Rhythmus, der verbindet
20.06.2025 Aeschi, AeschiriedDass sich Generationen bereichern können – gerade kulturell – das weiss man. Wenn sie es dann auch tun, ist das ein besonderes Ereignis. So erlebt in Aeschi bei der Probe des Chors Stimmix.
Wie werden kulturelle Traditionen fortgesetzt? Wie werden sie ...
Dass sich Generationen bereichern können – gerade kulturell – das weiss man. Wenn sie es dann auch tun, ist das ein besonderes Ereignis. So erlebt in Aeschi bei der Probe des Chors Stimmix.
Wie werden kulturelle Traditionen fortgesetzt? Wie werden sie weiterentwickelt? Wo findet man solche Entwicklungen im weiteren Frutigland, und was für ein Bild entsteht dabei? Das waren die Fragen, die bei der Recherche und dem kürzlichen Besuch einer Chroprobe im Zentrum standen.
Der gemischte Chor Stimmix wird nach einem Wechsel im Präsidium und bei den Dirigenten neu vom aus dem Wallis stammenden Ehepaar Vreni und Michael Minnig geleitet. Beide haben lange Jahre Erfahrung in der Leitung von Chören, und Vreni Minnig ist hauptberuflich auch Klavierlehrerin in Spiez. Die Position der Präsidentin oder des Präsidenten ist zurzeit vakant. Der seit 50 Jahren existierende Chor ist traditionell recht auftrittsfreudig und zieht seine Kraft aus der Begegnung mit dem Publikum, mit den Menschen, die Freude beim Besuch der oft auch überregional erfolgreichen Konzerte finden. Unter der Leitung der früheren Dirigentin Esther Niederer hatte der Chor eine lange Prägungs- und Erfolgsphase hinter sich: Gut 40 Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Generationen hatten über lange Zeit ein vielfältiges Repertoire gepflegt. Und diese innere Offenheit für Neues zahlt sich heute, einige Monate nach dem Abschied von Esther Niederer, aus.
Sanfte Führung zu den eigenen Wurzeln
Es ist eine sanfte Führung zu den eigenen musikalischen Wurzeln der mehrheitlich einer älteren Generation entstammenden Chormitglieder, die dem neuen Dirigentenehepaar Vreni und Michael Minnig zu gelingen scheint.
Was verbindet die schon fast tänzerische Fröhlichkeit der neuen Leitung mit der warmen Innigkeit des Chores? Da ist zum einen das gut ausgewählte neue Repertoire selbst: Stücke aus dem Jahr 1986 (z.B. aus dem Musical «König der Löwen»), aber auch aus dem Jahr 1964 (ein Medley aus dem Klassiker «Mary Poppins») werden verbunden mit einem eigenen Arrangement von Michael Minnig zu einem Motiv aus dem «Schellenursli». Das übergreifende Motiv über allem, das Grundthema der nächsten Auftritte, wird Filmmusik sein. Was aber in all dem der gemeinsame Nenner ist, das ist der Rhythmus.
Der Rhythmus machts
Denn was bei dem Chor Stimmix vor allem besticht, ist die Begeisterungsfähigkeit für den Rhythmus. Das kann sich zurückhaltend äussern, aber es ist an vielen kleinen Gesten sowie vor allem an Hand- und Fussbewegungen klar ablesbar: Bei vielen wippt etwas mit, schlägt eine Hand nachdrücklich den Rhythmus auf den Oberschenkel und manchmal wiegen sich auch – es scheint fast unbewusst zu sein – die Oberkörper hin und her. Es macht den Anschein, dass es der Rhythmus ist, der hier alles verbindet. Er verbindet nicht nur die Chormitglieder untereinander, sondern auch die beiden Generationen, die sich hier treffen: ein junges Dirigentenpaar, das aus klassischer, aber auch aus Unterhaltungsmusik kommt, und fast 40 SängerInnen, denen die meist unterhaltende Musik aus ihrer Jugend und ihren jungen Erwachsenenjahren Takt für Takt eine neue Lebendigkeit einhaucht. Es wird spannend sein, die Entwicklung weiterzuverfolgen.
MARTIN NATTERER