Eine «Abfall- und WC-UeO» für Oeschinen
09.06.2023 KanderstegEin ausserordentlich gutes Jahr hat die Gondelbahn Kandersteg-Oeschinensee AG (GKO) hinter sich. Der Gewinn wird im Hinblick auf eine Bahnerneuerung als Reserve angelegt – doch vorher müssen andere Probleme bewältigt werden.
HANS RUDOLF SCHNEIDER
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Ein ausserordentlich gutes Jahr hat die Gondelbahn Kandersteg-Oeschinensee AG (GKO) hinter sich. Der Gewinn wird im Hinblick auf eine Bahnerneuerung als Reserve angelegt – doch vorher müssen andere Probleme bewältigt werden.
HANS RUDOLF SCHNEIDER
Verwaltungsratspräsident Christoph Wandfluh machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung darüber, dass die vorgeschlagene Lösung für das WC-Problem am Oeschinensee vom Kanton nicht bewilligt wurde. «Doch wir geben nicht auf. Wie die Bergsteiger machen wir einen Schritt nach dem anderen», sagte er an der Generalversammlung vom Mittwoch. Offenbar gibt es nur eine Möglichkeit, das Problem von zu viel Abfall und zu wenig Sanitäranlagen langfristig zu lösen: eine Überbauungsordnung, in der künftige Entwicklungsmöglichkeiten zusammengefasst und rechtlich abgesichert werden. Wandfluh erklärte den Aktionärinnen und Aktionären, dass man nur zusammen mit der Gemeinde und letztlich auch der Bevölkerung mehr Ordnung schaffen könne. «Wir wollen nicht mehr Gäste an Oeschinen. Aber wir wollen die Qualität halten.»
Umfassende Planung am See
Im letzten Jahr habe die GKO 360 000 Franken in die Entsorgung und in die Entsorgungsinfrastruktur gesteckt. An und für sich wäre das eine Aufgabe der öffentlichen Hand, doch sie gelinge nur durch Zusammenarbeit. Die Erarbeitung der «Abfall- und WC-UeO» werde drei bis fünf Jahre dauern, gab Wandfluh zu bedenken. In der Zwischensaison, wenn die Betriebe am See und damit auch deren WC-Anlagen geschlossen seien, müssten die Gäste eben weiterhin «in den Wald». Beinhalten werde die UeO auch Wanderwege, Sitzbänke, Grillstellen oder Stromzuleitungen. Das Resort Oeschinen solle eine geordnete Zukunft haben, betonte Wandfluh.
Gemeinderatspräsident René Maeder sicherte dem Bahnunternehmen die volle Unterstützung der Gemeinde zu und äusserte sein Unverständnis über den Kanton, der eine brauchbare WC-Lösung abgeschmettert habe. Zudem wartet die GKO immer noch auf grünes Licht vom Kanton für die Realisierung des Parkleitsystems ab dem Dorfeingang und der geplanten Schranken auf den Oeschinenbahn-Parkplätzen, um den Suchverkehr zu reduzieren.
Rekordzahlen im 2022
Erfreulicher war der Rückblick für die 115 anwesenden Personen, die 51,8 Prozent der Aktien vertraten, aus finanzieller Sicht. Zahlenmässig war 2022 definitiv das beste Jahr in der Statistik. An 258 Betriebstagen (170 im Sommer) wurden insgesamt 473 358 Frequenzen verzeichnet, was Einnahmen in Höhe von 6,3 Millionen Franken generierte. 5 Millionen Franken davon flossen im Sommer in die Kasse. Nach Abschreibungen und Steuern wurde eine gute Million Franken Jahresgewinn verzeichnet, die den Bilanzgewinn Ende 2022 auf 7 Millionen Franken steigen liess.
Der Oeschinensee ist damit nachweislich ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Ein an verschiedenen Stellen montiertes Zählersystem hat ergeben, dass im letzten Jahr 55 Prozent der Gäste am See mit der Gondelbahn fuhren und 45 Prozent zu Fuss kamen, davon 8 Prozent übers Hohtürli. Der umgelegte und ab Juni zumindest wieder begehbare Wanderweg Grüenewald nimmt als Zugang zum See eine wichtige Funktion ein. Die stetig steigende Gästezahl ist allerdings auch eine Herausforderung.
Neue Geschäftsführung eingesetzt
Kürzlich hat der Verein Kandersteg Tourismus über neue Strategien nachgedacht (der «Frutigländer» berichtete). Dasselbe hat sich auch die GKO vorgenommen und dabei Diskussionen über die Besuchersteuerung und den Klimawandel geführt, aber auch ihre gewachsenen Strukturen überprüft. Das Resultat: Statt eines Betriebsleiters sowie im operativen Geschäft tätiger Verwaltungsräte soll nun eine Geschäftsleitung das Tagesgeschäft übernehmen. Diese umfasst seit dem 1. Juni Martin Heiniger (Betriebsleiter), Kurt von Allmen (technischer Leiter), Yanik Winiger (Instandhaltung) und David Zurbrügg (Leiter Winterbetrieb).
Wandfluh erklärte diese Anpassung unter anderem mit dem nahenden Pensionsalter mehrerer MitarbeiterInnen. Man biete jüngeren Angestellten dadurch eine langfristige Perspektive mit entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten und mehr Verantwortung. Da der bisherige Betriebsleiter André Allenbach zwar seine Funktion abgibt, aber im Unternehmen verbleibt, sei der Wissenstransfer gesichert. Im Übrigen habe der Verwaltungsrat mit strategischen Geschäften durchaus genug zu tun. Neben der erwähnten Überbauungsordnung gehört dazu in wenigen Jahren der Ersatz der 2008 in Betrieb genommenen Gondelbahn, welche die Hälfte ihrer Lebensdauer hinter sich hat. Hierfür kommen Kosten von über 20 Millionen Franken auf das Unternehmen zu. «Wir fahren das ganze Jahr, und der Unterhalt wird jetzt schon spürbar komplexer», erklärte der Verwaltungsratspräsident mit Blick in die Bahnzukunft.