BAUCHGEFÜHLE – Sehr geehrter Herr Bundesrat Rösti ...
28.02.2025 KolumneSehr geehrter Herr Bundesrat Rösti ...
Meine herzliche Gratulation zu Ihrem klaren Sieg bei der letzten Abstimmung. Sie haben erreicht, dass das Volk die Umweltverantwortungsinitiative klar ablehnte. Bei einer Stimmbeteiligung von knapp 40 Prozent entschieden sich ...
Sehr geehrter Herr Bundesrat Rösti ...
Meine herzliche Gratulation zu Ihrem klaren Sieg bei der letzten Abstimmung. Sie haben erreicht, dass das Volk die Umweltverantwortungsinitiative klar ablehnte. Bei einer Stimmbeteiligung von knapp 40 Prozent entschieden sich 30 Prozent für einen respektvollen Umgang mit der Natur. Das sind doch beinahe 700 000 SchweizerInnen, die ihr Unbehagen in Sachen Umweltpolitik bezeugen und die Initiative der jungen Grünen unterstützt haben.
Hielten Sie während des Abstimmungskampfs wirklich das Wohl der Bürger im Auge oder doch eher jenes der Wirtschaft? In der Abstimmungsarena drohten Sie dem Stimmvolk mit einer Schwächung der Schweizer Wirtschaft bei Annahme der Initiative. Von Susanne Vinzenz, Nationalrätin FDP, erhielten Sie Unterstützung, auch sie sah unseren Wohlstand in Gefahr. Sie beide flössten dem Stimmvolk ein, dass sich die Schweiz in ein wirtschaftliches Entwicklungsland verwandeln könnte.
Ihnen gegenüber standen zwei junge Menschen, die sich stark für das Wohlergehen einer lebenswerten Schweiz einsetzten. Magdalena Erni, Co-Präsidentin der Jungen Grünen, will nicht mehr verbrauchen, als uns zusteht, und Hasan Candan, SP-Nationalrat, möchte zu den natürlichen Ressourcen Sorge tragen. Diese beiden jungen Politiker stellten sich Ihren pro-wirtschaftlichen Ausführungen mit fundierten Argumenten für eine intakte Umwelt entgegen und liessen sich nicht von Ihren Aussagen entmutigen.
Sie sind doch im Bergdorf Kandersteg aufgewachsen, ganz nahe an den hohen vergletscherten Bergen. Damals war im Winter das Dorf tief verschneit. Wochenlang lag sauberer Schnee auf den Strassen. Sicher gab es eine Natureisbahn, auf der Sie mit den Schlittschuhen Ihre ersten Runden drehen durften, die Wasserfälle gefroren zu Eisfällen. Solche Winter sind Vergangenheit!
Zwar hatten wir einen super Start in den heurigen Winter, der uns bis in tiefe Lagen weisse Weihachten bescherte. Aber jetzt: Mitte Februar beginnt es überall zu spries sen und blühen, und die Vögel pfeifen den Frühling ein. Bis weit hinauf ist der Schnee verschwunden, die Böden sind so warm, dass auch ein erneuter Schneefall nur kurz die Natur zu überpudern vermag.
In den vergangenen Sommern leckte die Hitze die Gletscher weg, man konnte förmlich zusehen, wie die Eiskappen den Felsen wichen. Nehmen Sie sich ab und zu Zeit, eine Wanderung nahe der Gletscher zu machen? Haben Sie im Hochsommer schon mal die wohltuende Kühle in Gletschernähe erlebt, die die sommerliche Hitze abzukühlen vermag? Was passiert, wenn wir unseren Gletschern den Garaus gemacht haben?
Bereits im Jahr 1972 brachte der Club of Rome den Bericht «Die Grenzen des Wachstums» heraus. Darin stand geschrieben, dass zum Überleben der Menschheit ein grundsätzliches Umdenken nötig sei – notabene vor 53 Jahren. Damals tickte die Uhr kurz vor 12! Es folgten die Alpenkonvention 1991 und jährliche UN-Klimakonferenzen. Wenig bis nichts wurde von all den guten Vorsätzen umgesetzt. Heute stehen wir vor dem Abgrund – provoziert durch unsere Unersättlichkeit nach immer mehr. Wer sich intensiv mit offenen Augen in den Bergen weltweit bewegt, sieht die massiven Veränderungen. Ganze Alpentäler wurden in den vergangenen Jahren von Umweltkatastrophen zerstört und werden mit den nötigen Schutzmassnahmen nie wieder lieblich wie früher aussehen. In der Arktis schmilzt die Eiskappe ab. Der Permafrost schwindet. Fauna und Flora verändern sich rasend, wodurch die Artenvielfalt abnimmt. Die Meeresspiegel steigen und bedrohen ganze Völker.
Der Dalai Lama formulierte unseren Unverstand bereits vor Jahren mit folgenden Worten: «Unser Planet ist unser einziges Zuhause! Wo sollen wir denn hingehen, wenn wir ihn zerstören?»
YVONNE SCHMOKER
YVONNE.SCHMOKER@GMAIL.COM