Am Samstag schön, am Sonntag unsicher
04.01.2023 AdelbodenAm Samstag schön, am Sonntag unsicher
Joachim Schug ist seit Jahren vor Ort, wenn es darum geht, den Pistenverantwortlichen möglichst präzise Angaben über die Wetterentwicklung zu geben. Der studierte Meteorologe stammt aus dem Allgäu und lebt ...
Am Samstag schön, am Sonntag unsicher
Joachim Schug ist seit Jahren vor Ort, wenn es darum geht, den Pistenverantwortlichen möglichst präzise Angaben über die Wetterentwicklung zu geben. Der studierte Meteorologe stammt aus dem Allgäu und lebt seit 20 Jahren in der Schweiz. Er arbeitet für die Firma MeteoGroup, den grössten Wetterdienstleister Europas.
«Frutigländer»: Herr Schug, wie beurteilen Sie die Lage für die nächsten Tage bis zum Wochenende?
Die aussergewöhnlich warme Witterung der letzten Tage mit Luft vom subtropischen Atlantikgebiet und Föhn ging am Montagabend zu Ende. Eine Kaltfront bringt aus Westen etwas Regen, Abkühlung und ein «Schüümli» Neuschnee. Am Mittwoch und Donnerstag wird es eher bewölkt mit etwas Regen. Am Freitag und Samstag erwarten wir trockenes und freundliches Wetter, am Sonntag folgen zunehmend Wolken und Wind.
Wie zuverlässig sind die Voraussagen?
Ich schätze sie ziemlich stabil ein. Der Riesenslalom am Samstag findet bei trockenem, schönem Wetter statt. Das Publikum darf sich freuen! Der Sonntag ist noch etwas unsicher.
Was würde dem Pistenteam helfen?
Wichtig wären jetzt noch ein paar kalte Nächte. Dieses Jahr drohen keine Unwetter wie Sturm oder Dauerregen. Das lässt zumindest hoffen.
Warum ist gerade Adelboden immer wieder von solchen Warmwettereinbrüchen betroffen?
Milde West- bis Südwestlagen sind sehr häufig über die Weihnachtstage, das ist keine Überraschung. Das berüchtigte «Weihnachtstauwetter» tritt in 75 bis 80 Prozent aller Jahre auf – eine der zuverlässigsten Witterungsregeln, etwa vergleichbar mit den Eisheiligen oder der Schafskälte. Die Region Adelboden ist sehr anfällig für die warmen Südwestwinde, mehr als etwa das benachbarte Oberwallis, wo sich die warme Luft nur sehr zögerlich durchsetzt. Dies ist der Topografie und der geografischen Lage geschuldet.
Was ist Ihre Aufgabe?
Als Meteorologe gebe ich schon im Vorfeld für die ganze Pistenpräparierung wichtige Impulse. Kurz vor dem Rennwochenende liefere ich Informationen zur kurzfristigen Wetterentwicklung, den Windverhältnissen, möglichen Nebelbildungen und Ähnlichem mehr, das die Pistenbearbeitung und den Ablauf der Rennen unmittelbar beeinflusst. Wettermodelle helfen dabei kaum, sondern nur ein grosses Verständnis der kleinräumigen Wetterprozesse im Raum Adelboden. MeteoGroup hat seit 2010 in Zusammenarbeit mit Adelbodens Ski-Weltcup drei Messstationen am Chuenisbärgli aufgebaut. Das ermöglicht sehr präzise Prognosen. Die «offizielle» MeteoSchweiz-Station beim Gemeindehaus ist bereits zu weit entfernt, um die Feinheiten der Temperatur- und Windentwicklung am Hang zu erkennen. Die Messgeräte direkt am Hang haben sich sehr gut bewährt. Sie sind eines der vielen Geheimnisse der legendären Adelbodner Pistenqualität und wurden einst vom damaligen Rennleiter Hans Pieren verlangt.
RETO KOLLER
(DAS INTERVIEW WURDE SCHRIFTLICH GEFÜHRT)