LESERBRIEFE zur Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Frutigen
28.03.2025 LeserbriefWehrt euch!
Wie unzählige Frauen aus dem Tal, aber auch von weiter weg gelegenen Orten, habe ich im Spital Frutigen vor über 30 Jahren zwei Kinder ohne Probleme ambulant geboren. Bei der ersten Geburt war ich 38 Jahre, bei der zweiten über 41 Jahre alt. ...
Wehrt euch!
Wie unzählige Frauen aus dem Tal, aber auch von weiter weg gelegenen Orten, habe ich im Spital Frutigen vor über 30 Jahren zwei Kinder ohne Probleme ambulant geboren. Bei der ersten Geburt war ich 38 Jahre, bei der zweiten über 41 Jahre alt. Diese Geburten waren nur dank dem äusserst hilfreichen «Hebammen-System» möglich. «Meine» Hebamme hat mir Vertrauen geschenkt, mir Mut gemacht, mich / uns aufs Beste betreut. Es war sehr beruhigend zu wissen, dass sie bei der Geburt dabei sein wird – und nicht «eine fremde Person».
Das Frutiger Modell ist hinsichtlich Geburt für Mutter und Kind und für den Start ins Leben des Kindes eine Erfolgsgeschichte. Hat nicht die Geburtenabteilung von Frutigen eine der niedrigsten (wenn nicht sogar die niedrigste) Kaiserschnittraten der Schweiz? Hat deshalb die Geburtenabteilung nicht «rentiert» (als ob eine Geburt Profit bringen sollte)? Wurde der Erfolg der Geburtenabteilung ihr selbst zum Verhängnis?
Generell gilt: Die unzähligen vorgeburtlichen Untersuchungen, Ultraschall und Tests ermöglichen es heutzutage, allfällige Geburtsrisiken zu minieren. Deshalb nimmt auch die Notfall-Kaiserschnittrate ab, obwohl jede Geburt trotz aller Vorkehrungen zu einem Notfall werden kann. Kaiserschnitte, wenn nicht erwünscht oder geplant, werden also weniger, d. h. Geburten (bzw. Geburtenabteilungen) sind weniger einträglich für ein Spital – es sei denn, es werden viele geplante oder erwünschte Kaiserschnitte durchgeführt, was auch die Aufenthaltsdauer im Spital verlängern würde.
Ich bin sehr froh und stolz auf die Frutiger Hebammen und die Geburtenabteilung: dass sie wenn immer möglich eine natürliche Geburt bevorzugt haben, auch wenn dies fürs Spital vielleicht nicht sehr einträglich war.
Statt eine anerkannte und hochgeschätzte Geburtenabteilung weiterzuführen, soll nun eine wohl profitablere Psychiatriestation aufgebaut werden. Was für ein Hohn! Übrigens: Auch in der Psychiatrie und der Psychologie herrscht Fachkräftemangel.
Eltern, Mütter, werdende Mütter, Väter und andere: Wehrt euch! Setzt euch ein für eure Kinder und Grosskinder, für einen angenehmen Start ins Leben!
SONJA ZURBUCHEN, WENGI
«Wohin führt diese Reise?»
Der Bund fördert und unterstützt den Ausbau des Glasfasernetzes bis in die abgelegensten Gebiete der Schweiz. Das Ziel: Zugang zu schnellem Internet (so Bundesrat Albert Rösti in der SRF-Tagesschau). Solches gehört offensichtlich zur «Grundversorgung».
Die Berner Regierung gibt grünes Licht zur Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Frutigen (aus finanziellen Gründen). Denn: Geburtshilfe gehört nicht zur medizinischen Grundversorgung! Wohin führt diese Reise? Wie entwickelt sich unsere Gesellschaft?
DR. MED. SAMUEL MOSER, FRUTIGEN
Wieso sofort?
Dass die Geburtshilfe im Spital Frutigen so abrupt geschlossen werden soll, hat mich absolut irritiert und schockiert. Wie ist das möglich und zu verantworten? Wieso sofort?
Ich sehe Werbung für den Kinofilm «Die Heldin» über eine Pflegende und das, was ich über die Medien und die Betroffenen zur Schliessung erfahren habe, ist wie in einem schlechten Film. Leider sind wir in Frutigen nicht die Einzigen, auch andere Orte erleben dasselbe. Was muss noch geschehen, bis wir aufwachen und politisch und praktisch handeln? Siehe Analyse von Mark Pollmeier in der letzten Ausgabe!
Wie können aktuelle Spitalfirmen so mit ihrem (langjährigen) Personal umgehen? Dies kann ich als ehemalige Nutzniesserin, als Mutter von vier Kindern, nicht akzeptieren.
Mir als ausgebildete Hebamme machen die vom Verwaltungsrat der Spitäler fmi AG überstürzten, neuen Gegebenheiten gros se Sorgen. So kann keine verantwortungsvolle Geburtshilfe aussehen.
Noch viel mehr aber sorge ich mich um die Zukunft unserer Frauen und Kinder und die gesamte medizinische Versorgung der Bevölkerung im Tal.
Wie inkongruent ist die Aussage, dass zu Gunsten eines erweiterten Notfallbetriebs die Geburtshilfe nach Interlaken verlegt werden soll, weil die Hintergrunddienste wie die Anästhesie nicht mehr betrieben werden können! Wie soll ein Notfall funktionieren, der keinen verfügbaren OPS hat? Wenn die Geburtshilfe in Frutigen geschlossen wird, hat das Auswirkungen für uns alle: für Männer, Frauen, Kinder, Einheimische und Gäste, Junge und Alte, Gesunde und Kranke. Deshalb schliesse ich mich dem Widerstand gegen die Schliessung der Frutiger Geburtsabteilung mit diesem Leserbrief an.
JUDITH DUMMERMUTH, ADELBODEN