Grosser Erfolg am «Oberländischen»
01.07.2025 Adelboden, SportGrossartige Bilanz der Frutigländer am Oberländischen Schwingfest in Adelboden: Auch wenn Favorit Fabian Staudenmann seinem Ruf gerecht wurde und zum dritten Mal in Folge das «Oberländische» gewann, resultierten für die einheimischen Bösen neun ...
Grossartige Bilanz der Frutigländer am Oberländischen Schwingfest in Adelboden: Auch wenn Favorit Fabian Staudenmann seinem Ruf gerecht wurde und zum dritten Mal in Folge das «Oberländische» gewann, resultierten für die einheimischen Bösen neun Kränze (v.l.): Jan Wittwer, Josias Witter, John Grossen, Alexander Knutti (Neukranzer), Florian Christen (Neukranzer), Curdin Orlik, Adrian Klossner, Florian Aellen und Fabian Schärz.
Fabian Staudenmann – wer sonst?
«Aaggattiget für die Böese» war am Wochenende am Oberländischen Schwingfest in Adelboden. Mit Gästeschwingern aus Binnigen und dem Appenzell wurde den 5000 Zuschauern bei heissem Sommerwetter attraktiver Schwingsport geboten. Ein Oberländer schaffte es in den Schlussgang.
Im Schlussgang standen sich der Mittelländer Eidgenosse Fabian Staudenmann und der Oberländer Teilverbandskranzer Ivan Thöni gegenüber. Für Ivan Thöni, welcher dieses Jahr bereits das Bern-Jurassische Schwingfest in Nods für sich entscheiden konnte, war es der zweite Schlussgang an einem Kranzschwingfest diese Saison. Im Schlussgang dauerte es etwas mehr als zwei Minuten, danach brachte Staudenmann den Oberländer Thöni mit Fussstich zu Boden und kam mit Nachdrücken zum Sieg.
Dritter Sieg am «Oberländischen»
Für Staudenmann ist es der dritte Sieg in Folge an einem «Oberländischen» nach 2023 in Frutigen und 2024 in Brienz. «Ich hatte zwei bis drei schwierige Gänge heute. Der erste gegen Curdin Orlik. Wir kennen uns sehr gut, auch von den Trainings. In den darauffolgenden Gängen habe ich immer ein Rezept gefunden, darum bin ich über den Sieg hier in Adelboden sehr glücklich», sagte Staudenmann nach dem Schlussgang. Der Nordwestschweizer Gast Adrian Odermatt, welcher nach drei Gängen die Zwischenrangliste anführte, wurde im vierten Gang gebremst und musste nach kurzer Gangdauer eine Niederlage gegen den Mittelländer Fabian Staudenmann hinnehmen. Auch gegen Jan Wittwer hatte der Nordwestschweizer keine Chance, in der letzten Minute unterlag er dem Turnerschwinger aus Faulensee.
Der für den Schwingklub Reichenbach antretende Josias Wittwer erreichte den Schlussrang 2a. Mit zwei Gestellten und vier Plattwürfen zeigte der Bauingenieur eine sehr ansprechende Leistung.
Ein sehr gutes Fest zeigte auch der Frutiger Curdin Orlik. Der in Steffisburg wohnhafte Agronom FH stellte im Anschwingen gegen Fabian Staudenmann und im fünften Gang gegen Jonas Odermatt, ansonsten verbuchte er nur Siege und reihte sich auf dem Schlussrang 2c ein.
Den Kranz verpasst
Einen starken Tag erwischte auch Jan Wittwer aus Faulensee. Der für den Schwingklub Aeschi antretende Touristiker FH verbuchte unter anderem Siege über Florian Weyermann und Adrian Odermatt. Einzig ein Gestellter gegen den Eidgenossen und Gast Lars Voggensperger war am Abend auf seinem Notenblatt zu finden und er belegte Schlussrang 4a. Ein straffes Programm dieses Wochenende hatte Dario Bühler vom Schwingklub Reichenbach. Am Walliser Kantonalschwingfest sicherte sich der Sennenschwinger aus Scharnachtal seinen sechsten Karrierekranz und am Sonntag stand Bühler dann in Adelboden im Einsatz. Leider reichte es ihm mit drei Siegen und drei Niederlagen nicht, am «Oberländischen» den Kranz zu erschwingen.
20 Kränze für die Oberländer
Von den insgesamt 35 abgegebenen Kränzen sicherten sich die Oberländer Schwinger mit 20 Kränzen den Löwenanteil. 7 Kränze sicherten sich die Emmentaler, je 3 Kränze die Mittelländer und die Nordwestschweizer und 2 Kränze fanden den Weg ins Seeland. Unter den drei Oberländer Neukranzern waren mit Alexander Knutti und Florian Christen auch zwei Schwinger aus der Region.
MARLENE UND MATHYAS FRATTINI
Der «Küchengeneral» und seine Helfertruppe
Dem Restaurateur und Sternekoch Björn Inniger vom Adelbodner Gourmetlokal «Alpenblick» kam die Aufgabe zu, die Gastronomie zu leiten. Am Sonntagmittag waren über 50 Freiwillige im Einsatz, um innert kürzester Zeit die 1200 Gäste zu verpflegen.
Zwei Fassstrassen mit Kartoffelstock und Hackbraten sind bereit. Zwölf Personen richten Teller um Teller an. Peter Hari, der Souschef der Frutiger Spitalküche, schneidet das Fleisch, der ehemalige Alpenblick-Koch Francesco Betti schöpft Sauce. Das Servicepersonal holt die fertigen Teller ab und marschiert ab zu den Gästen. «Dieser Tisch ist dran», ruft Organisator Björn Inniger den HelferInnen zu. «Einmal nur Kartoffelstock», verlangt er von den KüchenmitarbeiterInnen. Der Italiener Betti ist eigens für fünf Tage von Genua angereist. Er wird im Nachhinein kommentieren: «Es lief wie am Fliessband. Du denkst nicht mehr, du machst nur noch.» Das Team hat 40 Teller pro Minute angerichtet und innert einer halben Stunde alle 1200 Mahlzeiten auf die Reise zu den hungrigen Gästen geschickt.
Viel Lob von den Gästen
An den Tischen vermischen sich die lobenden Worte: «Ich habe schon lange nicht mehr so gut gegessen», klingt es von hier. Dort ist zu vernehmen: «Das Essen ist schön heiss.» Eine weitere Stimme meint: «Das ging aber schnell.» Verdiente Anerkennung für die unter Hochdruck schuftenden Freiwilligen. Glücklicherweise gab es keine Verzögerungen im Ablauf des Wettkampfes. «Jede Minute Verspätung wäre voll zulasten unseres Teams gegangen, weil der fünfte Gang nach dem Mittag pünktlich beginnt», erklärt «Küchengeneral» Björn Inniger.
Wenn das Handy den Kochlöffel ersetzt
Der Spitzengastronom des Restaurants «Alpenblick» ist der Kopf der Gastro-Organisation. Seit Monaten hat er diese logistische Höchstleistung in allen Details geplant und in Gedanken durchgespielt. Während dieser Phase ersetzte das Handy den Kochlöffel. Die Anspannung am Sonntagmittag ist ihm anzumerken. Nach dem «Marathon» muss sich der Koch mit Michelin-Stern erst mal sammeln. «Es war ein wilder Ritt. Unser Plan ist bis auf die letzte Sekunde aufgegangen. Wir hatten keine Verschnaufpause», erzählt er nach der geschlagenen kulinarischen Schlacht. Der auf dem Team lastende Zeitdruck war enorm. Nach dem Prominenten-Apéro am Vormittag galt es für die HelferInnen um elf Uhr in Windeseile neu aufzudecken. Gleichzeitig traf das Essen in vier Heizschränken vom Spital Frutigen ein, und die ersten Gäste setzten sich erwartungsvoll an die Tische. «Das hat uns ziemlich unter Strom gesetzt» meint der OK-Chef Gastronomie mit leicht erschöpfter Stimme.
Hand in Hand in der Spitalküche Frutigen
Wie wurde dieser Küchen-Effort möglich? Der Schlüssel lag in der persönlichen Bekanntschaft von Inniger mit dem Souschef der Küche im Spital Frutigen, Peter Hari. Nur hier war es möglich, in so kurzer Zeit so viele Menüs vorzukochen. Das «Alpenblick»-Küchenteam zügelte nach Frutigen und kümmerte sich dort um die Zubereitung der Speisen für das Fest. Knackpunkt war der Sonntagmorgen, als die Spital- und die «Alpenblick»-Köche gleichzeitig bereits um sechs Uhr am Werk waren. «Peter hat die Menüs seiner Patienten so ausgelegt, dass die für unser Bankett-Essen nötigen Gerätschaften frei blieben. Wir haben Hand in Hand gearbeitet und uns gegenseitig unterstützt», erzählt Inniger. Auch der Abwasch der Porzellanteller und der Gläser des Banketts geschah im Spital.
«Wenn Adelboden ruft, dann sind wir da»
Veronika und Andreas Dörig aus der Ostschweiz sind dem Helferaufruf gefolgt. «Wenn Adelboden unsere Unterstützung braucht, sind wir dabei.» Andreas schwärmt vom Einsatz am Schwingfest: «Das Folkloristische, welches wir im Flachland immer weniger pflegen, gepaart mit der Bergkulisse, hat es uns angetan.» «Die Verbundenheit mit Heimat und Natur eben», ergänzt Veronika.
Die einheimische Käthi Pieren ist seit halb sechs Uhr morgens auf dem Gelände. «Es war alles gut organisiert, es gab genügend helfende Hände», resümiert sie. Rolf Henzmann – Präsident des Vereins Stammgäste Adelboden – und seine Frau Jolanda luden am Aussenstand Bratwurst und Steaks auf die Teller. Das Ehepaar genoss seinen «Job». Jolanda Henzmann: «Am Mittag ging uns das Brot aus. Ich bibberte angesichts der schlangestehenden Hungrigen. Einige mussten für kurze Zeit warten, bis ein Jüngling mit frischem Brot angerannt kam.» Auch die beiden gehörlosen Donato Schneebeli und Emil Grossmann aus Basel machten sich nützlich, sei es beim Braten von Steaks oder beim Entsorgen von Flaschen und Abfall.
Der grosse Nervenkitzel am Freitagabend
Am Freitag während des Jodlerabends war die Generalprobe fürs Küchenteam angesagt. Stimmten die Annahmen Innigers? Wie zuverlässig würden die Helfenden arbeiten? Diese Fragen stellte sich das OK-Mitglied, als sich um sechs Uhr abends rund 30 HelferInnen um ihn scharten, ohne ihre Aufgabe zu kennen. Bald waren die nötigen Gruppen mit je fünf bis sechs Freiwilligen unter der Leitung eines Verantwortlichen gebildet und die Pflichten für die bevorstehende Herausforderung verteilt. «Der Auftakt ist nach Wunsch verlaufen, wir konnten rund 500 Jodlermenüs an den Mann und die Frau bringen», war Innigers Fazit.
Wenn die Gourmetstube weichen muss
Björn Inniger entschloss sich, seine Gourmetstube im «Alpenblick» von Anfang April bis Ende Juni zu schliessen und nur das Bistro zu betreiben – eine Premiere im Traditionslokal. Die Gourmetküche in der «Stube» hätte seine volle Aufmerksamkeit erfordert. Schliesslich hat der Spitzenkoch eine hohe Reputation, die er nicht gefährden wollte. «Dies hat mir Raum für meine Aufgabe im OK verschafft», erzählt der Vater zweier Kinder. Dass Inniger sein OK-Amt – wie alle anderen auch – ohne Entschädigung ausfüllt, sei nur am Rande vermerkt. Er begründet sein Engagement mit der Verbundenheit mit dem Schwingsport. «Schwingen war an unserem Küchentisch immer ein Thema. Am ‹Kantonalen› 2010 war ich Küchenchef und 1995 am ‹Oberländischen› ein ‹Täfelibueb›», erinnert er sich.
RETO KOLLER
200 000 Franken für 200 Gaben
Der Gabentempel des «Oberländischen» war so bunt und vielfältig wie eine Bergblumenwiese im Vorsommer. Leiter Hans Zurbrügg ist verständlicherweise stolz auf die Spendierfreudigkeit der Talbevölkerung.
Ein ausladendes, mit blau-weiss «ghüseleter» Wäsche bezogenes Doppelbett, ein mächtiger, hölzerner Hotpot, ein schwerer Holztisch, Glocken und Treicheln, Bilder mit zum Schwingsport passenden Sujets – wer durch den Gabentempel des Schwingfestes schlendert, wähnt sich an einer kleinen Gewerbeausstellung. Nebst den zahlreichen Naturalpreisen winken für jeden der 200 Schwinger Dutzende Gutscheine aller Art – und natürlich Lebendpreise.
Beeindruckende Grosszügigkeit
Der bei der Adelbodner Firma Künzi & Knutti AG beschäftigte Vater dreier Kinder hat sich um die Beschaffung der Ehrengaben gekümmert. Ein achtköpfiges Team unterstützte ihn dabei. Mit einem Brief an alle Haushaltungen aktivierte er im September des vergangenen Jahres die Spendierfreude der Adelbodner Bevölkerung. Anschliessend folgten Anfragen an die Geschäfte und Unternehmungen der näheren Region.
Um die Übersicht über die eingegangenen Gaben zu behalten – es sind sogar welche aus der Zentralschweiz eingetroffen – führte er eine Datenbank mit 450 Einträgen. «Die administrative Arbeit war ziemlich herausfordernd», lässt Zurbrügg beim Gespräch im Vorfeld wissen.
Nur der Sieger-Muni ist fest vergeben
Der einzige «Böse», welcher nicht die Qual der Preiswahl hat, ist der Sieger des Schlussganges. Dieser weiss im voraus, dass ihm der Muni Johnny winkt – oder ein Check, der dem Wert des Tieres entspricht. Die weiteren fünf Jungrinder sind bereits Wahlpreise. Jeder der restlichen 199 Schwinger darf sich die zu ihm passende Gabe aus der Fülle des Tempels aussuchen. Hans Zurbrügg hoffte im voraus, dass die dafür vorgesehenen rund drei Stunden ausreichen werden (dem war schliesslich so, red). Nach seiner Erfahrung beziehen die Athleten die fünf Lebendpreise wohl in Form von Bargeld. Wer am Sonntag seinen ersten Kranz hole, der wähle häufig eine Treichel oder Glocke. «Sie erinnern den Schwinger an diesen besonderen Tag», weiss der Gabenchef, der schon seit Jahren für den Gabentisch am Engstlig-Schwinget zuständig ist.
Am Sonntagabend wird er aufatmen, wenn der letzte Wettkämpfer seinen Preis in Empfang genommen hat. «Dann bleibt das Aufräumen, anschliessend folgen einige Tage Arbeit im Betrieb, bevor wir in die wohlverdienten Sommerferien fahren», sagt er und wendet sich wieder seiner Bewachungsaufgabe zu. Schliesslich sind die Gaben für die Schwinger bestimmt, nicht für langfingrige Souvenirjäger.
Auch die Jungschwinger gingen nicht leer aus. Jeder Teilnehmer durfte sich einen Preis aussuchen. Deren Gabentempel hatte den Wert von stolzen 25 000 Franken.
RETO KOLLER
Vom «Wunschkonzert» zum soliden Fest
Das 19-köpfige Organisationskomitee hat ganze Arbeit geleistet. In unzähligen freiwillig erbrachten Stunden fügten die Mitglieder Teil um Teil des farbenfrohen Schwingfest-Puzzles zusammen.
Der Adelbodner Simon Bircher ist im OK für die Kommunikation zuständig. Schon am Schwingfest 2010 kümmerte er sich um das Wohlbefinden der Presseleute und den Auftritt des Anlasses nach aussen. Am vergangenen Wochenende nahm er sich der Bedürfnisse von rund 30 Medienschaffenden an.
Er erzählt von der Arbeitsweise des OK. «Wir haben uns bereits im Herbst 2023 formiert, weil wir uns der Herausforderungen bewusst waren, die ein solcher Grossanlass mit sich bringt», meint der Abteilungsleiter Bauverwaltung der Gemeinde Adelboden. Er gehört zu den erfahrenen Leuten und weiss, wo die Fallstricke lauern. «Anfangs war das für das OK wie ein Wunschkonzert. Wir wollten die schönste Wettkampfarena bauen, das tollste Unterhaltungsprogramm bieten und vieles mehr. Doch es galt, die Kosten im Griff zu haben.» Bircher erwähnt ein Beispiel: Ein Veranstalter hatte einst die Idee, die Holzschnitzel der Stehplätze zwischen den Schwingplätzen und den Tribünen blau einzufärben. Niemand machte sich Gedanken über die – teure – Entsorgung der als Sondermüll taxierten Schnitzel. Das Resultat der hübschen Idee war ein unerfreuliches Defizit.
Laut Bircher gelten gewisse Faustregeln, welche die Ausgaben ins Verhältnis zu den erwarteten Einnahmen aus dem Festbetrieb setzen: «Für jeden Franken, den wir ausgeben, müssen wir am Fest deren drei umsetzen.» Daran hielt sich das OK, um am Tag nach dem Anlass keine bösen Überraschungen zu erleben. Aufgrund dieses Grundsatzes fielen beispielsweise die Topstars der Schweizer Unterhaltungsbranche von vornherein ausser Betracht. «Gagen von 20 000 Franken und mehr konnten wir uns schlicht nicht leisten. Wir mussten hart zu uns selbst sein», sagt der Kommunikationschef.
Immer schneller drehendes Karussell
Bircher erinnert sich an die Anfänge der Arbeit im OK. Das «Oberländische» lag noch in weiter Ferne, und die Kadenz der Tätigkeiten war eher gemächlich. Dies änderte sich mit dem Näherrücken des Grossanlasses. Ab Anfang Jahr wussten alle, was sie zu tun hatten. Man checkte an den OK-Sitzungen gegenseitig ab, ob diese oder jene Aufgabe erledigt oder auf dem Radar der Beteiligten war. «Während der letzten zwei Wochen wurde es intensiv. Die Meetings und Absprachen folgten sich nahezu täglich», schildert Bircher. Er betont, mit wie viel Herzblut und Engagement die OK-Mitglieder und ihre Teams gearbeitet hatten. Allen sei die grosse Bedeutung des Festes für die Schwingersektion Adelboden jederzeit bewusst gewesen. «Es war uns allen jeoch klar, dass auch das beste OK nichts nützt, wenn nicht 400 Helferinnen und Helfer freudig ihr Bestes geben», hält Bircher zum Schluss fest
RETO KOLLER
Jungschwingertag
Unter den 361 startenden Jungschwingern waren am Oberländischen Jungschwingertag in Adelboden nicht weniger als 56 Frutigländer am Start. In den fünf Kategorien schauten ein Sieg durch Elia Jaggi heraus, die Schlussgangteilnahme von David Reichen und total neun Zweige.
Die Schwingersektion Adelboden richtete einen wunderschönen Festplatz in unmittelbarer Nähe des Ski-WeltcupZielgeländes ein. Am Samstag durften die Jungschwinger ihr Können auf den sechs Ringen zeigen. In der jüngsten Kategorie Jahrgang 2016/17 gewann der Thuner Maxim Zwahlen im Schlussgang gegen den Mittelländer Silvan Steiner. Der Kandersteger Pierin Orlik sicherte sich im 6. Rang den Zweig. Nach einer Startniederlage und einem Gestellten gelang der Start nicht nach Wunsch. Doch Orlik drehte auf und gewann seine restlichen vier Kämpfe. Die anderen fünf Frutigländer konnten in dieser Kategorie leider kein Eichenlaub gewinnen.
Jaggi holt sich fünften Saisonsieg
In der nächsten Kategorie sicherte sich Elia Jaggi den Sieg beim Jahrgang 2014/15. Der Start gelang dem Reichenbacher trotz grossen Bemühungen nicht optimal, wurde er doch im Startgang vom Gast Loan Schweizer ausgekontert. Anschliessend reihte Jaggi aber Sieg an Sieg und qualifizierte sich für den Schlussgang. In diesem dominierte der 11-Jährige den Gang mit dem Appenzeller Gast Janick Knechtle. Mit einem Knietätsch siegte Jaggi soverän und konnte somit seinen fünften Saisonsieg feiern.
Auch sein Trainingskollege Dario Reichen sicherte sich den Zweig. Mit vier Siegen, einem Gestellten und einem verlorenen Gang klassierte sich der Krattiger auf dem sechsten Rang. Pech hatte Lars Lauener. Mit drei Siegen gestartet , musste der Reichenbacher den Wettkampf wegen einer Fussverletzung nach dem vierten Gang aufgeben.
Keinen Zweig gab es für Louis Zurbrügg aus Frutigen, Jaron Pieren aus Adelboden und Dario Schmid von der Schwingersektion Frutigen.
27. Zweig für den Adelbodner Grossen
In der Kategorie Jahrgang 2013 holte Michael Liechti aus Belp den Sieg mit dem Punktemaximum. Und auch ein Einheimischer durfte jubeln, der Adelbodner Mario Grossen holte sich seinen 27. Zweig.
Er hatte sich sehr auf das Heimfest gefreut und war mit seinem Zweiggewinn und dem 6. Rang sehr zufrieden. Seine drei Plattwürfe realisierte der 11-Jährige vor allem mit Fussstich und Hüfter. Als seine Vorbilder bezeichnet er Adrian Walther und Michael Moser. Grossen schwingt seit rund fünf Jahren, seine weiteren Hobbys sind Skifahren und Fussball.
In der Kategorie 2011/12 holten sich drei Jungschwinger der Sektion Aeschi den Zweig. David Reichen erreichte zu seiner Überraschung sogar den Schlussgang, dort musste er jedoch die Stärke des Seeländers Kilian Schlup anerkennen. Der 171 Zentimeter grosse und 59 Kilogramm leichte Krattiger hat eine gute Kampfübersicht, in Adelboden gewann er seine Gänge vor allem mit Lätz.
Im geteilten 9. Rang sicherten sich Lars Santschi wie auch Cedric Mühlematter den Zweig. Für den Krattiger Santschi war es der fünfte Zweig, ein grosser Erfolg, er konnte sogar um den Schlussgang schwingen. Das Gleiche gilt für Mühlematter, leider verlor auch der Faulenseer den entscheidenden Gang, er konnte sich aber über einen weiteren Zweig freuen.
Knapp hinter der Auszeichnung klassierte sich der Reichenbacher Lukas Streun und auch Nico Balmer aus Aeschiried stellte um den Zweig.
Bei den ältesten Jungschwingern mit den Jahrgängen 2009/10 holte sich der Oberaargauer Simon Friedli den Sieg. Er bezwang im Schlussgang Tim Ruch aus dem Eriz.
Die beiden Reichenbacher Alex von Känel und Marco Lauener holten sich mit je drei Siegen im achten Rang den Zweig. Diesen verpasste der Frutiger Julian Scheidegger unglücklich um einen Viertelpunkt.
PETER ZAHLER
«Das Wasser stand mir nie bis zum Hals»
Judith Klossner (32) ist im OK zuständig für die freiwilligen Helferinnen und Helfer. Sie erzählt von den Herausforderungen der Helfersuche und der Aufgabe, die ihr den grössten Bammel verursacht hat.
Die geborene Diemtigtalerin Judith Klossner ist fest im Schwingsport verwurzelt. Zwei Brüder und eine Schwester haben sich für die Sportart entschieden. Die gelernte Gipserin und Mutter zweier vorschulpflichtiger Kinder lebt seit 15 Jahren in Adelboden.
Wo brauchte es am meisten Leute?
In der Gastronomie. Doch auch um das Gelände sauber zu halten, sind viele Hände nötig. Dort stand uns die Heilsarmee tatkräftig bei, wie sie es auch am Weltcup tut.
Welche Quellen haben Sie eingesetzt?
Wir haben stark über die sozialen Medien aufgerufen. Dazu kamen Anfragen an die lokalen und regionalen Vereine. Auch befreundete Schwingclubs haben einige Helfer geschickt. Doch die überwiegende Mehrheit stammt aus dem Tal und den angrenzenden Gemeinden. Deshalb mussten wir nur gerade acht Freiwilligen Schlafplätze anbieten.
Ich habe mich sehr über das Engagement von zahlreichen Freiwilligen gefreut, welche in Adelboden wohnhaft sind oder eine Zweitwohnung oder ein Ferienchalet besitzen. Unsere Stammgäste zeigen mit ihrem Einsatz Verbundenheit mit ihrer zweiten Heimat.
Sie haben die Entschädigung angesprochen. Wie sieht die aus?
Wir halten es wie der Weltcup und entschädigen über die helfenden Vereine. Der Ansatz pro Einsatz hängt von den Verkaufserlösen ab und liegt zwischen 10 und vielleicht 35 Franken.
Die Ski-Weltcuprennen wären ohne die Unterstützung des Zivilschutzes nicht durchzuführen. War die Organisation auch an Ihrer Seite?
Glücklicherweise ja. Die Zivilschutzorganisation Niesen & Saanen plus war vor Ort. Am Montagmorgen halfen uns rund 37 Zivilschützer beim Abbau. Dafür sind wir besonders dankbar, weil es schwierig ist, Helfer für den Tag nach dem Fest zu gewinnen.
Sie haben diesen Job erstmals in ihrem Leben wahrgenommen. Woher hatten Sie die Erfahrung und das Wissen, welche Freiwilligen wo und in welcher Anzahl gebraucht wurden?
Ich erkundigte mich bei den Austragungsorten Frutigen und Brienz, die in der Vergangenheit Ausrichter waren. Ihre Tipps und die Unterlagen waren für mich sehr wertvoll. Auch die Leute von der Ski-Weltcup Adelboden AG haben ihre riesige Erfahrung mit mir geteilt.
Wurden Sie je von Zweifeln befallen, die Aufgabe stemmen zu können?
Nein. Nicht zuletzt dank der Unterstützung meiner Kolleginnen und Kollegen im OK stand mir das Wasser glücklicherweise nie bis zum Hals. Die Verbindung der Aufgabe mit meinen Mutterpflichten und dem 40-Prozent-Job als Gipserin war allerdings gelegentlich eine Herausforderung.
Welche Aufgabe hat Ihnen am meisten Bauchschmerzen verursacht?
Jeweils am Morgen und am Nachmittag wandte ich mich von der Gsür-Tribüne aus über den Lautsprecher ans Publikum, um allen Freiwilligen, den Landbesitzern und den Sponsoren für ihr Engagement öffentlich zu danken. Diese Rolle, die mich kurz ins Rampenlicht der Veranstaltung stellte, behagte mir nicht besonders. Ich bin eher die Schafferin im Hintergrund. Der Auftritt fiel mir zum Glück von Mal zu Mal etwas leichter. Man gewöhnt sich an Neues und lernt laufend dazu. Das ist das Schöne an solchen Ämtern.
RETO KOLLER
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