«Holz macht stolz»
31.01.2025 FrutigenWer Interesse an komplexen Holzkonstruktionen hat, staunte am vergangen Sonntag im Bildungszentrum Holzbau nicht schlecht: Zimmerleute aus dem Berner Oberland im dritten und vierten Lehrjahr präsentierten ihre Freizeitmodelle des Berufswettbewerbs und standen ...
Wer Interesse an komplexen Holzkonstruktionen hat, staunte am vergangen Sonntag im Bildungszentrum Holzbau nicht schlecht: Zimmerleute aus dem Berner Oberland im dritten und vierten Lehrjahr präsentierten ihre Freizeitmodelle des Berufswettbewerbs und standen Red’ und Antwort.
GERHARD KAPPHAHN
«Holz macht stolz», sagte Simon Meyer, Abteilungsleiter Holzberufe am Bildungszentrum Interlaken (bzi) zu Beginn der Siegerehrung. Das Niveau der ausgestellten 92 Arbeiten der angehenden Zimmerinnen und Zimmerleute sei beeindruckend. «Die Lernenden haben engagiert ihre Projekte verwirklicht und dafür bis zu 150 Stunden ihrer Freizeit aufgewendet. An zahllosen freien Abenden und Wochenenden haben sie in der Werkstatt gestanden», lobte Meyer die jungen Menschen.
Komplexe Projektvorgaben wie im Berufsleben
Der Freizeit-Berufswettbewerb der Zimmerleute findet alle zwei Jahre statt und ist ein fester Bestandteil des Lehrplans. Organisiert wird er vom bzi-Standort Holzzentrum Frutigen und vom Verband Holzbau Schweiz / Sektion Berner Oberland. «Ziel ist es, dass die angehenden Zimmerleute ein Projekt von der Idee über die Planung, von der technischen Zeichnung bis hin zur Anfertigung und Endmontage durchziehen, und zwa zeitgerecht und mit den unweigerlich auftretenden Schwierigkeiten», erklärte Edi Schmid, Berufsverantwortlicher Zimmerleute beim bzi. «Die Lernenden erhielten den Auftrag, ein Berufsmodell im Massstab 1:2 bis 1:10 herzustellen. In der Wahl sind sie frei – vielfach werden Dach-, Brücken- oder Treppenkonstruktionen hergestellt», so Schmid.
Sämtliche Arbeiten wurden von einem Expertenteam bewertet. Es galten dabei die im Berufsleben üblichen strengen Toleranzen. Der Schwierigkeitsgrad der Arbeit steht bei der Bewertung an erster Stelle. Aber auch die fachliche Richtigkeit muss gegeben sein, hinzu kommen Faktoren wie Arbeitsaufwand und Komplexität. Die Originalität und eine passgenaue Arbeitsausführung werden ebenfalls benotet.
Betriebe und Lernende profitieren
In den Räumlichkeiten Bildungszentrum Holzbau waren auch viele Lehrbetriebe und BerufsbildnerInnen anzutreffen. «Es ist aufschlussreich, die Arbeiten der eigenen Lernenden im Vergleich mit ihren Berufskolleginnen und -kollegen anzuschauen», fand etwa Beat Brügger, Geschäftsführer Holzbau der Firma Brügger HTB GmbH aus Frutigen. «Es ist wie eine kleine Werkschau. Man trifft die Zimmereibranche und lernt neue Talente kennen.»
Und was sagen die Lernenden zum Berufswettbewerb? Für Damian Aellig aus Kiental stellte er eine willkommene Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung im Juni dar. «Bei der Planung sind Fehler aufgetreten, die mich wertvolle Zeit gekostet haben», erklärte sein Kollege Jonas Elsener aus Reichenbach. Ähnliches sagte Damian Dubach aus Reichenbach: Die komplexen Winkelberechnungen für die Holzverbindungen dürften nicht unterschätzt werden, sie seien die Basis für die Konstruktion. «Wir arbeiten mit der Genauigkeit eines halben Bleistiftstrichs, dem sogenannten halben Riss», ergänzte Loris Schneider aus Frutigen. Selbstverständlich durften die vier angehenden Berufsleute bei fachlichen Problemen ihren jeweiligen Ausbildungsbetrieb um Rat fragen.
Nächster Wettbewerb in zwei Jahren
Um 17 Uhr wurde es noch einmal hektisch im Bildungszentrum Holzbau: Alle ausgestellten Modelle mussten abtransportiert werden, damit die Räumlichkeiten wieder für die überbetrieblichen Kurse zur Verfügung standen. Man darf schon auf den Berufswettbewerb 2027 gespannt sein, denn auch er wird sicher wieder interessante Modelle hervorbringen und zur grossen Fachkompetenz des Berufsnachwuchses beitragen.
Rangliste 3. Lehrjahr:
• 1. Rang Elias Horak, St. Stephan
• 2. Rang Nathan Josi, Hondrich
• 3. Rang Shane Schmid, Höfen bei Thun
Rangliste 4. Lehrjahr:
• 1. Rang Lukas Gempeler, Blankenburg
• 2. Rang Luca Nydegger, Brienz; Simon Spycher, Uebeschi
• 3. Rang Luca Wissler, Oey