Seilbahnen auf Kurs
08.10.2024 TourismusEine aktuelle Studie zur finanziellen Lage der Schweizer Bergbahnen zeigt, dass sich die Branche nach der Pandemie insgesamt erholt hat. 30 Prozent der untersuchten Wintersportbahnen und 75 Prozent der Ausflugsbergbahnen verfügen über eine gute bis sehr gute Kapitalrendite. ...
Eine aktuelle Studie zur finanziellen Lage der Schweizer Bergbahnen zeigt, dass sich die Branche nach der Pandemie insgesamt erholt hat. 30 Prozent der untersuchten Wintersportbahnen und 75 Prozent der Ausflugsbergbahnen verfügen über eine gute bis sehr gute Kapitalrendite.
Prof. Dr. Philipp Lütolf von der Hochschule Luzern analysierte vertieft die Finanzen von 77 Seilbahnunternehmen (19 Ausflugs- und 58 Wintersportbergbahnen) im Zeitraum 2022 / 23 und im Mehrjahresvergleich. Die Studie zeigt, dass sich die finanzielle Lage der Bergbahnen in den letzten zehn Jahren insgesamt verbessert hat. Die Wintersportbahnen verzeichneten wie immer ein gemischtes Bild. Rund 30 Prozent erzielten eine gute bis sehr gute Kapitalrendite, die eine substanzielle Eigenfinanzierung von Investitionen ermöglicht. Die Kapitalrendite ist dabei als Durchschnitt der Jahre 2021 / 22 (schneereicher Winter) und 2022 / 23 (schneearmer Winter) bemessen. Bei etwa 45 Prozent der Unternehmen kann die Kapitalrendite als genügend eingestuft werden. Am unteren Ende müssen jedoch rund 25 Prozent der Seilbahnen in grösserem Stil auf externe Finanzhilfen zurückgreifen, um Investitionen stemmen zu können.
Drei der grössten Unternehmen (in Zermatt, Laax und Davos) trugen 40 Prozent zum gesamten Gewinn der untersuchten Bahnen vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen EBITDA bei. Die steigenden Energiekosten in den Jahren 2022 und 2023 belasteten einige Unternehmen, was in Einzelfällen zu einer Reduktion des investierbaren EBITDA um bis zu 30 Prozent führte.
Ertrag durch internationalen Tourismus
Die 19 analysierten Ausflugsbahnen haben die Auswirkungen der Pandemie gut überwunden. Obwohl sie zwischen 2020 und 2022 rund 260 Millionen Franken an investierbarem EBITDA verloren hatten, investierten sie in den betreffenden Jahren über 340 Millionen Franken, 60 Prozent davon konnten sie aus dem EBITDA finanzieren. Daneben mussten sie rund 100 Millionen Darlehen aufnehmen und ca. 40 Millionen bestehende flüssige Mittel einsetzen. Auch dank dieser Investitionen und der Erholung des internationalen Tourismus sind die Ausflugsbergbahnen wieder auf Kurs. Rund 75 Prozent der untersuchten Unternehmen wiesen 2022 eine gute bis sehr gute Kapitalrendite auf.
Das Geschäftsjahr 2023 brachte vor allem Unternehmen, die stark auf dem interkontinentalen Markt agieren, ein kräftiges Ertragswachstum.
Gästeverhalten bei dynamischen Preisen
In der Studie wurde auch untersucht, wie sich dynamische Preismodelle auf den Verkehrsertrag der Wintersportbahnen auswirken. Es wurde nachgewiesen, dass sich die Einführung dynamischer Preise signifikant positiv auf den Durchschnittsertrag je Skier Day (Anzahl Gäste pro Tag) auswirkt. Bei den Auswirkungen auf die Anzahl Skier Days ist die Datenlage uneinheitlich. Einige Bahnen scheinen im Vergleich zur «statischen» Konkurrenz zuzulegen, andere zu verlieren. Auf Stufe Verkehrsertrag zeigt sich die Datenlage daher auch uneinheitlich. Auch das Gästeverhalten bei Unternehmen, die das dynamische Preismodell verwenden, wurde analysiert. Dabei zeigte sich, dass sich die Onlinekäufe deutlich erhöhen. Bis zu 30 Prozent der Tagesgäste buchen ihr Ticket nur wenige Tage im Voraus online, während Mehrtagestickets von rund 50 Prozent der Gäste einen Monat vorab via Internet eingekauft werden. Ausserdem ist Schneesicherheit besonders für dynamische Preismodelle ein entscheidender Faktor.
Erfolgsfaktor Beschneiung
Weil schneearme Winter eine wachsende Herausforderung für die Wintersportbahnen darstellen, wurde diese Thematik in der Studie vertieft analysiert. Rund 20 Prozent der untersuchten Unternehmen haben im schneearmen Winter 2022 / 23 höhere Einnahmen erzielt als im schneereichen Winter 2021 / 22, dabei handelt es sich vorwiegend um Destinationen in höheren Lagen des Kantons Wallis. Die Studie unterstreicht, dass Investitionen in technische Beschneiungsanlagen von entscheidender Bedeutung für den langfristigen Erfolg sind. Wintersportbahnen, die weniger als 20 Prozent ihrer Pisten beschneien, erzielten im Mehrjahresvergleich niedrigere Kapitalrenditen. Zudem haben sich die Sommerangebote vieler Seilbahnen positiv entwickelt. Der Sommerverkehrsertrag ist im untersuchten Zeitraum zwischen 2014 und 2022 um durchschnittlich 45 Prozent gestiegen. Das Sommergeschäft macht mittlerweile etwa 25 Prozent des Verkehrsertrags aus. Es bleibt festzuhalten, dass die Wintersportbahnen für einen fehlenden Wintergast im Sommer 1,3 bis 4,2 Gäste benötigen, um den ausgebliebenen Ertrag zu kompensieren. «Entscheidend für den Sommererfolg ist, dass werthaltige Angebote bestehen, für welche die Gäste einen annähernd mit der Skitageskarte vergleichbaren Preis bezahlen», hält Philipp Lütolf fest.
Chancen für die Zukunft
Das Fazit der Studie lautet aus Sicht der Auftraggeberin Seilbahnen Schweiz: «Die Mehrheit der Schweizer Bergbahnen haben sich insgesamt positiv entwickelt und sind auf gutem Weg, ihre finanzielle Stabilität zu sichern, auch wenn Veränderungen wie steigende Energiekosten und der Klimawandel sie herausfordern.» Mit gezielten Investitionen in technische Beschneiung und der Stärkung des Sommergeschäfts würden sich die Firmen langfristig behaupten können.
PRESSEDIENST SEILBAHNEN SCHWEIZ