LESERBRIEFE
13.05.2025 LeserbriefEs wird im Tal auf hohem Niveau gejammert, und die Lobbyisten der Naturerhaltung werden kleingeredet. Auch der erneute Leserbrief von Herrn Maeder erzählt nur die Hälfte der Wahrheiten.
Es sind 46 Prozent der zugewanderten Bevölkerung in der Gastronomie tätig. Der ...
Es wird im Tal auf hohem Niveau gejammert, und die Lobbyisten der Naturerhaltung werden kleingeredet. Auch der erneute Leserbrief von Herrn Maeder erzählt nur die Hälfte der Wahrheiten.
Es sind 46 Prozent der zugewanderten Bevölkerung in der Gastronomie tätig. Der überwiegende Teil wird mit einem Stundenlohn bezahlt. Dies wollen die ausgebildeten Gastro-Schweizer nicht, und auch die Heranwachsenden nicht mehr, da sie ein kalkulierbares Einkommen für ihren Lebensunterhalt benötigen. Es gibt zudem schwarze Schafe in dieser Branche, die die Abgaben nicht korrekt abführen für die spätere Rente. Ich habe dies in der Gastronomie selber erleben müssen und erfolgreich Prozesse geführt.
Der Tourismus nützt der Natur?? Da muss ich klar widersprechen. Denn der Massentourismus, der ja mittlerweile unser Berner Oberland überschwemmt und auch in den sozialen Medien gerne erwähnt und beklagt wird, zeugt vom Gegenteil. Bahnprojekte wie jenes in Kandersteg sollten wirklich auch von alten Projekten lernen. Ich erwähne hier wieder den nachgewiesenen Rückgang der Tiere bei dem Bau der Niesenbahn, wo es gut 20 Jahre dauerte, bis sich einheimische Wildtiere wieder in dem Gebiet angesiedelt haben.
Ferner wird gerne verschwiegen, dass Förderinstrumente, die letztendlich der Steuerzahler bezahlt, für den schweizerischen Tourismus reichlich fliessen.
Weiterhin profitieren viele Bergbahnen von günstigeren Stromkosten, die sie über eine Rückvergütung von Swissgrid zurückerstattet bekommen. Also sind die Fördertöpfe sehr wohl bekannt, aber es wird auf hohem Niveau weitergejammert. Hinzu kommt, dass der Tourismus noch immer von dem verminderten MWST-Satz von 3,8 Prozent für Beherbergung gute Kalkulationsgrundlagen hat.
Die Lobbyisten der Naturverbände werden an den Pranger gestellt, wenn sie aufzeigen, was hier für eine schlechte Balance ist – zwischen Anerkennung der Natur und dem eigenen Geldsäckel.
Sozialsysteme
Ich staune immer wieder, wie sparen hochgelobt wird, obwohl es auf Kosten der Kinder oder derjenigen, die sich selber kaum wehren können, geht.
Mit den sozialen Geldern sorgsam umgehen ist ein gutes Ziel. Es gibt aber zum einen auch ein Gesetz in der Schweiz, dass eine alleinerziehende Mutter erst ab obligatorischer Einschulung des jüngsten Kindes zu 50 Prozent arbeiten muss. Zum anderen ist nachgewiesen, dass es gerade im Falle einer Trennung / Scheidung für die soziale und psychologische Entwicklung sehr wichtig ist, dass Kinder eine feste Bezugsperson (die Mutter ist Priorität eins) haben.
Hier im Oberland wird von den Müttern aber verlangt, dass sie, wenn sie Sozialgelder beantragen, arbeiten gehen müssen. Die Unterstützung auf der praktischen und emotionalen Seite, die sowieso schon gering ist (selbst wenn Grosi und Opi einspringen, die ja auch oft noch berufstätig sind), verstärkt bei Mutter und Kind die Isolation in unserer Gesellschaft. Viele Mütter wagen sich auch aus Scham nicht zum Sozialamt, da sie nicht betteln wollen.
Wenn dann der Kampf für ein sozial ausgeglichenes System für das Kind nicht unterstützt, sondern angezweifelt wird, ist dies ein Stressfaktor, der irreparable Folgen in der Psyche der Mutter und des Kindes haben kann. Die konservative Haltung, dass ein Kind Mutter und Vater braucht, ist also eine begrüssenswerte Haltung. Wenn jedoch ein Teil dieser beiden Faktoren abbricht, sollten die Gesellschaft und unser Sozialsystem parat für Hilfe sein – ohne zu fordern.
Die Folgekosten, die durch eine gute Bindung im Kleinkindalter später vermindert werden, sind also keine Illusionen, sondern nachweisliche Fakten.
Da ich selber in der Betreuung bei verschiedenen Instituten im Kanton arbeite, musste ich dies einmal aufzeigen, denn es ist ein Manko, dass für die Mutter zwar viel getan, ihr aber auch viel abverlangt wird.
BEIDE BEITRÄGE VON MONIKA GÜNTENSPERGER (KONTEMPLATIONSBERATUNG AAC, CAREGIVER, FIRST RESPONDER, JOURNALISTIN UND NOTFALLSEELSORGERIN DEUTSCHLAND), FRUTIGEN