Verlust der Solidarität
04.04.2025 LeserbriefZUR SCHLIESSUNG DER GEBURTENABTEILUNG IM SPITAL FRUTIGEN
Die unheilvolle weltweite Entwicklung der Gewinnoptimierung hat auch in unserem oberländischen Gesundheitswesen Einzug gehalten. Bereits ungeborene Kinder sollen die Spitalfinanzen aufbessern. Auch in ...
ZUR SCHLIESSUNG DER GEBURTENABTEILUNG IM SPITAL FRUTIGEN
Die unheilvolle weltweite Entwicklung der Gewinnoptimierung hat auch in unserem oberländischen Gesundheitswesen Einzug gehalten. Bereits ungeborene Kinder sollen die Spitalfinanzen aufbessern. Auch in städtischen Gebieten können sie diese Leistung beim besten Willen nicht erbringen.
Der letzte «spitalpolitische Streich», welchen die FMI ausgeführt hat, ist nicht nachvollziehbar und hinterlässt bei den Talbewohnern eine Reihe von negativen Gefühlen. Als gebürtige Frutigtalerin stimmt es mich sehr traurig, dass mit dem Frutigland in gleicher Weise verfahren wird, wie wir das von der Schliessung der Geburtenabteilung in Zweisimmen kennen. Die kurze Frist von nur 11 Tagen zwischen Ankündigung und Geburtenschliessung in Frutigen ist ein Affront der ganz besonderen Art den betroffenen Frauen und Hebammen gegenüber. Die ganze Sache wird nun auf dem Buckel der gebärenden Mütter ausgetragen, als ob diese in ihrer Lage nicht schon «genug geplagt» sind. Auch wenn eine Schwangerschaft keine Krankheit ist, so birgt eine Geburt immer noch Risiken für Mutter und Kind. Wo bleibt da der Schutz der Gebärenden und der ungeborenen Kinder? Sind sie doch für den Fortbestand unserer Gesellschaft unverzichtbar und so wichtig für all die grossen sozialen Aufgaben, die die Zukunft noch fordern wird.
Die Schliessung einer für die Talschaft so wichtigen Abteilung zeugt von wenig Einfühlungsvermögen der Verantwortlichen für «abgelegener wohnende Familien». Wer selber in Kürze mehrere Spitäler erreicht, kann sich wohl schlecht vorstellen, was weite Spitalanfahrten oft bei ungünstigen Verkehrsbedingungen für Hochschwangere bedeuten. Solche Machenschaften sind unserer schweizerischen solidarischen Tradition unwürdig.
Das Spital Frutigen geniesst einen ausserordentlich guten Ruf weit über die Talschaft hinaus. Die Geburtenabteilung im Spital Frutigen wurde auch von vielen Auswärtigen rege beansprucht. Ein riesiger Aufschrei im Frutigtal und den benachbarten Talschaften fand statt. Bei der Online-Petition kamen 28 000 Unterschriften zu Stande. Am 30. März demonstrierten 400 Menschen in Frutigen gegen die Schliessung. Eine Vielzahl von Kindern, die im Spital Frutigen geboren wurden, war anwesend. Dass der Fachkräftemangel kein stichhaltiges Argument für die Schliessung war, wurde widerlegt. Jahrelang treuen und engagierten Mitarbeitenden mutet man ohne Weiteres den so kurzfristigen Verlust der gewohnten Arbeitsstelle zu. Es ist sehr zu hoffen, dass auf das Begehren der SP und der SVP hin für Frutigen eine positive Reaktion des Regierungsrats erfolgt.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich den Ärzten, dem Pflegepersonal und allen nötigen Mitwirkenden in unsern Landspitälern und auch in den Zentrumsspitälern für ihre kompetente und einfühlsame Arbeit aufrichtig danken.
ELISABETH AEBISCHER-BHEND, ZWEISIMMEN