Tourismus als Dorfprojekt
27.06.2025 Aeschi, AeschiriedIn Aeschi wurde im April ein neuer Weg eröffnet. Der Chugeli-Trail verspricht Spass sowie Naturerlebnis und stiess auf grosse Resonanz. Die vielen Besuchenden brachten Brennpunkte zum Vorschein – und Aeschi Tourismus wurde aktiv.
ANGELA KRENGER
Anders ...
In Aeschi wurde im April ein neuer Weg eröffnet. Der Chugeli-Trail verspricht Spass sowie Naturerlebnis und stiess auf grosse Resonanz. Die vielen Besuchenden brachten Brennpunkte zum Vorschein – und Aeschi Tourismus wurde aktiv.
ANGELA KRENGER
Anders als etwa der Kugelweg Hasliberg, führt der Chugeli-Trail in Aeschi mitten durch die Kulturlandschaft nahe an den Anwohnerinnen und Anwohnern vorbei. Er ist rund fünf Kilometer lang und führt von Aeschiried nach Aeschi. Wer unterwegs die Chugeli-Bahnen spielt, ist etwa eineinhalb bis zwei Stunden unterwegs.
«Die vielen Besucher gleich zu Beginn zeigten rasch die Problemstellen auf», sagt Tamara Buchschacher, Mitarbeiterin von Aeschi Tourismus. Sie steht gerade vor der ersten Bahn des Wegs – eine Art grosse Murmelibahn – und erzählt von den Frühlingsferien. «Erstens die Wegführung: Wir mussten noch klarere und mehr Schilder aufstellen.» Zweitens seien die Bahnen nicht gemacht, um etwa darauf zu klettern, so die Touristikerin. «Sie gingen unter dem Ansturm öfters kaputt als gedacht.» Heute haben sie einen Ranger, der einmal wöchentlich den Weg kontrolliert, und ein Netz an Einheimischen, die ihnen auch zur Hand gehen.
«Drittens, und das Problem beschäftigt uns zurzeit am meisten: Landschäden», so Buchschacher. Wenn die Besucher breit laufen, würden nämlich aus schmalen Grasnarben teils zwei Meter breite Wege.
Ländliche Gepflogenheiten
Der Chugeli-Trail öffnete am 1. April. Unterdessen komme es an Wochenenden und Feiertagen zu hohem Besucherandrang, wochentags sei es ruhiger als zu Beginn. Dabei macht Aeschi Tourismus wenig Werbung für den Trail. Und: «Von Anfang an arbeiteten wir mit der Gemeinde, den Landeigentümern und Landwirten sowie den Gewerbetreibenden zusammen», sagt sie und erklärt: «Denn ohne die enge Zusammenarbeit mit diesen hätten wir unser Dorfprojekt nicht auf die Beine stellen können.»
Trotz Knigge mit Verhaltenshinweisen hätten sie die Gäste zusätzlich sensibilisieren müssen, so Buchschacher. «Wir gingen oft auch auf den Weg und haben mit den Menschen unterwegs gesprochen, sie auf unsere Gep!ogenheiten aufmerksam gemacht», erzählt die Tourismusangestellte. Mit wir meint sie Geschäftsführer Jan Wittwer, Mitarbeiterin Sandra Gantner und sich selbst von Aeschi Tourismus. Mit Schildern und Flyern würden die Besucher angeregt, sich mit der ländlichen Gegend und der Landwirtschaft bekannt zu machen. Bei einem Haus wurde die Bahn auch wieder umplatziert, da die Belastung der Bewohner durch zahlreiche Besucher und Besucherinnen zu gross war.
Tourismus als Dorfprojekt
Der Chugeli-Trail wurde im Rahmen des NRP-Projekts Neupositionierung der Gemeinde Aeschi als familienfreundliche Destination geschaffen. Mit der Neuen Regionalpolitik (NRP) investiert der Bund zusammen mit den Kantonen in Unternehmungen, die ländliche Regionen und Berggebiete attraktiv gestalten und weiterentwickeln wollen.
«Hier gibt es keine Inszenierung»
«Wir möchten unseren Besuchern ein Gefühl für unsere ländliche und landwirtschaftlich geprägte Lebensweise näherbringen. Die Alp- und Landwirtschaft hat eine grosse Bedeutung für die Pflege und den Erhalt der alpinen Kulturlandschaft», betont Buchschacher. Durch die jahrhundertealte traditionelle Bewirtschaftung sei die einzigartige Landschaft, wie im Oberland, überhaupt erst entstanden. An den Bahnen werde zudem das hochstehende Handwerk sichtbar, betont Buchschacher. Teils seien diese von Lehrlingen gebaut worden. «Hier gibt es keine Inszenierung. Unsere Gäste erleben das einfache und authentische Aeschi und sind ganz herzlich eingeladen, eine wunderbare Zeit bei uns zu verbringen», hält die Tourismusfachfrau fest.
«Als Nächstes wollen wir noch mehr das Thema ‹Alpleben› ausbauen und auf unserer Website gib es seit letztem November die Rubrik ‹Aeschi – üses Dorf›, die wir Schritt für Schritt weiterentwickeln», berichtet Buchschacher. Dort gebe es einen kleinen Einblick ins Aeschi-Leben und «seine» Menschen.
Bauer erzählt
Aktuell laufe es gut, es habe auch etwas weniger Leute, sagt Landwirt André Gyger. Ein Teil des Chugeli-Trails führt direkt über sein Land. «Ein Problem ist, wenn die Leute nebeneinander laufen oder ins Gras rausspringen. Wird aber das Gras den Sommer hindurch zu Boden gestampft, können wir es nicht mehr sauber mähen», so der Wirt. Gleichzeitig hat er Verständnis und schmunzelt: «Natürlich ist es verlockend – doch schöne Blumen, die lassen sich auch am Wegrand pflücken.»
Der Tourismusverein sei auch aktiv und informiere über das korrekte Verhalten in der Kulturlandschaft, hält er fest. Einen Vorteil bringe der Trail zudem für die Direktvermarktung, wie etwa Kühlschränke entlang des Trails mit regionalen Produkten, die die Gäste kaufen könnten.
Gute Idee
«Ich finde es ein gutes Projekt – gerade für Familien», sagt Landwirt Gyger zum noch jungen Chugeli-Trail.
Die Zusammenarbeit mit dem Tourismus sei gut, erzählt André Gyger. «Tamara Buchschacher leistet viel Arbeit, um die Touristinnen und Touristen zu informieren. Und sie tauscht sich regelmässig mit den Grundstückeigentümern aus.»
Stimme aus der Gemeinde
«‹Der Tourismus hat dem Menschen zu dienen, nicht umgekehrt›, das ist ein Credo aus dem Tourismus, das ich auch unterstütze», sagt Gemeindepräsident Christian Däpp. «Das Zusammenspiel Bürger und Trail funktioniert», hält er fest. Der Chugelitrail ziehe viele einheimische Gäste an. Auch Anwohner würden ihn besuchen. Und: «Restaurants, aber auch etwa Bauern, die Produkte dem Weg entlang zum Verkauf anbieten, tragen einen Mehrwert davon.»
Kritik bei den Behörden?
Reklamationen seinen auf der Gemeinde keine eingegangen. «Einige Reklamationen gab es meines Wissens. Diese wendeten sich aber direkt an den Verein Aeschi Tourismus», so der Gemeindeprä- sident. Für Gewerbebetreibende sei der Trail auch Werbung. «Jemand sieht, wer die Bahn gebaut hat, und denkt vielleicht: ‹ja, mein Gartentor, das könnte ich doch bei der Firma in Auftrag geben.›»
Was er kritisch sieht: «Einzelne Touristinnen und Touristen nehmen zu wenig Rücksicht auf die Umwelt, Menschen und das Privateigentum.» Das sei ein Problem. Gleichzeitig sei der Tourismusverein hier sehr engagiert. «Eine Mitarbeiterin war selbst an mehreren Wochenenden vor Ort und informierte die Gäste. Das zeigt: der Trail ist ein Herzensprojekt.»
Das Gewerbe
beanstandungen zum Trail seien ihm nicht bekannt, sagt auch der Präsident des Gewerbevereins Aeschi, Beno von Kaenel. «Der Tourismus bringt Leben ins Dorf und ist in der aktuellen Form eine Bereicherung für unser Dorf», so von Kaenel. Er zieht ein positives Zwischenfazit: «Für das lokale Gewerbe ist der Tourismus eine willkommene Ergänzung – er bringt Frequenzen und neue Chancen. Wichtig ist, dass die Projekte gut abgestimmt sind und alle Beteiligten eingebunden werden – dann profitieren sowohl Gäste als auch Einheimische.»
AK