Das Abschlusskonzert des diesjährigen Swiss Chamber Music Festivals bestritt wie schon 2015 der Weltklasse-Cellist Thomas Demenga. Nebst Kompositionen von Johann Sebastian Bach waren eigene Werke der drei Musiker zu hören. Eines davon gab den New Yorker Strassenlärm treffend wieder.
Der Berner Meistercellist Thomas Demenga ist in Adelboden kein Unbekannter. Der langjährige Jury-Präsident des Orpheus-Musikwettbewerbs – er bildet das Rückgrat der vortragenden Ensem bles – trat bereits 2015 mit seinen Schülern in der Dorfkirche auf. Diesmal teilte er den Platz auf der Bühne mit dem Cellisten Matthias Schranz und dem Bassisten Philipp Moll. Letzterer ist auch in der Schweizer Jazzszene zu Hause.
Der musikalische Abendspaziergang begann mit Bachs Cellosuite in Es-Dur. Demenga und seine Freunde hielten sich aber nur bedingt an die Partitur des «vielleicht besten Komponisten aller Zeiten», wie ihn Demenga bezeichnete. Der Altmeister des Barocks hätte wohl überrascht aufgehorcht, wenn er die Gesangsstimme von Matthias Schranz im zweiten Satz vernommen hätte. Ebenso ungewohnt wären ihm die gezupften Basslinien – in der Fachsprache Pizzicato genannt – von Philipp Moll vorgekommen. Ähnliches gilt wohl auch für den später gespielten Choral von Bach mit seiner freien Bassimprovisation. Doch Demenga hatte es eingangs angekündigt: «Wir verleihen Bach ein neues Gewand.»
Nicht nur Improvisation
Anschliessend folgten zwei kraftvollharmonische Kompositionen des Bassisten. Insbesondere im Ausklang der Werke war die Nähe Molls zum Jazz nicht zu überhören. Zum Thema Jazz: So nannte sich das folgende Stück von Demenga. Er kommentierte: «Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass Jazz vor allem aus Improvisation besteht. Meist werden nur die Solopartien frei gespielt. Bei mir ist alles anders: Jede Note ist aufgeschrieben, es gibt keinen Platz für eigene musikalische Ausritte.» In der Eigenkomposition «Legends» von Matthias Schranz kamen rhythmische und melodiöse Galoppaden umso besser zur Geltung. Ein begeisterndes Werk des polnischen Komponisten Mieczysław Weinberg (1919 –1996) schloss das vielfältige Programm des Trios ab. Wer als Zugabe einen der obligaten Kurz-Aufreger aus der klassischen Literatur erwartet hatte, der irrte sich vorerst. Entre Vias liess ein Schlaflied des spanischen Komponisten Manuel de Falla erklingen.
Das Publikum liess nicht locker, und das Trio verabschiedete sich endgültig mit einer Demenga-Komposition, die in der Lärmkulisse des New Yorker Stras senverkehrs entstanden war. Mit täuschend echten Autohupen und einer imitierten Polizeisirene bewiesen die beiden Cellisten abschliessend, welch unerwartete Töne sie ihren Instrumenten zu entlocken vermögen. Das Publikum dankte es mit einem grossen Schlussapplaus. Daraufhin verabschiedete Vereinspräsident Urs Pfenninger die Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin Christine Lüthi nach 13 Jahren intensiver und erfolgreicher Tätigkeit.
Der «Frutigländer» wird in der nächsten Ausgabe vertieft auf das Wirken der Seeländerin eingehen.



