Stabübergabe nach 25 Jahren
20.06.2025 Aeschi, AeschiriedNach einem Vierteljahrhundert als Schulleiter übergibt Yves Gfeller auf das neue Schuljahr hin die Leitung an Stefan Kernen. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit, trotz ihres Altersunterschiedes. Eine Begegnung auf dem Schulhausplatz.
...Nach einem Vierteljahrhundert als Schulleiter übergibt Yves Gfeller auf das neue Schuljahr hin die Leitung an Stefan Kernen. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit, trotz ihres Altersunterschiedes. Eine Begegnung auf dem Schulhausplatz.
Frutigländer: Yves Gfeller, wer sind Sie?
Yves Gfeller: Ich bin in Bern-West aufgewachsen und habe Aeschi während meiner Militärzeit kennengelernt. Seit 1991 lebe ich mit meiner Familie in Krattigen und unterrichte seit 1988 in Aeschi. Ich bin verheiratet, Vater von drei Kindern und Grossvater von zwei Enkelkindern. Im Jahr 2000 habe ich die Schulleitung von Urs Balmer übernommen, zunächst gemeinsam mit ihm während drei Jahren. Seit 2003 teile ich die Leitung mit Therese Wells. Dieses «Vieraugenprinzip» unterstützt meine Arbeit sehr.
Was hat Sie damals bewogen, Schulleiter zu werden?
Gfeller: Obwohl ich sehr gerne unterrichte, kam mit den Jahren der Wunsch nach Weiterentwicklung auf. Gleichzeitig kündigte mein Vorgänger seinen Rücktritt an. Ich habe die Position nicht aktiv gesucht – es hat sich einfach so ergeben.
Was waren die Highlights in diesen doch langen 25 Jahren?
Gfeller (lacht): Ein Highlight war, dass Stefan bei mir im Unterricht war! Besonders geschätzt habe ich aber das engagierte Team, das stets hinter mir stand. Mit unserem kleinen Kollegium konnten wir viel bewegen. Wenn wir uns für etwas Aussergewöhnliches entschieden hatten, dann haben wir das auch durchgezogen.
Gab es auch schwere oder traurige Momente?
Gfeller: Zum Glück kam es mit den Schülerinnen und Schülern zu keinen einschneidenden negativen Ereignissen.
Was hat sich im Laufe der Zeit verändert?
Gfeller: Früher war die Aufgabe überschaubarer. Es ging vor allem darum, die Pensen korrekt zu melden und den Lohn!uss sicherzustellen. Heute gehören Schulentwicklungsprozesse, Massnahmenpläne und Controlling mit dem Schulinspektorat dazu. Auch die zunehmende Individualisierung im Unterricht stellt hohe Anforderungen an das Kollegium wie auch die Schulleitung.
Und wie war die Zusammenarbeit mit den Eltern?
Gfeller: Wenn man 25 Jahre lang mitten im Geschehen steckt, nimmt man die schleichenden Veränderungen kaum wahr. Ich hatte keine nennenswerten Schwierigkeiten mit den Eltern und fühlte mich grundsätzlich von ihnen stets unterstützt. Zudem war gefühlt die Hälfte von ihnen selbst einmal bei mir in der Schule – sie wissen also, wie ich ticke.
Warum geben Sie die Schulleitung ab?
Gfeller: Bereits 2023 habe ich der Gemeinde meinen Rücktritt für 2025 angekündigt – damit blieb genug Zeit, eine Nachfolge zu finden. Die Pandemie brachte zahlreiche Zusatzaufgaben und Personalengpässe mit sich, was die Arbeit zunehmend erschwerte und noch bis heute nachwirkt. Zudem möchte ich nach 25 Jahren unserem jungen Team die Möglichkeit geben, die Schule von morgen noch vermehrt zu gestalten, und gebe einfach zu gerne Unterricht, um mich ganz aus der Praxis zurückzuziehen.
Worauf freuen Sie sich jetzt besonders?
Gfeller: Ich freue mich darauf, die Hauptverantwortung weitergeben und mich wieder etwas fokussierter dem Unterricht widmen zu können.
Welche Ratschläge geben Sie Ihrem Nachfolger?
Gfeller: Stephan Kernen wird eine neue Rolle innerhalb des Kollegiums einnehmen, was Veränderungen mit sich bringt, aber auch viele Chancen eröffnet. Und er soll bitte schön allfällige «alte Zöpfe» von mir ungeniert abschneiden.
Und damit zu Ihnen, Stefan Kernen. Wer sind Sie?
Stefan Kernen: Ich bin in Aeschiried aufgewachsen und habe hier in Aeschi auch die Schule besucht – unter anderem bei Yves Gfeller. Heute lebe ich mit meiner Frau und unseren drei Kindern in Spiez. Ich unterrichte mit grosser Freude. Nach meinem Studium habe ich in Aeschi eine Stellvertretung übernommen und bin geblieben.
Warum wurden Sie Schulleiter?
Kernen: Ähnlich wie bei Yves war es keine aktive Entscheidung. Er und die Schulkommission sind auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, diese Aufgabe zu übernehmen. Nach kurzer Überlegung sagte ich zu – nicht zuletzt, weil es sich nicht um ein Vollpensum handelt und ich weiterhin unterrichten kann.
Worauf freuen Sie sich?
Kernen: Auf die Möglichkeit, die Schule hier mitzugestalten, und auf den Austausch mit anderen Menschen.
Wovor haben Sie Respekt?
Kernen: Ich trete in grosse Fussstapfen. Die vielen neuen Herausforderungen und das Behalten des Überblicks werden nicht einfach sein für mich. Auch auf die sogenannte «Sandwichposition» zwischen Lehrpersonen, Eltern, Gemeinde und Behörden bin ich gespannt. Ich bin sehr froh, dass Therese Wells mir mit ihrer Erfahrung weiterhin zur Seite steht. Das gibt Sicherheit.
MARTIN WENGER