Eine Reise der Freundschaft
07.03.2025 Mülenen, EmdthalAm vergangenen Freitag erzählte Maria-Theresia Zwyssig im Bad Heustrich erstmals von ihrer abenteuerlichen Reise. Sie fuhr über 75 Pässe, durchschwamm 37 Seen und erwanderte 30 SAC-Hütten. Vor ausverkauftem Haus und einigen Überraschungsgästen beschrieb ...
Am vergangenen Freitag erzählte Maria-Theresia Zwyssig im Bad Heustrich erstmals von ihrer abenteuerlichen Reise. Sie fuhr über 75 Pässe, durchschwamm 37 Seen und erwanderte 30 SAC-Hütten. Vor ausverkauftem Haus und einigen Überraschungsgästen beschrieb Zwyssig augenzwinkernd und emotional ihr «HEIMAT LAND».
MICHAEL SCHINNERLING
«Grüessech, oder wie säget ihr? Sönd willkomm, grüezi, bonjour, hoi, sälü, tschou, allegra, bun di, grüess Gott, Tag wohl ... wie ou immer. Es fröit mi sehr, darf i öich hinech zur Premiere vo mym neue Vortrag HEIMAT LAND begrüesse», eröffnete Maria-Theresia Zwyssig ihren Vortrag. Lange habe sie überlegt, ob sie überhaupt einen solchen halten solle, räumte sie direkt ein. Würde das die Leute interessieren oder seien fremde Kulturen nicht viel spannender? Doch sie hatte ja selbst erlebt, dass das Abenteuer manchmal eben vor der Haustür wartet. Die Berner Oberländerin startete ihre Reise am 1. Juni in Brienzwiler und beendete sie am 30. September. Zuerst fuhr sie mit ihrem Fahrrad «Freddy» nach Erlenbach. Weiter ging es nach Aigle, schwimmend über den Murtensee und hoch zum Chasseral. Die Reise führte Zwyssig quer durch die Schweiz und dabei unter anderem nach Aarau, ins Wallis, in die Innerschweiz, ins Graubünden und nach Freiburg.
Die Begegnungen machten es aus
Immer wieder traf Zwyssig Menschen, die sie mit offenen Armen emp!ngen und vor Herzlichkeit nur so sprühten. «Das ist genau der Grund, warum ich diese Reise unternommen habe: weil ich den Kontakt mit Menschen liebe», erklärte sie. Wenn «Thesi» leicht nach vorne gebeugt, mit weit ausgestreckten Händen und einem Schmunzeln im Gesicht von ihrer Reise berichtete, sprang der Funke von der lebhaften Frau aufs Publikum über. Sie packte so viele Emotionen in ihren Vortrag, dass man ihr selbst nach zwei Stunden noch länger hätte zuhören können. «Ich wollte aufzeigen, dass es eine grosse Gastfreundschaft in unserem Land gibt, dass nichts selbstverständlich ist und dass wir vieles erreichen können.» Ihre persönlich grösste Herausforderung auf dieser Tour war das Schwimmen. «Ich wusste nicht, ob ich überhaupt einen See der Länge nach schaffen würde. Mit Unterstützung ist aber vieles möglich.»
Was für eine Überraschung
Am Freitagabend fanden sich viele Weggefährten der Vortragenden im Bad Heustrich ein. Selbst vom Schächental kamen die Gäste extra wegen der Premiere nach Emdthal. «Von ein paar Personen wusste ich, dass sie kommen. So viele hatte ich aber nicht erwartet», freute sich Zwyssig.
Warum sie ihre Premiere ausgerechnet im Bad Heustrich feierte? Dafür gebe es mehrere gute Gründe: «Erstens durfte ich vor genau zehn Jahren, am 20. Februar 2015, das erste Mal im Bad Heustrich einen Vortrag halten. Damals berichtete ich von meiner Reise nach Kathmandu, Nepal, und 10 000 Kilometer die Seidenstrasse entlang immer ostwärts.» Im Jahr 2022 hielt sie ihren «The Great Himalaya Trail» ebenfalls in Emdthal. «So habe ich erstens einen persönlichen Bezug zum Bad Heustrich und zu den Menschen, die hier leben und arbeiten. Zweitens wurde ich eingeladen, was eine grosse Ehre ist. Drittens bietet das Bad Heustrich eine stimmige Atmosphäre für meinen Vortrag», so Zwyssig. Begeistert ist auch das Team des Bad Heustrichs. «Thesi ist eine richtige Abenteurerin und hat tolle Projekte realisiert. Ich ziehe den Hut vor ihrer Entschlossenheit und bewundere ihren Mut. Zudem ist sie eine symphatische und spannende Persönlichkeit», meinte etwa Reto Lauber.
Wie auf Island die Idee entstand
«2023 fuhr ich im Sommer mit dem Velo einmal rund um Island», erzählte Zwyssig. «In der Mondlandschaft zwischen einem abgelegenen Bauernhof im Nordosten der Insel und der nächsten Stadt wusste ich: Auf der nächsten Reise möchte ich die Schweiz besser kennenlernen.» Auf ihrer Velotour sei ihr aufgegangen: «Ich war noch nie auf dem Gotthardpass, fuhr nie die Tremola runter und überholte die Postkutsche. Ich war noch nie in der Blüemlisalphütte, noch nie im Bündner Tomasee schwimmen.» Nach über 30 000 Kilometern in 44 Ländern sei die Zeit reif gewesen, das eigene Heimatland zu entdecken. «Die Idee dazu gab mir übrigens ein deutscher Fahrradfahrer», berichtete Maria-Theresia Zwyssig weiter. «Er schwärmte mir von seinem Traum vor, einmal mit dem Fahrrad quer durch die Schweiz zu fahren. Er meinte zu mir, ich lebe im schönsten Land!» Mit den Vorbereitungen habe sie dann ein halbes Jahr vor dem Reisestart begonnen.
In Russland 700 Kilometer geradeaus
Die Planung der «Heimat-Tour» sei dann gar nicht so einfach gewesen. «Wir haben so viele Möglichkeiten in der Schweiz, so viele Wege und Varianten», erklärte Zwyssig die Herausforderung. «Wenn ich an Russland zurückdenke, da ging es von der lettischen Grenze bis Moskau einfach 700 Kilometer geradeaus – ich bin nicht ein einziges Mal links oder rechts abgebogen.» Für die Schweiz habe sie sich dann drei Regeln gesetzt: «Mit meinem Velo Freddy über die Pässe, zu Fuss zu den SAC-Hütten – und die Seen der Länge nach durchschwimmen. Wie viele dieser Vorhaben ich würde umsetzen können, war mir letztlich gar nicht so wichtig – vor allem kam es mir darauf an, mein Heimatland kennenzulernen.» Und das tat Maria-Theresia Zwyssig. Sie habe unterwegs grosse Gastfreundschaft erleben dürfen. «Ich habe erfahren, dass nichts selbstverständlich ist, und ich habe die Schweiz noch mehr schätzen gelernt», so ihr Resümee.
Was bleibt?
Fragt man die Schweiz-Reisende, was ihr aus den vier Monaten geblieben ist, nennt sie ganz verschiedene Schlaglichter: «Ich denke da an die Erkenntnisse vom Schwimmen und was ich dabei gelernt habe. Ich erinnere mich an den Buschauffeur Sepp am Klausenpass. An die Familie Baumann in Meien am Sustenpass – bei ihnen konnte ich im Gästezimmer übernachten und es gab am Abend Fondue. Die Baumanns haben sechs Kinder, und ihre Gastfreundschaft rührte mich wirklich.» Es sei, so fasste Zwyssig zusammen, letztlich eine «Tour der Freundschaft» geworden. «Mein Dank gilt all den Menschen, die mich in diesem Sommer unterstützt haben und mit mir unterwegs waren.»
Weitere Infos zur Reise und Kontaktmöglichkeiten: www.mariatheresia.ch