StartNewsNaturPilzsammeln bis November?

Pilzsammeln bis November?

Für Wein- und Obstbauern gilt das Extremjahr 2026 zwar als «Turbojahr» mit früheren Ernten und kleineren, geschmacksintensiven Früchten und hohem Zuckergehalt. Nicht so für Pilze: Diese lieben bekannterweise einen feuchten Untergrund, und Feuchtigkeit war im 2026 bisher rar. Späte August- und Sommerregen sorgten nun aber für den erhofften Wachstumsschub und die Saison verschiebt sich weiterhin nach hinten.

NATUR Für Wein- und Obstbauern gilt das Extremjahr 2026 zwar als «Turbojahr» mit früheren Ernten und kleineren, geschmacksintensiven Früchten und hohem Zuckergehalt. Nicht so für Pilze: Diese lieben bekannterweise einen feuchten Untergrund, und Feuchtigkeit war im 2026 bisher rar. Späte August- und Sommerregen sorgten nun aber für den erhofften Wachstumsschub und die Saison verschiebt sich weiterhin nach hinten.

Marionna Schlatter, Medienverantwortliche bei der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz (VAPKO), relativiert: «Man kann die diesjährige Pilzsaison nicht über einen Kamm scheren, die Bedingungen waren regional sehr unterschiedlich. Grundsätzlich ist auf Lagen zwischen 1000 bis 1500 Meter über Meer im 2026 aber mit einer guten Saison zu rechnen, im Unterland rechne ich mit einer unterdurchschnittlichen Saison.» Pilze brauchen viel Feuchtigkeit und eine Temperaturabsenkung in der Nacht, was in diesem Herbst noch nicht genug der Fall war: «Für einige Sorten reicht schon der Morgentau in alpinen Lagen», betont Schlatter, «aber die Niederschläge und Gewitter waren sehr ungleich verteilt: Ein Tag Regen reicht nicht, damit die Fruktifikation, also die Bildung der sichtbaren Fruchtkörper, stattfinden kann.»

Die einen brauchen lebende Bäume, die anderen totes Holz

Pilzsorten wie Steinpilze, Pfifferlinge, aber auch Trüffel benötigen die Symbiose mit Bäumen, um zu fruktifizieren. Birkenpilze und Rotkappen benötigen sogar spezifisch Birken bzw. Espen oder Pappeln, aber auch die Herbsttrompete ist auf eine Baumsorte, nämlich die Buche, angewiesen. «Mit der Klimaerwärmung kommt die Buche zunehmend unter Druck», bedauert Marionna Schlatter. «Sie hat vielerorts bereits das Laub verloren und kann darum auch keine Photosynthese mehr machen. Natürlich hat das einen grossen Einfluss auf die Pilzbegleiter.» Dafür würden Pilzsorten, die früher nur im Süden heimisch waren, stetig nach Norden wandern und unser Ökosystem so beeinflussen.

Allerdings gibt es auch andere (Über-)Lebensstrategien bei den Pilzen: Zersetzende Arten wie beispielsweise der Wiesenchampignon oder Pilze, die auf Holz oder auf totem organischem Material wachsen und dieses dadurch abbauen. Und auch wenn Pilze in einem trockenen Jahr keine Fruchtkörper bilden: Sie sind nicht einfach weg, sondern ruhen im Boden, manchmal auch hunderte Jahre lang. Trotzdem braucht auch das Myzel viel Zeit, um sich nach einer Trockenperiode wieder zu regenerieren. Das hat zur Folge, dass die Pilze selbst nach einsetzendem Herbstregen oft stark verzögert und dezimiert auftauchen.

Gradmesser für den Klimawandel

Die Veränderung der Pilzsaison wird schon seit Jahrzehnten beobachtet. So kann man auch aufzeigen, wie sich die Klimaveränderung manifestiert: Einerseits teilt sich die Pilzsaison nun in Schübe auf, vor allem ein nasskalter Juni und Juli bringen dann Pilze hervor, die früher nicht vor Oktober geerntet werden konnten. Andererseits verschiebt sich der Start der Saison immer weiter in den Spätherbst. «Wir mussten unsere Pilzkurse nach hinten verschieben», erklärt Marionna Schlatter. «Die Saison kann nun gut und gern bis November dauern, bis der erste Frost einsetzt».

Pilzzuchten boomen – Trend oder Notwendigkeit?

Laut Marionna Schlatter sind einheimische Pilzzuchten eine sinnvolle Ergänzung zu den Wildpilzen. «Es ist schön, dass immer mehr Pilze aus einheimischer Zucht auf dem Speiseplan der Schweizer stehen», freut sie sich. «Das ist auf jeden Fall viel ökologischer als Steinpilze oder Eierschwämme aus Litauen». Wer mag, sammelt seine Pilze selber. Wichtig ist aber: Hobby-Pilzsammler sind dringend aufgerufen, die Sammelsaison zu beachten und – vor allem – alle selber gesammelten Pilze einem offiziellen Kontrolleur vorzulegen, denn die VAPKO beobachtet immer mehr schwere und auch tödliche Pilzvergiftungen. Übrigens: Vor Pilzbestimmung via Smartphone-Scanner wird dringend gewarnt, denn auch die allmächtige KI ist nicht unfehlbar.

RED
RED
Die Redaktion des Frutigländers berichtet über aktuelle Ereignisse, spannende Geschichten und wichtige Entwicklungen aus dem Frutigland und der Region. Mit einem engagierten Team lokaler Journalistinnen und Journalisten sorgt die Redaktion dafür, dass die Leserinnen und Leser stets gut informiert sind - unabhängig, nah und verlässlich.

Zuletzt erschienen

Ähnliche Artikel

Mehr von diesem Autor