Historische Säge soll wieder sägen
20.05.2025 Aeschi, AeschiriedAm 31. Mai und 1. Juni ist schweizerischer Mühlentag. Dies ist auch der offizielle Start für ein spezielles Sanierungsprojekt im Suldtal: Dereinst soll das Wasserrad wie früher die Säge antreiben.
HANS RUDOLF SCHNEIDER
Die Vorarbeiten haben ...
Am 31. Mai und 1. Juni ist schweizerischer Mühlentag. Dies ist auch der offizielle Start für ein spezielles Sanierungsprojekt im Suldtal: Dereinst soll das Wasserrad wie früher die Säge antreiben.
HANS RUDOLF SCHNEIDER
Die Vorarbeiten haben bereits begonnen. Da im Winter das Suldtal nur erschwert zugänglich ist, muss die verbleibende Zeit genutzt werden. Die ganze Mechanik – schwere gusseiserne Schwungräder – müssen aufgearbeitet werden, damit der Antrieb der historischen Säge durch das bestehende Wasserrad wieder funktionieren kann. Die industriegeschichtlich interessante Anlage steht in einem Gebäude beim Gasthaus Suld. Dieses gehört der Restaurant Pochtenfall GmbH von Heidi und Adrian Bircher sowie Silvia und Rolf Zurbrügg. Sie sind denn auch die treibenden Kräfte, um die Säge wieder in Schuss zu bringen. Die Nutzung der Wasserkraft für eine Sägerei ist bereits im 16. Jahrhundert belegt und fand bis 1963 statt. Seither steht die Anlage still. Das Wasserrad erzeugte zudem bereits ab 1925 elektrischen Strom – noch bevor das Dorf Aeschi mit Strom versorgt wurde – und leistet auch heute noch einen Teil an den Energiebedarf des Gasthauses.
Das Sanierungsprojekt
Am Mühlentag wird offiziell gestartet: Die restaurierte Gattersäge – wie alt die vorhandenen Originalteile sind, ist nicht klar – soll sowohl einer älteren Generation als industriegeschichtlich interessierte Gruppe als auch einem jüngeren Publikum wie Schulklassen Einblick in ein über Jahrhunderte im Suldtal ausgeführtes Handwerk geben. Dies soll mit Informationsmitteln vor Ort geschehen, aber insbesondere mit der in Betrieb stehenden Sägerei, «der Wucht des Gatters und des Sägeblattes und dem Duft des frisch gesägten Holzes und des Sägemehls», wie es auf der Projektwebseite beschrieben wird.
In Wechselausstellungen können die Berufe, welche mit der Säge in Verbindung stehen wie etwa Holzfäller, Sager, Schreiner, Zimmerleute und Förster, den interessierten Besuchern nähergebracht werden. Auch Ausstellungen mit historischen Werkzeugen und Hilfsmitteln in der Waldwirtschaft können angeboten werden. Dies alles in einem kantonal ausgeschiedenen Naturschutzgebiet. Soweit die Iden der heutigen Besitzer, die durch Fachbetriebe aus den Bereichen Holzbau, Spenglerei, Elektroinstallation, Bauunternehmung, Architektur sowie dem Berner Heimatschutz unterstützt werden.
Für Kultur und den Tourismus
Das Amt für Kultur und Denkmalpflege des Kantons Bern hat die alte Säge als erhaltenswert eingestuft und beschreibt sie als «interessantes gewerbe- und industriegeschichtliches Zeugnis in landschaftlich eindrücklicher Umgebung». «Das sollen auch Gäste erfahren, die als Touristen ins Tal kommen. Die im Schaubetrieb hergestellten Bretter und Balken sind für den Eigenbedarf oder den Verkauf vorgesehen. Zentral ist, dass nur ein regelmässiger Betrieb die Erhaltung der Anlage und ihrer Mechanik erlaubt», betont Adrian Bircher, der Wirt des Gasthauses.
Die Restaurierung eines so alten und stillgelegten Objektes beinhaltet etliche Unsicherheiten. Bei der Kostenzusammenstellung stützte man sich auch auf Erfahrungswerte von anderen Restaurierungen. Nach Abzug von Eigenleistungen sind von den 210 000 Franken Gesamtkosten noch rund 140 000 Franken ungedeckt. Die Spendensammlung beginnt mit dem kommenden Mühlentag, sei es direkt vor Ort, über die Webseite oder die Crowdfunding-Plattform Lokalhelden. Zudem werden verschiedene Organisationen und Stiftungen angegangen, um das Projekt zu unterstützen. Ziel ist es, bis Ende 2027 eine funktionsfähige Sägerei zeigen zu können, wie Rolf Zurbrügg und Adrian Bircher sagen.
Weitere Informationen unter alti-sagi-suld.ch und www.lokalhelden.ch
Der Mühlentag
Die Vereinigung der Schweizer Mühlenfreunde führt jeweils am Wochenende nach Auffahrt ihren nationalen Anlass durch. Historische Mühlen in allen Landesteilen öffnen deshalb am 31. Mai und 1. Juni 2025 ihre Türen für interessierte Besucherinnen und Besucher. Das Motto in diesem Jahr lautet «weiterverarbeitendes Gewerbe», also durchaus passend zu einer historischen Sägerei. Zudem wird das 25-Jahr-Jubiläum des Verbands gefeiert. An den vergangenen Mühlentagen waren jeweils über 25 000 Interessierte zu den historischen Anlagen unterwegs.
HSF
Mehr dazu unter muehlenfreunde.ch