Ins Engstligtal zurückgekehrt, um zu sterben
20.06.2025 AdelbodenRafael Sabatinis schriftstellerisches Werk umfasst über 30 Bücher. Auch als der Autor von Abenteuerund Liebesromanen schwer erkrankte, bestand er darauf, seine jährliche Reise ins Lohnerdorf anzutreten – es wurde seine letzte.
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Rafael Sabatinis schriftstellerisches Werk umfasst über 30 Bücher. Auch als der Autor von Abenteuerund Liebesromanen schwer erkrankte, bestand er darauf, seine jährliche Reise ins Lohnerdorf anzutreten – es wurde seine letzte.
Mehrere Tageszeitungen berichteten vor 75 Jahren über den Tod eines Gastes in einem Hotel in Adelboden. Es handelte sich dabei um Rafael Sabatini, den berühmten englischsprachigen Autor historischer Abenteuer- und Liebesromane. Dieser war vor 75 Jahren krank aus England ins Lohnerdorf angereist.
Wie kam es dazu? Geboren wurde Sabatini am 29. April 1875 in Italien in einem Vorort von Ancona. Seine Mutter Anna stammte aus der Gegend von Liverpool und galt als versierte Pianistin und Sängerin. Sein Vater, Vincenzo Sabatini, war ein italienischer Opernsänger. Sie hatten ihren Sohn Rafael einst in einer Schule in der Schweiz unterrichten lassen. Dorthin kehrte er später als Erwachsener immer wieder zurück. Mit siebzehn Jahren verliess Sabatini die Schule, um ins Berufsleben einzusteigen.
In England arbeitete er als Übersetzer und begann um 1895, Liebesromane zu schreiben. Er hatte einen Vollzeitjob und schrieb nur nebenbei. Seine Kurzgeschichten verkaufte Rafael Sabatini an erstklassige nationale Zeitschriften in Grossbritannien. Nach der Heirat mit Ruth Goad Dixon erfolgte der Umzug in die Nähe Londons. Dort erblickte Sohn Rafael-Angelo, den sie «Binkie» nannten, das Licht der Welt. Sabatini liebte das Skifahren und jeden Januar reiste die Familie nach Adelboden. Er veröffentlichte jährlich ein Buch, wie etwa «Der Seefalke», einen Piratenroman, oder 1921 mit «Scaramouche» die Geschichte eines jungen Anwalts während der französischen Revolution.
Erfolg, Tragödien und Scheidung
Im April 1927 fuhren Rafael und Ruth Sabatini von London nach Schottland, um die Bühnenproduktion von «Scaramouche» zu sehen. Nach der Vorstellung fuhr er mit einem Freund zum Bahnhof, während seine Frau mit Binkie eine Ausfahrt machte. Auf dem Rückweg vom Bahnhof entdeckte er plötzlich ein Wrack. Er erkannte es sofort als Binkies Auto. Am Strassenrand lag die Leiche seines geliebten Sohnes. Ruth hingegen war wohlauf. Sie war aus dem Auto geschleudert worden und war bewusstlos, sodass sie sich glücklicherweise nicht an die Ereignisse erinnern konnte.
Beide waren wegen des Todes ihres einzigen Kindes am Boden zerstört. Rafael schien eine Zeit lang nicht viel zu schreiben, doch was er schrieb, sagte er, sei ihm wie ein Rettungsanker in seiner tiefen Depression gewesen. Danach häuften sich persönliche Probleme und das Paar liess sich scheiden.
Als ob die Scheidung nicht genug gewesen wäre, begann die Weltwirtschaftskrise, und die Verkaufszahlen von Sabatinis Büchern gingen drastisch zurück. Aber bald fand er sein Gleichgewicht wieder. Dazu vermählte er sich erneut, diesmal mit seiner ehemaligen Schwägerin Christine Dixon. Deren Sohn Lanty hatte Ähnlichkeit mit Sabatinis erstem Sohn Binkie. Als der Krieg ausbrach, trat Lanty den Luftstreitkräften des Vereinigten Königreichs bei. An dem Tag, an dem er seine Fluglizenz erhielt, überflog Lanty den Wohnort seiner Eltern. Diese standen draussen und winkten ihm zu. Plötzlich geriet die Maschine ausser Kontrolle und stürzte brennend vor den Augen von Christine und Rafael ab.
Krank in Adelboden angereist
Während des Zweiten Weltkrieges hielt sich Sabatini zum ersten Mal nicht an sein jährliches Buchprogramm. Er hatte gesundheitliche Probleme, sein Magen machte ihm zu schaffen. Offenbar litt er an Magenkrebs. Obwohl die Produktion an Publikationen nachliess, schuf er 1949 ein letztes Buch, «The Gamester».
Im Januar 1950, als sein jährlicher Besuch in der Schweiz anstand, beharrte er trotz Krankheit darauf, in sein geliebtes Adelboden gebracht zu werden. Er war so krank, dass er die meiste Zeit im Bett lag und kaum einen Stift heben konnte. Am 13. Februar 1950 kam das Ende im Hotel Nevada Palace. Man bestattete den berühmten Engländer auf dem lokalen Friedhof und seine Frau Christine schuf eine berührende Skulptur für sein Grab: Sie zeigt einen Mann auf dem Boden liegend, mit dem Gesicht nach unten und einem Stift in der Hand. Später fand auch Christine Sabatini-Wood dort ihre letzte Ruhestätte.
HANS HEIMANN
Quelle: www.rafaelsabatini.com