«Aeschi-Aschi» feiert seine 1400. Morgenberg-Besteigung
08.07.2025 Aeschi, AeschiriedAls er zum 1000. Mal einen Eintrag im Gipfelbuch des Morgenberghorns machte, war der «Frutigländer» mit dabei. Dass das noch lange nicht der Höhepunkt war, war für Ernst Minder immer klar.
HANS RUDOLF SCHNEIDER
Der Ausblick vom ...
Als er zum 1000. Mal einen Eintrag im Gipfelbuch des Morgenberghorns machte, war der «Frutigländer» mit dabei. Dass das noch lange nicht der Höhepunkt war, war für Ernst Minder immer klar.
HANS RUDOLF SCHNEIDER
Der Ausblick vom Morgenberghorn in die Weite und auf die Oberländer Seen ist unglaublich. Kaum einer weiss das besser als Ernst Minder. Der heute 76-Jährige aus Niederbipp hat in den 1980er-Jahren einen Zweitwohnsitz in Aeschiried erworben und nennt sich heute selber «Aeschi-Aschi».
Das wäre noch nichts Ungewöhnliches. Doch zu Beginn seiner Bergtouren im Oberland traf er im Suldtal immer mal wieder auf Fritz Hari. Der Ende letzten Jahres verstorbene langjährige Politiker und Beizer im Suld wurde zu einer Art Vorbild für Minder. «Er ist oft auf den Dreispitz und im Gipfelbuch hat er seine Eintragungen gemacht: ‹Unterwegs 46 Gemsen beobachtet› oder ‹Zum 96. Mal auf dem Dreispitz›. Das hat mich vor gut 55 Jahren motiviert, dasselbe mit dem Morgenberghorn anzufangen.»
Ein Bewegungsfanatiker
Damit war der Grundstein für eine unglaubliche Leistung gelegt: Im August 2017 notierte er den 1000. Gipfelsturm auf dem Morgenberghorn. «Das war jeweils ein gutes Training für meine Waffenläufe. 172 habe ich absolviert. Und zugegeben, es wäre ein komisches Bild gewesen, wenn ich im Kandertal alleine mit dem Rucksack und dem Karabiner rumgerannt wäre.» Also wurde der Weg auf seinen Lieblingsgipfel gleichzeitig seine Konditionsstrecke.
Zu seiner Tourenbegeisterung beigetragen hat, dass Fritz Wittwer und seine Frau Käthi im Sommer auf der Rengglialp waren. «Ich bin am Morgen jeweils über das Morgenberghorn, habe den beiden geholfen, die Weiden abzuzäunen und am Abend ging's zurück übers Morgenberghorn nach Aeschiried», erzählt er.
In der Region angekommen
Der Unterländer gehört seit langem in Aeschi einfach dazu: Als er festgestellt hat, dass sich die Bewohner auf den Alpen beim «Hore» oft gar nicht kannten, hat er ein Fotobuch mit dem Titel «Alpen und ihre Bewohner» erstellt.
Mehr als ein Dutzend Alpen habe er dafür besucht. «In zahlreichen Gesprächen habe ich viel Spannendes erfahren. Heute hat sich fast auf jeder Alp etwas verändert. Es ist immer wieder interessant und schön, Neues zu vernehmen.» Das Wichtigste für ihn bleibe aber das Morgenberghorn mit der grossartigen Aussicht und dem herrlichen Bergfrühling.
Das Ziel vor Augen
Bei der 1000. Besteigung im August 2017 hatte er gesagt, dass er bei der Anzahl Besteigungen den Jahrgang seiner Mutter anstrebe – 1929. Eine echte Herausforderung.
Aber er ist auf dem Weg dorthin: Vor wenigen Tagen hat er sich zum 1400. Mal im Gipfelbuch eingetragen. In seiner intensivsten Zeit habe er zwischen April und November 117 Mal den Weg in die Höhe gemacht. Gut acht Kilometer ist seine Strecke und es gilt, jeweils eine Höhendifferenz von über 1200 Meter bis zum Gipfel auf 2249 Metern über Meer zu überwinden.
Seine Spuren hat «Aeschi-Aschi» auf dem Gipfel mit den geschmiedeten Schweizer- und Bernerfahnen und zwei Bänkli hinterlassen, die er hochgetragen und dort montiert hat.
Es geht weiter nach oben
Mittlerweile hat Ernst Minder aber auch etliche andere Gipfel in seiner persönlichen Statistik. «Vor sieben Jahren habe ich beim Abstieg auf der Alp Brunni Cornelia Loser getroffen und seither ist sie meine Partnerin. Wir sind nun oft zusammen unterwegs und gehen nicht nur aufs Morgenberghorn», sagt er mit einem Lächeln.
Er nennt übrigens als für ihn sehr prägende Person neben Fritz Hari auch Urs Kessler, den ehemaligen Direktor der Jungfraubahnen. «Er hat so viel erreicht und nie aufgegeben. Was er im grossen Rahmen geschafft hat, durfte ich im kleinen Rahmen machen. Der Arzt hat mir zwar von den Waffenläufen abgeraten, aber Bergtouren gehen weiterhin, trotz eines Herzinfarkts vor drei Jahren und dem Meniskusproblem im rechten Knie. Wenn es die Gesundheit erlaubt, möchte ich gerne weiterhin diesen tollen Berg besteigen. An Motivation fehlt es mir sicher nicht!»