd, sozusagen auf Pikett zu sein. Das Auto war immer bereit, die Kamera akkus geladen und die Hebammen haben mich sehr gut informiert. So war ich früh genug in Reichenbach, als die Geburt losging.

Auf Pikett sein – da haben Sie einen kleinen Teil der Alltagsrealität einer Hebamme haut nah miterlebt. Wie war das? Für mich war das natürlich ungewohnt und anstrengend. Ich frage mich, ob man sich daran gewöhnen kann? Mir hat es einmal mehr gezeigt, was Hebammen auf sich nehmen und tagtäglich leisten. Es sind ja auch immer die Gedanken präsent: Wie geht es der werdenden Mutter, der Familie? Mir scheint, man ist immer Hebamme, das ist mehr als ein Beruf.

Welcher Moment bleibt für Sie unverges sen? Da gibt es viele. Ich erlebte immer wieder sehr berührende und spannende Momente, zum Beispiel die Geburtssituation. Ich durfte selbst bei den Geburten meiner beiden Kinder dabei sein. Aber bei den Dreharbeiten sozusagen als Unbeteiligter an einem solch intimen Moment teilhaben zu dürfen, das ist sehr speziell.

Indessen hatte fast jeder Drehtag sehr berührende und emotionale Momente. Ich habe immer wieder gespürt, wie nah die Hebammen den Frauen sind, die sie begleiten.

Für mich war auch der Tag der offenen Tür sehr ergreifend: Die Dankbarkeit aus dem Tal zu sehen, all die Leute, die gekommen sind, sich interessiert haben, wie es jetzt aussieht, wie es riecht. Zu sehen, wie das Tal Merci sagt und wie bei den Hebammen eine Anspannung abfällt, als sie realisiert haben: Wir haben es geschafft und die Bevölkerung will dieses Projekt – an diesem Tag dabei zu sein, das war ein sehr schöner Moment.

Was bleibt Ihnen persönlich von diesen Dreharbeiten? Zu sehen, mit wie viel Herz und Leidenschaft die Hebammen für die Mütter und Familien im Tal da sind, als erste Anlaufstelle fungieren, Sorgen und Ängste auffangen. Ich habe aber auch mitbekommen, wie körperlich dieser Beruf sein kann. Es gibt eine Szene im Film, bei der Lidije ein Manöver anwendet, um ein Baby im Bauch anders zu positionieren. Das hat von aussen betrachtet sehr viel Kraft gebraucht. Es ist also ein sehr emotionaler und leidenschaftlicher Beruf, kombiniert mit viel Handwerk, mit einem langjährigen Wissen und sehr viel Erfahrung.

Ausstrahlung: Ab Freitag, 18. September, auf Play SRF und am 21. September ab 20.05 Uhr auf

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